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Bitkom-Studie

Digitale Angriffe auf Industrieunternehmen „Massenphänomen“

| Autor / Redakteur: dpa / Heidemarie Schuster

Besonders kleine Unternehmen werden häufig Opfer von Cyber-Angriffen.
Besonders kleine Unternehmen werden häufig Opfer von Cyber-Angriffen. (Bild: Pixabay)

Sieben von zehn Industrieunternehmen in Deutschland sind laut einer Studie bereits Opfer von digitalen Attacken geworden. Geschätzter Schaden: 43 Milliarden Euro innerhalb von zwei Jahren. Und häufig kommen die Angreifer aus dem engsten Umfeld.

Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage – für Industrieunternehmen in Deutschland sind diese Bedrohungen laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom alltägliche Realität. „Beachtliche 68 Prozent“ der Unternehmen hätten bestätigt, dass sie innerhalb der vergangenen zwei Jahre einen entsprechenden digitalen Angriff registriert hätten, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg am Donnerstag in Berlin. Im Mittelstand sei der Anteil noch einmal höher ausgefallen. Bei fast der Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) wurde demnach dabei ein Schaden verursacht. Der Verband errechnete einen Gesamtschaden in Höhe von insgesamt über 43 Milliarden Euro für diesen Zeitraum. „Die deutsche Industrie ist mit ihren tausend ‚Hidden Champions‘ natürlich sehr attraktiv für Kriminelle“, sagt Berg.

Befragt wurden für die repräsentativen Ergebnisse 503 Geschäftsführer und Sicherheitsverantwortliche quer durch alle Industriebranchen. „Wir haben diesmal bewusst das produzierende Gewerbe befragt“, sagte Berg. Demnach berichtet knapp jedes fünfte Industrieunternehmen, in den vergangenen zwei Jahren Opfer von digitaler Sabotage geworden zu sein, bei 11 Prozent wurden etwa E-Mails oder Messenger-Dienste ausgespäht. Auch klassische analoge Angriffe sind demnach Thema in den Unternehmen, fielen aber vergleichsweise weniger ins Gewicht. So hätten 21 Prozent der Befragten etwa einen Diebstahl sensibler physischer Dokumente, Muster oder Maschinen registriert.

Wer sind die Angreifer? Laut Bitkom stecken in 63 Prozent der Fälle ehemalige oder unzufriedene aktuelle Mitarbeiter dahinter, in 48 Prozent der Fälle kommen sie aus dem Umfeld, etwa aus dem Kreis der Kunden, Lieferanten, externer Dienstleister oder auch aus dem Wettbewerb. IT-Sicherheit müsse Chefsache sein. Neben eigenen Sicherheitssystemen wie Virenscannern sowie internen Ermittlungseinheiten seien der beste Schutz für Unternehmen aber auch aufmerksame Mitarbeiter, sagte Berg.

Dass ausgerechnet kleine Unternehmen verstärkt zu den Betroffenen gehörten, sei „alarmierend“, sagte Thomas Haldenwang, Vizepräsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, der stellvertretend für den Präsidenten der Behörde, Hans-Georg Maaßen die Veröffentlichung der Ergebnisse in Berlin begleitete. Die Studie sei ein hilfreicher „Wasserstandsanzeiger“, der die realen Gefahren aufdecke. Die Unternehmen sollten bei der IT-Sicherheit auf ganzheitliche Ansätze setzen und nicht nur auf ihre IT-Abteilungen.

„Illegaler Wissens- und Technologietransfer, Social Engineering und auch Wirtschaftssabotage sind keine seltenen Einzelfälle, sondern ein Massenphänomen“, sagte Haldenwang. Seine Behörde habe Erkenntnisse, dass zuletzt eine „steil steigende Zahl von Cyberangriffen“ auch aus China gesteuert worden sei. Viele seien in der Vergangenheit von geringer technischer Komplexität gewesen, das habe sich inzwischen geändert. „Heute handelt es sich um sehr komplexe und zielgerichtete Angriffe.“

Haldenwang riet vor allem bei Dienstreisen ins Ausland zur Vorsicht. Als Beispiel nannte er einen nicht weiter benannten Unternehmer aus Deutschland, der auf seiner Reise nach China an der Grenze angehalten worden sei. „Sein Laptop lief noch.“ Innerhalb von Minuten seien ihm seine Daten dann abgesaugt worden. Das Geschäft des Mannes sei nicht zustande gekommen, es seien die Produkte aber komplett eins zu eins dort umgesetzt worden. „Das Unternehmen ist pleite gegangen.“

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