Fujitsu-Studie Timeline 2030

Digitaler Wandel: Chefs fordern weltweites Konzept

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Ein Fujitsu-Bericht wirft einen Blick auf die Welt im Jahr 2030 und auf die Folgen technischer und gesellschaftlicher Entwicklungen.
Ein Fujitsu-Bericht wirft einen Blick auf die Welt im Jahr 2030 und auf die Folgen technischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. (Bild: © – Photocreo Bednarek – stock.adobe.com)

Im Bericht „Timeline 2030“ von Fujitsu fordern globale Unternehmen eine übergreifend abgestimmte und gemeinschaftlich entwickelte Antwort auf die Herausforderungen des technologischen Wandels. Ohne koordinierte Intervention würden zunehmende Ungleichheit und Massenarbeitslosigkeit drohen.

Führungskräfte in aller Welt suchen nach einer gemeinsamen und abgestimmten Antwort auf die Herausforderungen des technikgetriebenen Wandels. Laut einer von Fujitsu in Auftrag gegebenen Studie mit 1.400 Teilnehmern aus den Chefetagen weltweit agierender Unternehmen glauben ganze 84 Prozent an die Notwendigkeit einer umfassenden Zusammenarbeit. Dabei sieht eine Hälfte dieser Gruppe die Zuständigkeit in erster Linie bei internationalen Organisationen wie etwa der UNO. 46 Prozent sind der Ansicht, nationale Regierungen sollten sich zuvorderst dieser Aufgabe annehmen. 37 Prozent würden zudem die Unternehmen, 35 Prozent die Industrie- und Branchenverbände in die Pflicht nehmen. Allerdings sind mit 76 Prozent mehr als drei Viertel der Ansicht, dass ihre Regierung sowie die internationalen Organisationen derzeit keine ausreichenden Aktivitäten planen oder überhaupt dazu in der Lage wären.

So wird es 2030

Geäußert wurden die Sorgen der Unternehmenschefs im Rahmen des in Zusammenarbeit mit Trajectory erarbeiteten Fujitsu-Berichts Timeline 2030. Er wagt einen Blick auf die Welt im Jahr 2030 und die möglichen Folgen der relevanten technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die von künstlicher Intelligenz (KI) und Robotics bis hin zu alternden Populationen, dem digitalen Bürgerwesen sowie der Internetregulierung reichen. Dabei skizziert der Report zwei gegensätzliche Szenarien – ein positives (The Path to Prosperity) und ein negatives (The Road to Regression). Was davon wirklich eintreffen wird, hängt vor allem von den Aktionen und Reaktionen der aktuellen Generation von Führungskräften, von den Zivilgesellschaften und letztendlich von jedem Einzelnen ab.

Die im Report herausgearbeiteten Trends sind im Zuge eines belastbaren Früherkennungsprozesses entstanden, bei dem u.a. eine Vielzahl relevanter Trends analysiert worden sind. Daraus konnten die maßgeblichen Treiber in technischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht sowie weitere zentrale Faktoren herausdestilliert werden. Bei der Überprüfung der identifizierten Trends werteten die Führungskräfte die Automatisierung (86 Prozent) als wichtigsten Trend, gefolgt von lebenslangem Lernen und der digitalen Staatsbürgerschaft (je 73 Prozent). Dabei sind 59 Prozent der Ansicht, dass die technische Entwicklung bis 2030 zu positiven Resultaten und Konsequenzen führen werde. Aber auch dieser optimistisch gestimmte Teil der Studienteilnehmer sieht die unbedingte Notwendigkeit einer globalen Zusammenarbeit.

„Die technologische Entwicklung kann enorme Verwerfungen verursachen – bei den Unternehmen ist das bereits heute gut zu beobachten“, erklärt Duncan Tait, Corporate Executive Officer, SEVP and Head of Americas and EMEIA bei Fujitsu. „Aber die Medaille hat auch eine andere Seite, eine menschliche. Denn die Technik verändert unser aller Leben im privaten wie im beruflichen Bereich. Auch hier sehen wir bereits erste Folgen wie z.B. das Verschwinden traditioneller Qualifikationen sowie ein Vertrauensverlust gegenüber gewachsenen Institutionen und Strukturen. Wir müssen die Herausforderung annehmen, sonst wird es passieren, dass Menschen zurückbleiben – und zwar zu viele, um sie einfach zu ignorieren.“

Antworten finden

Die Studienteilnehmer sind überzeugt, dass der erste und zunächst wichtigste Ansatzpunkt bei der Ausbildung liegt. Für fast die Hälfte (46 %) ist die Weiterqualifizierung der Arbeitnehmer das zurzeit wirksamste Mittel, 41 Prozent setzten auf die Nachwuchsarbeit in Schulen und Universitäten. Die technische Infrastruktur – beispielsweise in Gestalt von Highspeed-Internet – steht für 37 Prozent im Vordergrund, 36 Prozent würden wiederum neue Partnerschaften und Kooperationen in den Mittelpunkt stellen.

Für deren eigene Unternehmen betrachteten 37 Prozent der Führungskräfte eine sich permanent online befindende Welt als wichtigsten Trend der nächsten Jahre. Für 30 Prozent ist dies die Automatisierung und für 24 Prozent die demografische Entwicklung. Zudem sind etwa 50 Prozent der Führungskräfte der Meinung, dass sie kaum oder unzureichend auf die kommenden Entwicklungen vorbereitet sind – und dass sie dieses Defizit selbst zu verantworten hätten. Etwas weniger als die Hälfte investiert aktuell in Innovationen, 44 Prozent schulen ihre Belegschaft. Aber nur 28 Prozent, so der Bericht, überdenken und modifizieren ihre Businessstrategie im Hinblick auf die technologischen Umwälzungen.

Dazu Duncan Tait: „Wir stehen am Scheideweg: Wir können jetzt aktiv werden oder müssen uns später mit den Folgen einer ungesteuerten Entwicklung abfinden. Die Automatisierung hat Auswirkungen von enormer Tragweite – aber wenn unsere Reaktion darauf zu simpel gestrickt ist und wir Menschen zu schnell ersetzen, werden wir uns mit einer inakzeptabel hohen Arbeitslosigkeit und mit sozialen Unruhen konfrontiert sehen. Wenn wir aber planvoll vorgehen und uns mit der Politik zusammenschließen, um gemeinsam in MINT-Fachbereiche, Kreativität und Soft Skills zu investieren, können wir die Effekte der Automatisierung lenken und die Talente der Menschen besser freisetzen – nämlich für Aufgaben, die noch wertschöpfungsintensiver sind und zudem eine Herausforderung im positiven Sinn darstellen. Gleichzeitig braucht es eine Reform der Bildungs- und Ausbildungs-Curricula, die nicht nur darauf bedacht ist, dass bei den jungen Mitarbeitern ein Gleichgewicht zwischen technischen und Soft Skills besteht, sondern auch lebenslanges Lernen berücksichtigt. Entscheidend ist zum einen der kooperative Charakter, damit die einzelnen Maßnahmen nicht einfach verpuffen, zum anderen, dass der Fortschritt möglichst allen zugute kommt – auch dafür tragen wir eine Verantwortung.“

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