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Bildungsstudie der Initiative D21 Digitale Medien: Schulen haben deutlichen Nachholbedarf

Redakteur: Jürgen Paukner

Eine Ende Februar dieses Jahres veröffentlichte Bildungsstudie der Initiative D21 kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass die digitale Revolution weiterhin einen großen Bogen um den Unterricht an deutschen Schulen macht.

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„In keinem Land der OECD ist die Diskrepanz zwischen der privaten Ausstattung mit digitalen Geräten und der schulischen Nutzung größer als in Deutschland.“ Martin Hüppe, Geschäftsführer Cornelsen Verlag, Gesamtvorstandsmitglied Initiative D21 e.V.
„In keinem Land der OECD ist die Diskrepanz zwischen der privaten Ausstattung mit digitalen Geräten und der schulischen Nutzung größer als in Deutschland.“ Martin Hüppe, Geschäftsführer Cornelsen Verlag, Gesamtvorstandsmitglied Initiative D21 e.V.
( Archiv: Vogel Business Media )

Für die Bildungsstudie „Digitale Medien in der Schule“ der Initiative D21, die durch den Cornelsen Verlag sowie Texas Instruments unterstützt wurde, befragte TNS Infratest über 300 Lehrkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet, die Mathematik oder ein naturwissenschaftliches Fach an Schulen unterrichten, die zum Abitur führen.

Die zentralen Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Zwar verfügen 89,5 Prozent der Schulen bereits über Computer, allerdings steht in nur 7,5 Prozent der Fälle tatsächlich jedem Schüler im Klassenzimmer ein PC, Notebook oder Netbook zur Verfügung. Je mobiler und damit flexibler ein Gerät ist, desto häufiger wird es auch genutzt. Trotz dieser Situation sind die befragten Lehrkräfte zum Großteil mit der Ausstattung an digitalen Medien an ihren Schulen zufrieden, bemängeln aber gleichzeitig fehlende Konzepte, die geringe Zahl an Weiterbildungen sowie nicht schulgerechte Soft- und Hardware, um die digitalen Medien nachhaltig in den Unterricht zu integrieren.

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Die Ergebnisse sind beunruhigend, denn sie zeigen, dass selbst die als medienaffin geltenden MINT-Lehrkräfte (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) kaum die Möglichkeiten der digitalen Medien im Unterricht nutzen. Martin Hüppe, Geschäftsführer beim Cornelsen Verlag und Gesamtvorstandsmitglied der Initiative D21, kommentiert die Situation so: „Ohne digitale Unterrichtskonzepte bieten wir Schülerinnen und Schülern kein Fundament, um sie effektiv auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Sollten wir uns in den nächsten Jahren nicht ernsthaft der Herausforderung annehmen, wie Hard- und Software für Schule und Unterricht optimiert werden, verbauen wir vielen Schulabsolventen einen erfolgreichen Start in ihre Zukunft.“

Wenig Unterstützung für die Lehrer

Kaum Hardware, keine Konzepte, wenig fachkundiges Personal. Der Einsatz von digitalen Medien in deutschen Schulen ist nach wie vor von Mangel geprägt – insbesondere bei Computern. Bei inhaltlichen oder technischen Fragen ist die Mehrheit der Lehrkräfte (über 70 Prozent) weiterhin auf sich selbst gestellt. Die Lehrkräfte erhalten zusätzlich nur eingeschränkt Schulungen oder Hilfestellungen, wie geforderte Kompetenzen mit digitalen Lehr- und Lernmethoden zu erreichen sind.

Entsprechend werden im Unterricht kaum fachspezifische Soft- und Hardware eingesetzt, obwohl die große Mehrheit der befragten Lehrkräfte (80 Prozent) darin einen positiven Einfluss auf den Unterricht sehen würde. Relativ häufig kommen dagegen mobile fachspezifische Hilfsmittel wie z.B. Taschenrechner zum Einsatz. Zudem wird auf klassische Standardsoftware (z.B. Office) zurückgegriffen, die meist bereits mit der Hardware mitgeliefert wird.

Bei der Nutzung von allgemeinen Webseiten (Wikipedia, Suchmaschinen) oder Online-Netzwerken (lehrer-online.de, gutefrage.net, 4teachers.de) zeigt sich das Bild, dass bereits über die Hälfte der Lehrkräfte auf Onlineinhalte für ihren Unterricht oder die Unterrichtsvorbereitung zurückgreifen.

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