Ausbau des Rechenzentrums Die Terra Cloud treibt das Wachstum von Wortmann

Von Michael Hase

Anbieter zum Thema

Cloud ist das dynamischste Geschäftsfeld von Wortmann. Es trägt bereits mehr als ein Zehntel zum Umsatz des Distributors und Eigenmarkenherstellers bei. Um den Run auf die Terra Cloud auch künftig zu bewältigen, verdoppeln die Ostwestfalen jetzt ihre RZ-Kapazität.

Nachhaltigkeit: Das Dach des Terra-Cloud-Rechenzentrums ist fast komplett mit Solarpanels bedeckt.
Nachhaltigkeit: Das Dach des Terra-Cloud-Rechenzentrums ist fast komplett mit Solarpanels bedeckt.
(Bild: Wortmann AG)

Martin Klein ist mal wieder in die Rolle des Bauherren geschlüpft. „Seit 2012 bauen wir eigentlich ununterbrochen aus“, berichtet der IT-Profi, der bei Wortmann seit April jenes Jahres die Funktion des Director Datacenter & Cloud Services wahrnimmt. Wegen der anhaltend hohen Nachfrage nach Angeboten der Terra Cloud musste sein Team bislang in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen die Server-Fläche erweitern, auf der die Services bereitgestellt werden. Damit waren stets Baumaßnahmen verbunden.

Aktuell sind im Rechenzentrum am Wortmann-Stammsitz in Hüllhorst sieben Cubes belegt. Die Einheiten bieten jeweils Platz für 50 Server-Schränke mit insgesamt 2.400 Höheneinheiten. Damit Partnern und deren Kunden auch künftig genügend Ressourcen bereitstehen, hat der Distributor und Eigenmarkenhersteller zu Beginn dieses Jahres den nächsten Bauabschnitt in Angriff genommen. Die bislang genutzte Kapazität wird damit mehr als verdoppelt. „Wir sehen darin einen Befreiungsschlag, der uns etwas Luft gibt, sodass wir zwei, drei, vier Jahre nicht bauen müssen.“ Klein stellte die Pläne beim Terra Partner Come Together vor, das diesen Monat in Hüllhorst stattfand,

Tatsächlich wurde Wortmann vom Ausmaß des Erfolgs der eigenen Cloud überrascht. Mehr als 50.000 gewerbliche Endkunden nutzen inzwischen die Services, die die Ostwestfalen seit dem Frühjahr 2015 vermarkten. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir so lange auf einem derart hohen Niveau weiterwachsen würden“, führt der Manager aus. So stiegen die Erlöse des Unternehmens bei Infrastructure as a Service (IaaS) im Jahresvergleich zuletzt um fast 50 Prozent. Zum Umsatz von Wortmann, der 2021 bei rund einer Milliarde Euro lag, trägt die Terra Cloud mittlerweile mehr als zehn Prozent bei. Eigentlich sei ihre Bedeutung für das Geschäft sogar noch größer als der prozentuale Anteil, betont Klein, weil in der Cloud monatlich abgerechnet wird und sich Einnahmen daher in die Zukunft verschieben.

Terra Partner Come Together 2022
Bildergalerie mit 16 Bildern

Erweiterte Gesamtkapazität

Unternehmensgründer und Vorstand Siegbert Wortmann entschied sich bereits vor mehr als zehn Jahren dafür, unter der Hausmarke Terra neben Client- und Server-Hardware auch Cloud-Dienste anzubieten. Der Grundstein für das eigene Rechenzentrum wurde im Oktober 2012 gelegt. Ein Jahr später stand das Gebäude. Mitte 2014 nahm der angehende Cloud Provider mit 300 Partnern den Pilotbetrieb auf. Für Server war ursprünglich eine Fläche von 2.500 Quadratmetern vorgesehen, was elf Cubes entspricht. Durch die aktuellen Baumaßnahmen hat das Terra-Cloud-Team die Gesamtkapazität um mehr als 40 Prozent erweitert, sodass das Rechenzentrum nun Platz für 16 Cubes bietet. Von den neun noch freien Einheiten werden zunächst drei für den Betrieb vorbereitet.

