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Business Continuity

Zigtausend Projekte stehen an

Die SAP-S/4-Hana-Migration und ihre Tücken

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Auch SAP-Systeme veralten (hier ein Screenshot aus dem Jahre 1990) und müssen erneuert werden – aktuell steht der Umstieg auf das In-Memory-Zeitalter an.
Auch SAP-Systeme veralten (hier ein Screenshot aus dem Jahre 1990) und müssen erneuert werden – aktuell steht der Umstieg auf das In-Memory-Zeitalter an. (Bild: SAP)

Zigtausend Projekte zur In-Memory-Technologie im SAP-Umfeld rollen aufgrund eines anstehenden Support-Endes an. Damit einher gehen einige Fallstricke und Missverständnisse. Der Red-Hat-Channel aus dem Umfeld soll diese – begleitet vom Linux-Spezialisten – umschiffen.

Über 50.000 SAP-S/4-Hana-Umstellungsprojekte könnten in den kommenden sieben Jahren in Deutschland anstehen, bei denen Altsysteme stillgelegt, alte Datenbestände gerettet und ausgewählte Daten überführt werden. Zu diesen Zahlen kommt zumindest der Dienstleister aus diesem Marktumfeld, Data Migration Services. Wolfgang Bausch, SAP Business Developement Manager, EMEA bei Red Hat taxiert das Marktpotenzial folgendermaßen: „Wie viele Migrationsprojekte im Rahmen der SAP-Hana-Thematik anstehen, lässt sich anhand offizieller SAP-Zahlen abschätzen. Global betrifft der Wechsel circa 200.000 Unternehmen, wobei etwa 25.000 den Umstieg bereits hinter sich haben. 44 Prozent der SAP-Umsätze kommen aus dem Raum EMEA und 35 Prozent davon aus Deutschland. Es ist also mit zigtausend Projekten in den nächsten Jahren zu rechnen.“

Eigentlich geht es jeweils um zwei Projekte

Im Grunde genommen besteht so ein Wechsel aber aus zwei Migrationsprojekten: Erstens dem Datenbankaustausch, wenn der Kunde beispielsweise seine Oracle-Datenbank oder sein IBM DB2 gegen die SAP-Hana-In-Memory-Datenbank tauscht. ­Danach gilt es, zweitens, die „alten“ SAP-Applikationen – sei es die Finanzanwendung FI CO, das Materialmanagement-Modul MM oder die Personal-Lösung HR – mit Anwendungen aus der neuen S/4-Hana-Application-Suite zu tauschen. Was Punkt zwei angeht, weiß Bausch: „Das ist keine einfache Migration, sondern durchaus schwierig für den Kunden, weil viele Prozesse im alten Umfeld auf das Unternehmen abgestimmt sind. Mit anderen ­Worten: Irgendwie muss mit jeder Menge‚Custom Code‘ umgegangen werden, der beispielsweise in ABAP oder Java geschrieben wurde.“

Praxiserfahrungen

Bei SAP geht man nach Einschätzung von Bausch davon aus, dass viele Kunden die beiden getrennt zu betrachtenden Migrationsprojekte „in einem Rutsch“ durchziehen. Bei Red-Hat-Kunden spielt aber ein zweiphasiger Ansatz die Hauptrolle: „Aus Kundengesprächen weiß ich, dass Stufe eins – die Datenbankmigration – die IT-Abteilungen in der Regel zwischen 12 und 18 Monate beschäftigen. Stufe 2 – die Applikationsebene – wird häufig nochmal so lange dauern und ist in aller Regel mit noch mehr Aufwand verbunden“, weiß Bausch.

Custom Code

Der Knackpunkt hier sei der Custom Code, bei dem der Kunde erst einmal wissen muss, was davon alles vom neuen Standard-Umfang in S/4 Hana abgedeckt ist, was alles angepasst werden muss und inwieweit sich dadurch Schnittstellenproblematiken ergeben. Red Hat samt Partnerlandschaft greift diese Thematik mit so genannten „Future Readiness Assessments“ auf, die zum Ziel haben, dem Kunden einen aktuellen Status ihrer SAP-Landschaft zu ­geben, um darauf aufbauend die beiden Migrationsprojekte sinnvoll anzugehen. In diesen Assessments wird geklärt, welche Prozesse von Standards abgedeckt sein werden, wie viel Custom Code vorliegt, wie viel davon genutzt wird und vor allen Dingen: Was nicht genutzt wird. So können Einsparpotenziale in Hinblick auf Zeit und damit Kosten ermittelt werden.

