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CHANNEL FOKUS: Digital Signage

Digitalisierung live und in Farbe

| Autor: Klaus Länger

Der Times Square in New York City ist ein leuchtendes Beispiel für die Bedeutung von Digitsl Signage.
Der Times Square in New York City ist ein leuchtendes Beispiel für die Bedeutung von Digitsl Signage. (Bild: Pixabay - masterbeee3 / CC0)

In der DACH-Region beschert Digital Signage dem Channel ein gesundes Wachstum. Denn für die Kunden in Einzelhandel, Bildung oder Werbung sind Displays, Projektoren und die dahinterstehenden Services ein wichtiger Baustein für die Digitalisierung ihres Geschäfts.

Wenn ein Geschäftsfeld die fortschreitende Digitalisierung sichtbar macht, dann ist es Digital Signage. An Bahnhöfen, Flughäfen und in immer mehr Fußgängerzonen der Innenstädte werden traditionelle Plakatwände durch großforma­tige Displays (LFDs, Large Format Display) ersetzt. In Schulen und Universitäten verschwinden Tafeln und analoge Whiteboards aus Klassenzimmern, Seminarräumen und Vorlesungssälen. An ihre Stelle treten digitale Whiteboards mit Touch- und Stiftbedienung. Und in diesem Sommer werden sich wieder Massen von Fußballfans bei Public-Viewing-Veranstaltungen versammeln, die ohne leistungsfähige Projektoren gar nicht möglich wären.

Konstantes Wachstum in DACH

Der Digital-Signage-Markt wächst daher konstant, zumindest in der DACH-Region. Laut den Zahlen der Marktforscher von Invidis, dem wohl wichtigsten Beratungs- und Kommunikationsunternehmen für Digital Signage in Europa, stiegen die Gesamtumsätze im Digital-Signage-Markt von 920 Millionen Euro in 2015 auf 1.117 Millionen Euro im Jahr 2016 und kletterten damit erstmals auf über eine Milliarde Euro. Für das Jahr 2017 hat Invidis noch keine Zahlen veröffentlicht. Dafür, dass der Aufwärtstrend zumindest für die digitale Außenwerbung Bestand haben dürfte, spricht eine Untersuchung der Media-Investment-Firma GroupM, nach der die Ausgaben für Außenwerbung auch 2017 und 2018 moderat wachsen, während gleichzeitig die Investition in TV-Werbung rückläufig ist.

Neben dem Werbemarkt adressieren Digital-Signage-Anbieter aber auch noch andere Bereiche, in denen zunehmend großformatige Displays oder andere Geräte aus ihrem Portfolio eingesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise Industriebetriebe, die Large Format Displays und digtale Whiteboards für die inner­betriebliche Präsentation und Kommunikation einsetzen oder bei denen robuste Touchscreens in Produktionshallen eingesetzt werden, um einen schnellen Überblick über den Status einer Maschine oder mittels einer Schnittstelle zum ERP-System auch der gesamten Fertigung zu bekommen.

Integratoren aus der IT-Welt ganz oben mit dabei

Viele Digital-Signage-Fachhändler oder Systemintegratoren kommen ursprünglich aus dem professionellem Audio-­Video-Bereich. Das gilt auch für Spezialdistributoren wie Kern & Stelly oder DexxIT. Die zunehmende Integration von Digital-Signage-Lösungen in die IT-Landschaften der Kunden haben aber ­dazu geführt, dass auch IT-Systemhäuser Digital-Signage-Aufträge gewinnen können, vor allem, wenn sie bereits bei anderen Projekten mit der IT-Abteilung eines Kunden zusammenarbeiten.

Mit Firmen wie Ingram Micro oder Siewert & Kau engagieren sich zunehmend Distributoren aus der IT-Branche. Die Plätze zwei und drei der laut Invidis erfolgreichsten Digital-Signage-Integratoren konnten 2016 ebenfalls zwei Unternehmen aus der ITK-Welt erringen: Cancom und T-Systems. Auf Platz eins rangierte mit Xplace der Marktführer für digitale Multichannel- und Markenkommunikation am Point of Sale. Die Göttinger Firma hat etwa 1.000 Saturn- und Media-Markt-Flilialen mit elektronischen Preisschildern (ESL) von SES-Imagotag ausgestattet. ESLs werden mit TFT-, LCD- oder E-Paper-Displays hergestellt. Sie werden über Funktechnologien gesteuert und können so in Echtzeit geänderte Preis- oder Produktinformationen anzeigen. Auch Samsung oder Lancom haben ESL-Lösungen im Portfolio. Sie werden zunehmend für die aktive ­Beschilderung von unterschiedlich genutzten Räumen eingesetzt. Beispiele sind Meetingräume, Krankenhauszimmer oder Seminarräume.