Nicht nur die RZ-Fläche ist in Hüllhorst über die Zeit gewachsen, sondern auch das Team, dem inzwischen mehr als 70 Mitarbeiter angehören, und dessen Erfahrung. „Anfangs hatten wir noch Respekt, wenn ein Partner einen Kunden mit Hunderten virtueller Maschinen anbrachte“, erinnert sich Klein. „Heute stellt es für uns kein Problem mehr dar, Unternehmen mit größerem Bedarf zu bedienen.“ Dadurch erweitere sich die Klientel, was für zusätzliches Wachstum sorge. Außerdem habe sich die Partnerstruktur verändert. Bei den traditionellen Wortmann-Partnern handelt es sich vor allem um kleinere Reseller, die Hardware an Kunden aus dem SMB-Segment vertreiben. Im Cloud-Geschäft arbeitet das Unternehmen vermehrt mit Dienstleistern und Software-Häusern zusammen, die IaaS-Instanzen als Basis für ihre Leistungen nutzen.

Fokus auf Partner

Als Provider mit Hauptsitz und Rechenzentrum in Deutschland ist Wortmann in der Lage, Services anzubieten, die den Bestimmungen der DSGVO vollkommen entsprechen. Den Erfolg der Terra Cloud bei Kunden und Partnern führt der Manager aber auch auf zwei weitere Faktoren zurück. „Wir fokussieren uns absolut auf den Channel.“ Das Unternehmen stelle Services und Management-Tools bereit, die auf den Bedarf der Partner zugeschnitten sind. Zudem biete Wortmann ihnen „alles aus einer Hand“ an: Cloud-Dienste, Finanzierung, Service-Modelle, Endgeräte, Server für hybride Szenarien, und alles lasse sich mit einem Tool verwalten.

Martin Klein, Cloud-Chef bei Wortmann, erklärt den Erfolg der Terra Cloud mit der konsequenten Ausrichtung am Bedarf der Partner.
Martin Klein, Cloud-Chef bei Wortmann, erklärt den Erfolg der Terra Cloud mit der konsequenten Ausrichtung am Bedarf der Partner.
(Bild: Wortmann AG)

Aktuell vermarkten weit mehr als 4.000 Partner die Cloud-Angebote von Wortmann. Und ihre Zahl wächst weiter. Sämtliche Plätze in den Bootcamps, die Neueinsteiger besuchen müssen, sind bis Jahresende ausgebucht. In den zweitägigen Veranstaltungen vermittelt Wortmann jeweils 40 Teilnehmern (vor Corona waren es 50 bis 70) das notwendige Grundwissen für die Terra Cloud. „Auch jetzt kommen immer noch Partner auf uns zu, die mit dem Cloud-Geschäft anfangen wollen“, so Klein. „Die Welle reißt nicht ab.“

Wissen, was läuft

Täglich die wichtigsten Infos aus dem ITK-Markt

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Neben IaaS bietet Wortmann auch Colocation und klassisches Server-Hosting an. Allerdings nutzen dem Cloud-Chef zufolge maximal fünf Prozent der Partner die Option, Systeme ihrer Kunden im Hüllhorster Rechenzentrum unterzubringen, und weitere zehn bis 15 Prozent mieten dedizierte Bare-Metal-Server. Die allermeisten Partner vermarkten indes Cloud-Services im eigentlichen Sinn und bringen die Workloads ihrer Kunden auf virtuelle Instanzen.

Wortmann goes Cloud Native

Darüber wird es in der Terra Cloud künftig die Möglichkeit geben, Cloud-native Anwendungen in einer Container-Umgebung zu betreiben. „Wir haben gerade unsere eigene Infrastruktur neu gebaut, und zwar komplett auf Kubernetes, um Erfahrungswerte zu sammeln“, berichtet Klein. Gemeinsam mit einem Technologiepartner werde Wortmann demnächst Kubernetes as a Service präsentieren. Außerdem stehe Object Storage auf der Roadmap. „Man muss mit der Zeit gehen.“ Die Zahl der Anfragen nach Cloud-nativen Lösungen nehme zu. „Dem stellen wir uns und investieren in entsprechende Angebote.“ Damit wird die Terra Cloud an Relevanz für Software-affine Dienstleister und ISVs gewinnen.

