Diskussionen um Preiskrieg im Jahresendgeschäft Ex-Acer-CEO Lanci berät nun Lenovo

Redakteur: Harry Jacob

Nicht wie ursprünglich vermutet bei Samsung, nein, bei Lenovo hat Ginafranco Lanci eine neue Wirkungsstätte gefunden. Er soll das weltweite Consumergeschäft von Lenovo, zu dem seit kurzem auch die Marke Medion gehört, nach vorne bringen.

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Ex-Acer-CEO Gianfranco Lanci soll Lenovo und Medion im Consumersegment entwickeln.
Ex-Acer-CEO Gianfranco Lanci soll Lenovo und Medion im Consumersegment entwickeln.

Medion, die Aldi-Hausmarke, gehört seit Juli zum Lenovo-Konzern. Vom deutschen Markt ausgehend, wo Medion im vergangenen Quartal auf Platz vier der meistverkauften PCs kam, soll Gianfranco Lanci als neuer Berater des Lenovo-Konzerns, eine europäische und weltweite Wachstumsstrategie entwickeln.

Das Consumergeschäft von Lenovo war bislang vergleichsweise schwach, denn die von IBM übernommene PC-Sparte war hauptsächlich auf Geschäftskunden ausgerichtet.

Hier untragbar, ...

Lanci war im März bei Acer als CEO gefeuert worden. Zwar war Acer unter seiner Ägide zur weltweiten Nr. 1 im PC-Geschäft aufgestiegen. Auch in Deutschland hatte Acer im vergangenen Jahr die Hitliste angeführt. Doch zum Weihnachtsgeschäft 2010 gab es einen herben Einbruch, der nun schon drei Quartale anhält. Der Konzern schlitterte in der Folge sogar in die roten Zahlen.

Der Acer-Aufsichtsrat und Lanci konnten sich Anfang des Jahres nicht über die weitere Strategie einigen. So musste der Italiener im März schließlich gehen. Später stellten sich noch Unregelmäßigkeiten in der spanischen Landesorganisation von Acer heraus, die die Taiwaner zusätzlich 150 Millionen Dollar kosteten. Auch dies wurde als Fehler der Ära Lanci deklariert.

... dort willkommen

Der Italiener Lanci wird sein Büro in seinem Heimatland behalten. Allerdings muss er sich eng mit dem Konzernchef von Lenovo, Yuanqing Yang, sowie dem restlichen Senior-Management abstimmen. Seine erste Aufgabe wird es sein, die Marke Medion, die derzeit hauptsächlich in Deutschland präsent ist, im gesamten westeuropäischen Channel und im Retail zu verankern. Yang lobte den Neuzugang, der wichtige Erfahrungen in das Unternehmen einbringe.

Ganz offensichtlich mit Blick auf die unklare PC-Strategie bei HP nutzte der Lenovo-CEO die Gelegenheit zu einem Seitenhieb auf den Wettbewerber: Lenovo bekenne sich eindeutig zum PC-Markt, zeige starkes Wachstum und großen Optimismus für die Zukunft. Deshalb kämen talentierte Mitarbeiter gerne zu dem chinesischen Konzern – das ist eine eindeutige Einladung an alle HP-Manager, die Zweifel an der Zukunft der dortigen PC-Sparte haben.

Wilde Spekulationen

Das taiwanische Branchenblatt Digitimes berichtet, es gäbe nun Spekulationen über einen neuen Preiskrieg in Europa, den Lanci nun bei Lenovo anzetteln werde. Digitimes beruft sich dabei auf Quellen aus dem Bereich der PC-Hersteller, die aber ungenannt bleiben möchten – sicherlich aus gutem Grund.

Dahinter steht zum einen der latente Vorwurf, Acer habe sich seine Marktanteile nur erkauft, durch günstige Geräte, die aus dem Marketing-Topf des Konzerns subventioniert seien – was Acer stets dementiert hat. Zum anderen wird unterstellt, dies sei das einzige Mittel, das Lanci kennt, um Erfolg zu haben, und das werde er nun 1:1 auf seinen neuen Arbeitgeber übertragen.

In einem anderen Artikel kolportiert das Blatt ebenfalls ohne nähere Quellenngabe Spekulationen, nach denen Lanci, der für Acer den Retail-Kanal erst aufgebaut hatte, ehemalige Mitarbeiter und Partner nun für Lenovo rekrutieren könnte und damit Acer schaden würde.

Acer gibt sich gelassen

Acer selbst äußerte sich gegenüber dem taiwanischen Blatt unaufgeregt. Vizepräsident Scott Lin betonte, man fürchte keinen negativen Einfluss durch Lancis Tätigkeit. Das erste halbe Jahr nach dem Abgang des Italieners sei hart gewesen. Aber das Unternehmen habe nun zu seiner Stärke zurückgefunden. Die eigenen Marketing-Teams seien stabil, ebenso die Beziehungen zu den Retail-Partnern. Und das Geschäft in Europa beruhe nun wieder auf einem gesunden Inventar-Level.

Man darf sicherlich gespannt sein, was die PC-Verkäufe des dritten Quartals über die Stärken von Acer, Lenovo und Medion aussagen. □

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