Crypto Mining Einnahmequelle Datenspeicher

Autor / Redakteur: Jason M. Feist / Peter Schmitz

Vor fünf Jahren konnte jeder, der eine High-End-GPU besaß, Kryptowährungen schürfen. Jetzt ziehen Unternehmen mit einem neuen Modell nach, das ihren Speicherplatz zur Einnahmequelle macht. Hier gibt es Best Practices zum Mining im Unternehmensumfeld.

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Filecoin und andere Kryptowährungen zeigen, wie Unternehmen ihre ungenutzte Infrastruktur in laufende Einnahmen verwandeln können.
Filecoin und andere Kryptowährungen zeigen, wie Unternehmen ihre ungenutzte Infrastruktur in laufende Einnahmen verwandeln können.
(© Krisztin - stock.adobe.com)

Für die meisten Menschen ist Kryptowährung ein Synonym für Bitcoin. Diejenigen, die sich mit Bitcoin auskennen, wissen, dass die Technologie auf einem „Proof of Work“-Konzept beruht, um Transaktionen zu validieren. Operationen auf der Bitcoin-Blockchain werden durch sogenannte „Miner“ durchgeführt, um komplexe kryptografische Arbeit („Work“) auszuführen. Dies erfordert jedoch erhebliche CPU- und GPU-Ressourcen und damit große Mengen an Energie. Das wird von umweltbewussten Skeptikern kritisiert.

Neben Bitcoin gibt es aber auch andere Blockchains, die andere Verfahren mit unterschiedlichen Validierungsmethoden verfolgen. Ein Verfahren, das immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist „Proof of Space“, bei dem Operationen mit der überschüssigen Speicherkapazität der Teilnehmer validiert werden – ein Ansatz, der sowohl umweltfreundlicher sein soll als auch eine große Chance für Unternehmen bieten könnte, Einnahmen mithilfe ihrer IT-Infrastruktur zu erzielen.

Proof of Space and Time

Zwei der derzeit bekanntesten Währungen, die diesem Verfahren folgen, sind Filecoin und Chia. Insbesondere Chia erfuhr kürzlich eine Menge Aufmerksamkeit, da der Coin einen Anstieg der Nachfrage nach Festplatten (HDDs) und Solid State Drives (SSDs) in China ausgelöst hat.

Das von Bram Cohen, dem Schöpfer von BitTorrent, gegründete Chia Network soll eine umweltfreundlichere Alternative zur Bitcoin-Blockchain bieten. In diesem Netzwerk werden Proof-Algorithmen entwickelt, die auf die Speicherkapazität setzen und nicht auf Rechenleistung, welche einen hohen Stromverbrauch nach sich zieht. Anstelle des „Proof of Work“ setzt die Blockchain auf „Proof of Space“ und „Proof of Time“, was sie erschwinglich für kleine Unternehmen und sogar Tech-Enthusiasten macht, die Speicherressourcen zur Verfügung stellen wollen.

Speicherzentrierte Blockchains werden als energieeffizientere Alternative zu Proof of Work gesehen, da sie nicht auf stromfressende Transaktionen angewiesen sind. Laut einem United States Data Center Energy Report macht der Speicher typischerweise nur 11 Prozent des Stroms von Rechenzentren aus.

„Proof of Space verhält sich linear zu dem Speicher, den Unternehmen bereitstellen“, sagt Gene Hoffman, COO von Chia. „100 TB des einen Unternehmens können in der Theorie genauso viel Blocks in der Blockchain gewinnen wie 100 TB eines anderen Unternehmens. Die Gesamtsumme des Netzwerkspeichers wird wahrscheinlich steigen, was dazu führt, dass es Heimanwendern nicht möglich sein wird, einmal in der Woche oder einmal im Monat allein einen Block in der Blockchain zu gewinnen.“ Chia arbeitet an einer Lösung für dieses Problem. „Wir planen, ein offizielles Pooling-Protokoll einzuführen, das die Zentralisierungsrisiken adressiert und gleichzeitig kleineren Farmern die Möglichkeit gibt, sich zusammenzuschließen und alle Belohnungen täglich untereinander zu teilen. Der Rollout wird für Anfang Juni erwartet“.

Filecoin von Protocol Labs verwendet das „Proof of Space and Time“-Verfahren für die Blockchain-Validierung und belohnt die Miner in ähnlicher Weise mit FIL-Währung. Anders als Chias „Farmer“ stellen Filecoin-Storage-Miner ihre ungenutzte Kapazität dem Netzwerk zur Verfügung und schaffen so eine riesige „dezentrale, effiziente und robuste Grundlage zur Information für die Menschheit“. Kunden schließen „Deals“ mit Storage-Minern ab, um Daten zu speichern und die Richtigkeit dieser Daten im Laufe der Zeit zu überprüfen. Faktoren wie Latenz, Nähe, Bandbreite, Kapazität, Lock-up-Dauer und angebotene Kosten beeinflussen die Möglichkeit der Miner, Deals zu gewinnen. Angesichts der enormen Menge an Kapazität, die Filecoin zugesagt wurde, kann ein Unternehmen große Datenmengen archivieren, wodurch sie die lokale Kapazität für andere Zwecke freisetzen können.