Alles aus einer Hand auch in der Cloud

Siegbert Wortmann legte im Oktober 2012 selbst den Grundstein für das Rechenzentrum des Unternehmens. Der Gründer und Vorstand hatte entschieden, die Infrastruktur für die Terra Cloud auf dem eigenen Campus im Hüllhorst zu betreiben. „Alles aus einer Hand“ lautet ein Prinzip des Distributors und Eigenmarkenherstellers. Wie im Hardware-Geschäft wollen die Ostwestfalen auch bei der Service-Bereitstellung die Wertschöpfung so weit wie möglich selbst in der Hand behalten. Viele Cloud und Hosting Provider mieten sich dagegen mit ihrem IT-Equipment bei Colocation-Anbietern ein. In der Regel stehen deren Rechenzentren in Metropolen, in der Nähe von internationalen oder regionalen Internetknoten.

Die Netzinfrastruktur im Kreis Minden-Lübbecke, in dem Hüllhorst liegt, mag weniger entwickelt sein als die in Ballungsräumen. Für Wortmann hat die relative Abgeschiedenheit aber auch einen Vorteil. Denn der Terra-Cloud-Anbieter muss sich, anders als die zahllosen Provider, die sich rund um den De-Cix in Frankfurt / Main drängen, das Netz vor Ort nicht mit Konkurrenten teilen. Zudem hat das Unternehmen von seiner Seite her alles Notwendige dafür getan, dass die Services mit hoher Verfügbarkeit bereitstehen. So hat es das Rechenzentrumsgebäude redundant von gegenüberliegenden Seiten per Glasfaser an die Netze verschiedener Carrier angebunden. Dabei ist die Infrastruktur für 100 Gigabit Ethernet (GE) ausgelegt. Wortmann war nach eigener Auskunft das erste Unternehmen in der Region Ostwestfalen-Lippe, das über einen 100-GE-Anschluss verfügte.

An öffentliche Netze ist die Terra Cloud über Carrier wie die Deutsche Telekom und 1&1 Versatel angebunden. Ein wichtiger Kooperationspartner ist auch der Mobilfunkanbieter Freenet. Die Ostwestfalen nutzen dessen Düsseldorfer Rechenzentrum als zweiten deutschen Standort, an dem sie Cloud-Services bereitstellen. Dadurch ist es Kunden möglich, Cloud-Umgebungen zu spiegeln oder Backups auszulagern. Darüber hinaus unterhält Wortmann einen weiteren Cloud-Standort in Münchenstein bei Basel, der eigens für Partner in der Schweiz aufgebaut wurde.

Wenn es um das Cloud-Portfolio von Wortmann geht, darf ein Anbieter nicht unerwähnt bleiben: Microsoft. Das Hüllhorster Unternehmen zählt zu den Distributoren im Programm für Cloud Solution Provider (CSP) und ist damit berechtigt, Angebote wie Microsoft 365 und Azure an Reseller zu vertreiben. Tatsächlich verbinden einige Wortmann-Partner in Kundenszenarien auch Services wie Azure SQL oder Power BI on Azure mit IaaS-Diensten aus der Terra Cloud.

Ein größeres Volumen als die Azure-Vermarktung hat bei den Ostwestfalen allerdings das Geschäft mit Microsoft 365, dem Productivity- und Collaboration-Portfolio des Software-Riesen. Unter den 24 CSP-Distributoren (Indirect Provider) in Deutschland gehören sie mit Also, ADN und Ingram Micro zu den Top Vier. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen auch Microsoft-Lizenzen auf Basis des Service Provider License Agreement (SPLA) an Hosting-Partner und nutzt das Modell selbst für Hosting-Angebote. Die Zusammenarbeit mit einem Hyperscaler und die Bereitstellung eigener Cloud-Dienste sind bei Wortmann kein Widerspruch.

(ID:48579518)