IT-Distributorengruppe formiert sich

COS-Mutter Tiscon übernimmt Chikara

14.02.2007 | Redakteur: Regina Böckle

Michael Krings, Tiscon-Vorstand und COS-Geschäftsführer: »Wir wollen nicht diktieren, sondern eine Plattform für Partnerschaften bieten«.

Der jüngste Player in der hiesigen IT-Distributorenlandschaft, die Tiscon AG, hat erneut zugeschlagen. Sie hat sich mit Chikara eine weitere Tochter geangelt. Künftig will Tiscon auch auf europäischem Parkett mitspielen.

Die Initiative zur Übernahme ging offenbar vom Tiefenbacher Distributor Chikara aus, und Tiscon griff zu. »Unsere Geschäftsmodelle ergänzen sich, die kaufmännische Basis bei Chikara stimmt, und insofern fügt sich das Unternehmen gut in unsere Buy-and-Build-Strategie ein«, kommentiert Tiscon-Vorstand und COS-Distribution-Geschäftsführer Michael Krings die Übernahme im Interview mit IT-BUSINESS. Rund 20 Mitarbeiter beschäftigt die in Tiefenbach ansässige Chikara Handels GmbH. Sie beliefert vorrangig Non-Food-Handelsketten sowie Partner in Osteuropa unter anderem mit PCs, externen Festplatten und mobilen Speichern der Eigenmarke McTronics sowie mit Xerox-Monitoren und Sweex-Zubehörprodukten.

Nach eigenen Angaben erwirtschaftete das Unternehmen »über 30 Millionen Euro auf leicht profitabler Basis«. In Tiscon suchte Chikara vor allem einen Partner für die Finanzierung des künftigen Wachstums. Tiscon wiederum sondiert seit Ende vergangenen Jahres geeignete Übernahmekandidaten zum Aufbau einer eigenen deutschen und europäischen IT-Distributorengruppe.

Tiscon-Gruppe wächst

Mit Chikara im Verbund kommt der Investor mittlerweile auf vier Beteiligungsunternehmen: die auf den Fachhandel konzentrierte COS Distribution in Linden, deren PC-Fertigungs-Schwester Topedo sowie Online-Händler Avitos und den jetzt zugekauften, eher Retail-orientierten Distributor Chikara. Die Gruppe peilt im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro an. Zum Vergleich: Die COS Distribution setzte 2005 allein in Deutschland 312 Millionen Euro um und hat sich für 2007 einen Umsatz von 330 Millionen Euro vorgenommen.

Über den Kaufpreis will sich Krings nur insoweit äußern als »Tiscon mit kaufmännischem Augenmaß handle«, und man keine überzogenen Forderungen erfülle, weder heute noch in Zukunft. »Das schließt nicht aus, dass wir uns bei interessanten Firmen auch großzügig zeigen«, so der Tiscon-Vorstand weiter.

Chikara soll autark bleiben

»Chikara wird, wie alle anderen Unternehmen der Tiscon, ein völlig eigenständig und autark arbeitendes Unternehmen bleiben«, betont Krings. Im Backoffice könne Chikara jedoch Ressourcen von Tiscon nutzen. Chikara-Gründer Benjamin Sawatzky, der künftig zehn Prozent der Chikara-Anteile hält, wird weiterhin Geschäftsführer bleiben. »Wir wollen eigenverantwortliche Unternehmer in unserem Unternehmensverbund haben, keine Angestellten«, begründet Krings das Konzept der Tiscon, nie die gesamten Anteile des Unternehmens zu übernehmen.

Tiscon verstehe sich als kaufmännische Plattform für Partnerschaften, in der jeder Geschäftsführer selbst entscheidet, welche Kompetenzen der Schwestergesellschaften er nutzen möchte. »Chikara kann daher auf alle Angebote zurückgreifen, die beispielsweise die Tiscon bietet, aber sie muss es niemals«, so Krings. »Wir diktieren nicht, wir sehen uns nicht als »Schlucker«, sondern als Partner – unabhängig davon, wie groß oder klein dieser Partner ist«.

Gleiches gelte für den Brand der übernommenen Firmen, der ebenso erhalten bleibt. »Den Namen, den sich Mittelständler über viele Jahre hinweg erfolgreich am Markt erarbeitet haben, werden wir doch nicht ändern! Das ergibt keinen Sinn«, so der Tiscon-Vorstand.

Zusammenarbeit ja, Diktat nein

Synergien mit der jüngsten Schwesterfirma seien durchaus denkbar. Krings möchte sich jedoch nicht auf konkrete Bereiche festlegen. »Wir haben die Partnerschaft gerade erst gestartet und führen intensive Gespräche. Es ist noch zu früh, hier konkrete Aussagen zu treffen«. Dass Chikaras Logistik aus Tiefenbach nach Linden umzieht, hält der Tiscon-Chef jedoch eher für unwahrscheinlich: »Bei den Kleinteilen wäre das vielleicht denkbar, aber die Abwicklung von Großaufträgen im Retail-Umfeld erfordert ganz andere Prozesse als die klassische Fachhandelsdistribution, die bei COS im Mittelpunkt steht. Alle Prozessabläufe parallel abzudecken, ist äußerst komplex«.

Mögliche Synergien hinsichtlich des Portfolios und anderer Aspekte werde man sehr vorsichtig nach politischen und kaufmännischen Gesichtspunkten abwägen.

Klare Wachstumsstrategie

Die Tiscon AG ist eine mehrheitsbeteiligung der Investorengruppe Arques Industries AG. Als solche war Tiscon eine Mantelgesellschaft ohne operatives Geschäft. Quasi zum Leben erweckt wurde sie erst Ende Dezember 2006 durch die Übernahme der COS Distribution sowie des Online-Händler Avitos und PC-Fertigers Topedo in Linden. Ziel von Arques ist es, durch weitere Zukäufe mittelfristig eine europäische IT-Distributionsgruppe aufzubauen. Mutter wie Tochter sind börsennotiert, sitzen in Deutschland und hatten bislang kaum Berührung mit der Distribution.

Die Schweizer COS-Holding unter Leitung von Kurt Früh hält einen Minderheitsanteil an der Tiscon, Früh sitzt gleichzeitig im Tiscon-Aufsichtsrat. COS-Distributions-Chef Michael Krings, der ebenfalls Tiscon-Anteile hält, wurde zum Vorstand berufen.


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