Nach Erhalt der Daten schreibt ein Miner die Datei(en) in einen Sektor, „versiegelt“ ihn und liefert Beweise (Proof) an die Blockchain. Ausfälle oder böswillige Aktivitäten führen zu „Slashing“, also Strafen, die von der Vergütung der Miner abgezogen werden. Je mehr Kapazität ein Miner dem Netzwerk zur Verfügung stellt, desto höher sind seine Chancen, einen Block zu gewinnen.

Mining im Unternehmensumfeld: Best Practices

Die „Versiegelung“ von Filecoin ist sehr I/O-lastig. Daher empfiehlt Filecoin, mindestens „1 TiB NVMe-basierten Festplattenspeicher für Cache-Speicher“ zu nutzen. Sobald die Daten versiegelt sind, werden sie in einen Massenspeicher verschoben, welcher die kosteneffizienteste Möglichkeit zur Speicherung großer Daten darstellt.

In der Kryptowelt zahlt es sich aus, hochzuverlässige Enterprise-SSDs und Festplatten mit hoher Kapazität zu verwenden. Für transaktionsintensive Workloads wie die Datensicherung sind beispielsweise SSDs eine gute Wahl, um die Anwendungsleistung zu steigern. Für kapazitätsintensive Workloads sind kosteneffiziente und platzmaximierende Festplatten der richtige Ansatz. Angesichts der Wichtigkeit von Datenschutz und Datenhaltbarkeit ist es am besten, eine Hardware-RAID- oder Lösungen mit Löschungscodierung mit Laufwerks- und sogar Controller-Redundanz zu verwenden. Diese Art der Konfiguration maximiert die Betriebszeit und den Datenschutz.

Gespeicherte Daten als konkreter Gegenwert

Filecoin und andere Kryptowährungen zeigen, wie Unternehmen ihre ungenutzte Infrastruktur in laufende Einnahmen verwandeln können.

Sie repräsentieren zudem eine Reihe von verteilten Speichermöglichkeiten, die neben Entwicklungen von verteilten Anwendungen bestehen werden. Damit existiert bereits jetzt eine funktionierende Grundlage – ein universell verfügbarer Daten-Backbone für verteilten Speicher, den es vor einem Jahrzehnt so noch nicht gab. CIOs haben die Möglichkeit, heute die Ressourcen zu implementieren, von denen sie wissen, dass sie sie eines Tages benötigen werden. Diese Ressourcen können sie – solange ungenutzt – zu Geld machen und sich flexibel zurückziehen, wenn sie den Speicher eines Tages selbst benötigen.

Dennoch gilt: Es gibt eine Reihe von Überlegungen, die es zu berücksichtigen gibt. Angefangen bei der Frage, wie Unternehmen die Robustheit der Speicherinfrastruktur, Kapazitätsinvestitionen und Kryptoeinnahmen ausbalancieren sollten. Angesichts der Tatsache, dass physische Datenträger der Daten nun Einnahmen sowohl aus ungenutztem (wie bei Chia) als auch aus gemietetem (Filecoin) Speicherplatz generieren können, ist es für Unternehmen auch eine Option, ihre Daten gänzlich neu zu bewerten.

Fazit

Es ist viele Jahre her, dass die langfristige Anhäufung von lokalem Massenspeicher ein solches Wertpotenzial hatte. Blockchains haben das Potenzial, den Ausgleich von Gesamtbetriebskosten radikal zu verändern, insbesondere für IT-Verantwortliche. Auf der Unternehmensseite ist zu erwarten, dass Krypto-Storage einen Platz in deren vertikalen Unternehmensstrategien finden wird. Filecoin, Chia und andere könnten schon bald verlockenderen Massenspeicher anbieten als die heutigen großen, zentralisierten Anbieter.

Über den Autor: Jason M. Feist leitet als Vice President die Seagate Technology Emerging Products and Solutions Engineering Organisation. Er verfügt über 19 Jahre Branchenerfahrung und war u.a. in technischen und operativen Funktionen tätig sowie für Produktentwicklung, Rechenzentrum-Produkt-Roadmaps und die technische Zusammenarbeit mit Universitäten, Gemeinden und Konsortien verantwortlich. Aktuell führt er ein globales Ingenieursteam, das sich mit der Entwicklung von SSD, Datenspeichern und Datenspeichersystemen befasst.

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