Ergänzendes zum Thema
 
Wachstum in allen Digital- Signage-Marktsektoren

Interaktivität wird wichtig

Am Point of Sale in öffentlichen Gebäuden aber auch in Unternehmen werden immer öfter Touchscreen-Displays als interaktives Informationsmedium eingesetzt. An Bahnhöfen, Flughäfen oder in Banken haben Terminals ja schon seit Jahren die Mitarbeiter am Schalter abgelöst. Inzwischen erfahren diese Geräte auch im Handel eine zunehmende Nachfrage. Kunden können sich selbst informieren, Verkäufer haben die Möglichkeit, Varianten von Waren zu zeigen, die nicht direkt in der Filiale vorrätig sind. Mit Barcodescannern oder Kameras werden Produkte direkt identifiziert. Über eine Anbindung an das Warenwirtschaftssystem können im Laden nicht vorhandene Artikel sogar direkt bestellt und dann in die Filiale oder direkt zum Kunden nach Hause geliefert werden. Im Handel dienen Touchscreens in Kombination mit Verfahren für die bargeldlose Zahlung direkt als Verkaufsterminal. Der Siegeszug der Multitouch-Geräte hängt unter anderem damit zusammen, dass sie größer, leistungsfähiger und durch kapazitive Screens angenehmer zu bedienen sind.

In Firmen und Bildungseinrichtungen lösen digitale Whiteboards mit Touchscreen und Stift in kleineren Räumen zunehmend die bisher genutzten Projektoren ab. Sie werden dort für Interaktive Präsentationen oder schlicht als zweiter großer Screen für ein Notebook genutzt. Teilweise verfügen die Geräte über zusätzliche Funktionen für Videokonferenzen. In größeren Räumen bleiben Beamer allerdings als zusätzliches Gerät erhalten, da die Größe der Whiteboards hier nicht ausreicht. Auf der Computex in Taipeh hat Microsoft die Windows Collaboration Displays angekündigt, die vom Konzept her dem Surface Hub ähneln, aber nicht über einen eingebauten Windows-Rechner verfügen. Die Displays wird Microsoft allerdings nicht selbst bauen, sondern überlässt das OEM-Partnern. Im Gegensatz zum Surface Hub oder vielen anderen digitalen Whiteboards sind die Collaboration Displays mobil und lassen sich leicht von der Horizontalen in die Vertikale drehen. Hier ähneln Sie dem Samsung Flip.

Moderner Dreikampf im großen Format

Bei Large Format Displays setzt sich die Entwicklung zu größeren Diagonalen, höheren Auflösungen und immer schmäleren Rahmen um die Panels fort. 4K-Displays haben praktisch alle Hersteller im Programm. Die ersten 8K-Displays sind als Samples bereits zu sehen. Die öffentlich-rechtliche japanische Rundfunk­gesellschaft (NHK) will die Olympiade 2020 in Tokio mit 8K-Auflösung ausstrahlen, das den Absatz passender TV-Geräte fördern dürfte. Damit stehen dann auch Panels für entsprechende Large Format Displays zur Verfügung. Ein weiterer Trend ist die Ausstattung der Displays mit integrierten SoCs. Die meisten Hersteller wie etwa Benq oder Philips nutzen dabei Android als Betriebssystem und Plattform für Apps. Prominente Ausnahmen sind Samsung mit Tizen und LG mit WebOS. Für komplexe Projekte und Inhalte werden aber immer noch Player auf PC-Basis eingesetzt. Einige Hersteller wie etwa Iiyama bieten hier einen OPS-Slot, in den passende PCs einfach eingeschoben werden.

Generell interagieren auch in der Werbung eingesetzte LFDs mehr mit ihrer Umwelt. Mit internen Sensoren ausgestattet oder gefüttert durch externe Daten regieren sie beispielsweise auf das Wetter und spielen passende Inhalte aus. Mit Beacon und Bluetooth Low Energy können die Geräte zusätzliche Informationen oder Angebote auf die Smartphones ihrer Betrachter übertragen.