Einsparpotenziale

„Nach unseren Erfahrungen aus solchen Projekten wird nämlich 70 Prozent des Custom Codes gar nicht mehr genutzt. Ihn mit rüber zu ziehen, würde nur Geld kosten. 20 Prozent des Custom Codes wird sporadisch bis regelmäßig und etwa 10 Prozent davon intensiv genutzt“, schätzt der Manager. „Wenn ich einen Prozess, der mit einer SAP-Transaktion abgebildet wird, migriere, kann man etwa einen Manntag für dieses Vorhaben taxieren. Wenn sie in einem konkreten Projekt sagen wir 100 solcher Transaktionen einsparen können, fallen jede Menge Kosten weg.“ Und wenn 70 Prozent des Custom Codes nicht überführt werden müssen, verkürzt sich die Migrationszeit um 50 bis 60 Prozent, weiß Red-Hat-Manager Bausch.

Assessment-Ansatz

„Red-Hat-Partner und ihre Kunden erfahren mehr zu den angesprochenen Assessments bei ihren Red-Hat-Ansprechpartnern“, sagt Bausch und führt aus: „Für den Kunden ergeben sich dann grob geschätzt zwei Stunden Aufwand, da er lediglich Logfiles zusammentragen muss. Die interne Auswertung bei uns dauert zwischen zwei und vier Wochen und das Assessment mündet in einer Präsentation beim Kunden.“ Zudem erhalte der Kunde Benchmarks mit Kennzahlen quer über die Branchen und innerhalb der Branche des Kunden. Für Red-Hat-Partner sei das Ergebnis des Future Readiness Assessments aus vertrieblicher Sicht so etwas wie der berühmte „Fuß in der Tür“, also Startpunkt für weitere Beratungen im Hinblick auf anstehende Entscheidungen: Greenfield- oder Brownfield-Ansatz? On-Premises, Cloud- oder Hybrid-Lösung? Was kann alles automatisiert werden? Wie soll das Cloud-Management gestaltet werden?

Intelligent-Enterprise-Ansatz

Dem Channel obliegt in diesen Projekten dann auch die Aufgabe, den Umstieg auf die In-Memory-Datenbank und applikationsseitig auf die S/4-Hana-Suite für die Umsetzung des so genannten „Intelligent Enterprise“-Ansatzes von SAP zu verwirklichen. Dazu benötigt man einerseits Lösungen wie SAP Leonardo, um mit Technologien wie Machine Learning oder IoT neue Erkenntnisse zu gewinnen und Innovation voranzutreiben. Andererseits benötigt man auch die entsprechenden Daten. „Hier kommt Red Hat mit seinem Portfolio an Integrationslösungen ins Spiel, um beispielsweise die Daten von IoT-Devices zu sammeln, zu filtern, zu formatieren und SAP Leonardo zur Verfügung zu stellen“, so der SAP-Experte bei Red Hat. Eine andere Form der Datengewinnung ist das Aufbrechen der in den Unternehmen vorhandenen Datensilos mit SAP Data Hub, das SAP Hana mit anderen Datenquellen im Unternehmen verbindet – basierend auf der Container-Plattform: Red Hat OpenShift.

Ergänzendes zum Thema
 
Großprojekte in der Pipeline

ABAP wird die Cloud überleben

Was dabei die oben angesprochene SAP-eigene Programmiersprache ABAP angeht, wird diese im SAP-Umfeld aller Voraussicht nach dauerhaft erhalten bleiben und zwar auch in der Cloud, „dort allerdings mit etwas reduzierten Funktionen“, so der SAP-Fachmann bei Red Hat. „Allerdings werden weitere Toolsets dazukommen, hieß es auf der vergangenen SAP TechEd 2018 in Barcelona. So können Unternehmen auch darüber nachdenken, ob sie moderne Technologien wie Container und Microservices nutzen wollen.“ Red Hat deckt diesen Bereich mit der hauseigenen OpenShift-Platform ab.

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