Wachstum mit Folgen Digitale Wirtschaft kommt eigenem Boom kaum hinterher

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Das Wachstum der Digitalen Wirtschaft hat sich 2006 weiter beschleunigt. Online-Profis wie Martin Wild, Chef des Web-Versandandels Home of Hardware, klagen bereits über Fachkräftemangel.

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Martin Wild, Geschäftsführer von Home of Hardware (HoH)
Martin Wild, Geschäftsführer von Home of Hardware (HoH)
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Umsätze in den Kernbereichen eCommerce, Online-Werbung und Internet-Services sind erneut rasant gestiegen. So ist das Wachstum im eCommerce-Endkundengeschäft 2006 hierzulande um gut zwölf Prozent gegenüber 2005 gewachsen. Ein beeindruckendes Branchenergebnis, für das Martin Wild, Chef des Online-Handels HoH.de im Gespräch mit IT-BUSINESS jedoch nur ein mildes Lächeln übrig hatte. Sein Unternehmen legte umsatzseitig im selben Zeitraum um satte 75 Prozent zu und knackte damit die 40-Millionen-Marke.

Die Kehrseite der positiven Entwicklung: Der Fachkräftemangel hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch zugespitzt, so der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), der auf der CeBIT wichtige Branchenindikatoren vorgestellt hat. Davon kann auch Martin Wild ein Lied singen. Nach Mitarbeitern im Produktmanagement und Online-Vertriebs-Profis sucht er lange und mitunter bisweilen vergeblich. Mit der wachsenden Auftragslage stieg im Jahresvergleich 2005/2006 auch die Anzahl seiner Mitarbeiter von 20 auf 43.

Online-Werbemarkt explodiert

Auch die Umsätze im Online-Werbemarkt sind im vergangenen Jahr regelrecht explodiert. Mehr als 1,9 Milliarden Euro Brutto-Werbeumsätze wurden mit klassischer Online-Werbung, Suchwort-Vermarktung und Affiliate-Marketing generiert. Das entspricht einer Steigerung von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine Entwicklung, die selbst die Experten überrascht. »Natürlich haben wir alle gehofft, dass der Anteil am Werbemarkt sich der tatsächlichen Nutzungsintensität der Online-Medien weiter angleicht«, sagte Paul Mudter, Vorsitzender des Online-Vermarkterkreises innerhalb des BVDW. »Dass wir allerdings derart rasant aufholen, zeigt, dass die Werbetreibenden das Internet immer mehr in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten rücken«, so Mudter weiter. Für 2007 prognostizieren die Experten ein Volumen von mehr als 2,5 Milliarden Euro an Brutto-Werbeumsätzen. Das entspräche einem Zuwachs von 33 Prozent.

Services im Aufwind

Auch die Internet-und Multimedia-Dienstleister konnten ihre Umsätze im vergangenen Jahr deutlich steigern. Mit durchschnittlich rund 18 Prozent Umsatzzuwachs im vergangenen Jahr laufen die Agenturen und Dienstleister der Branche zurzeit immer noch auf Hochtouren, so ein aktuelles Stimmungsbild, das der BVDW bei den Unternehmen eingefangen hat. »Die Auftraggeber haben ihre Zurückhaltung aufgegeben und sind wieder investitionsfreudiger und mutiger geworden«, wusste BVDW-Vizepräsident Ravin Mehta auf der CeBIT zu berichten. Auch das Gros der Dienstleister hat vor diesem Hintergrund erheblich Personal eingestellt. So ist die Zahl der Festangestellten durchschnittlich um 24 Prozent gestiegen.

Weitere Branchenkrankheiten

Als problematisch und bremsend nennen viele Online-Profis zudem die komplexe Gesetzeslage, bürokratische Hürden sowie die Regelungswut. BVDW-Präsident Arndt Groth sagte: »Leider müssen wir feststellen, dass der Gesetzgeber sowie andere politische Entscheidungsträger auch in anderen Bereichen nicht gerade als Unterstützer der Digitalen Wirtschaft in Erscheinung treten.« Als Beispiel nannte er die Ausweitung der GEZ-Gebühren auf Unternehmen und Freiberufler, sowie die »populistische Debatte um die Speicherung von Verbindungsdaten«. EU-Vorgaben würden hierzulande mitunter zu 120 Prozent erfüllt.

Praxisbeispiel Abmahnmöglichkeiten

Auch Martin Wild kennt die heimtückische Seite deutscher Gesetzgebung: »Die Abmahnpraxis im eCommerce ist mehr als nur ärgerlich.« Insbesondere, wenn man Daten kauft, oder sich auf Herstellerangaben verlässt, könne es eng werden, so der HoH-Chef. So könne es beispielsweise zum Verhängnis werden, wenn auf einem PDF des Herstellers auf das man verlinkt hat, die Abkürzung »UVP« auftauche. Laut Preisangabenverordnung darf diese Abkürzung für »unverbindliche Preisempfehlung« dem Endkunden nicht zugemutet werden.

Gute Stimmung hält an

Doch von der einen oder anderen Abmahnung findiger Anwälte, über die man streiten könnte, lässt sich Wild nicht die gute Laune verderben. Nach dem Rekordumsatz 2006 in Höhe von 40 Millionen Euro peilt Home of Hardware im Jahr 2007 die 60-Millionen-Euro-Grenze an. Und das sei »eher vorsichtig geschätzt«, so Wild.

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