Zunehmend wichtig für großformatige Indoor-Installationen werden hochauflösende LED-Lösungen. Zwar werden die Displayrahmen bei Videowalls aus TFT- oder OLED-Displays immer dünner, aber sie bleiben sichtbar. Mit Fine-Pitch-LED-Modulen sind komplett nahtlose Videowalls in fast beliebiger Größe möglich. Der Pixelabstand liegt dabei unter zwei Millimetern. Das sorgt selbst bei einem geringen Betrachtungsabstand für ein scharfes Bild. Zudem sind die LED-Panel sehr hell und oft auch HDR-tauglich. Allerdings ist der Installationsaufwand bei diesen Geräten höher, und auch der Preis pro Quadratmeter liegt deutlich über dem herkömmlicher LFDs.

Die dominierende Lösung für eine großformatige, nahtlose Darstellung ist daher weiterhin der Projektor. Auch gebogene Oberflächen können als Projektionsfläche dienen. Mit Laser als Lichtquelle arbeiten die Geräte praktisch wartungsfrei und mit deutlich längerer Lebensdauer. Zudem können die Projektoren in praktisch jedem Winkel montiert werden, Kurzdistanzprojektoren oder Geräte mit Wechselobjektiven bringen zusätzliche Flexibilität bei der Installa­tion. Mit HDBaseT reicht ein Kabel für die Übertragung von Videodaten, Steuerung und Stromversorgung aus.

Rundum-Sorglos-Pakete von IT-Anbietern

Mit steigender Komplexität von Digital-Signage-Projekten machen die ersten Hardware-Hersteller den Schritt zum Anbieter von Komplettlösungen, um ihren Partnern damit die Arbeit zu erleichtern. Ein besonders prägnantes Beispiel ist hier Acer. Auf der Cebit 2017 gab die Firma die Übernahme eines Teils von Cittadino und die Gründung von Acer Being Signage als eigene Digital-Signage-Firma bekannt. Die Firma gehört zum BYOC-Bereich, der für strategische Themen zuständig ist. Acer Being Signage betreibt nicht nur eines der größten Digital-Signage-Netzwerke in Deutschland und tritt als Integrator für Großkunden auf, sondern bietet auch ein Komplettpaket an, das sich an mittelständische Partner richtet. Dazu gehören eigene und fremde Hardware, die Steuerungslösung Picture­machine4, die Inhalte über eine eigene Cloudlösung ausspielt, eine cloudbasierte Analyse-App, die Sensordaten auswertet und sogar Inhalte vom Partner n-tv.

Mit Benq expandiert nun ein weiterer Hardware-Anbieter in diesen Sektor des Digital-Signage-Geschäfts: Im Februar 2018 übernahm der zur Benq-Gruppe gehörende Panel-Hersteller AU Optronics den US-amerikanischen Digital-Signage-Lösungsanbieter ComQi.

Zweites Standbein für den IT-Channel

Der Markt für Digital-Signage-Produkte und Dienstleistungen wächst in Deutschland zweistellig. Zwar geht ein großer Anteil davon auf das Konto der Schwergewichte unter den Integratoren, die auch ganz große und lukrative Projekte stemmen können. Aber Digital Signage bietet auch Chancen für kleinere oder mittlere ITK-Systemhäuser. Diese können bestehende IT- oder Kommunikations-Projekte bei ihren Kunden als Einstiegspunkt nutzen, um sich bei geplanten Digital-Signage-Projekten auch gleich als Dienstleister in Position zu bringen. Dabei profitieren sie von dem Umstand, dass Digital-Signage-Installationen heute nur noch ganz selten isoliert als Insellösung betrieben werden, sondern in lokale Netzwerke eingebunden sind oder mit einer Cloud verbunden werden. Hier können ITK-Firmen mit ihrer Kompetenz punkten, eine zuverlässige und sichere Netzwerkintegration auf die Beine zu stellen.

Mit zunehmender Nachfrage nach interaktiven Systemen, seien es Multitouch-Displays oder mit Sensoren bestückte LFDs, wird eine gut funktionierende IT-Integration sogar noch wichtiger. Denn auch vor dem Digital-Signage-Markt macht die nächste Stufe der Digitalisierung mit Big-Data-Analysen und KI-Funktionen in der Cloud keinen Halt.

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