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Softwarebasierte Wide Area Networks im Fokus

Die Rolle der Service-Provider beim Thema SD-WAN

| Autor / Redakteur: Mike Sapien / Andreas Donner

Ein Managed SD-WAN kombiniert MPLS- und Breitband-Internet-Links, um die Paketverlustrate (Orange) bei zeitkritischen Anwendungen wie Videos auf ein akzeptables Maß zu senken.
Ein Managed SD-WAN kombiniert MPLS- und Breitband-Internet-Links, um die Paketverlustrate (Orange) bei zeitkritischen Anwendungen wie Videos auf ein akzeptables Maß zu senken. (Bild: Silver Peak)

In der Diskussion über Software-defined Wide Area Networks führen derzeit die Technologieanbieter das Wort. Dabei treten die Service-Provider, die für die Nutzer von SD-WANs eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielen, leider viel zu häufig in den Hintergrund.

Software-defined WANs zählen zweifellos zu den Netzwerk-Technologien, die für Nutzer und Service-Provider gleichermaßen interessant sind. Denn ein SD-WAN erlaubt es Unternehmen und Providern, Internet-Verbindungen, 4G- und künftig 5G-Mobilfunk-Links sowie traditionelle MPLS-Weitverkehrsstrecken (Multi-Protocol Label Switching) zu virtuellen Verbindungen zusammenzufassen. Dadurch können Unternehmen ihre Standorte flexibler und kostengünstiger als bislang an firmeneigene und Cloud-Rechenzentren anbinden.

Der Hype, der um SD-WANs entstanden ist, spiegelt sich auch in der Zahl der Informationen wider, die potenzielle Nutzer über softwarebasierte Weitverkehrsnetze erhalten. Doch genau dies trägt häufig eher zur Verwirrung als zur Klärung der Sachlage bei. Denn die Diskussion wird derzeit von den Anbietern von SD-WAN-Lösungen dominiert. Das ist auch dann der Fall, wenn diese Partnerschaften mit Service-Providern ankündigen, die ihren Kunden SD-WAN-Dienste bereitstellen.

Technologielieferanten bestimmen die Diskussion

Dieses Phänomen hat das Marktforschungsunternehmen Ovum dokumentiert. Eine Analyse ergab, dass Unternehmen, die sich für SD-WAN-Lösungen interessieren, drei Mal so häufig einen Technologieanbieter kontaktieren als einen Managed-Services-Provider (MSP), der SD-WANs anbietet. Daran sind die Serviceanbieter nicht ganz unschuldig. Sie zögern häufig, Details zu ihren SD-WAN-Diensten herauszugeben.

Außerdem müssten sie stärker in Marketing-Kampagnen für ihre gemanagten WAN-Dienste investieren und Interessenten aufzeigen, wie diese softwarebasierte Weitverkehrsnetze nutzbringend einsetzen können. Denn viele Unternehmen haben nur eine unzureichende Vorstellung davon, welche Vorteile ihnen ein Managed SD-WAN-Service bringen kann.

Das gilt auch für Anwender, die bereits auf eigene Faust Feldversuche mit SD-WANs gestartet haben, um sich auf diese Weise einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Etliche von ihnen haben die Erfahrung gemacht, dass ein SD-WAN mehr Wartung und technischen Support benötigt, als die hauseigene IT-Abteilung bereitstellen kann. Sobald sie sich ein Bild von der Technologie und den Anforderungen gemacht haben, die ihre Applikationen an ein Weitverkehrsnetz stellen, dürfte die Mehrzahl der Unternehmen daher einen voll gemanagten SD-WAN-Dienst bevorzugen.

Wie Service-Provider von SD-WANs profitieren können

Doch nicht nur den Nutzern bringen gemanagte Software-Defined WANs Vorteile. Auch die Provider, die solche Dienste bereitstellen, können auf ihre Kosten kommen. Die Fachleute von Ovum haben mehrere Bereiche identifiziert, die Service-Providern neue Einnahmequellen erschließen können:

  • Unterstützung von Nutzern bei der Installation und Implementierung von SD-WAN-Lösungen: Dies kann beim Durchführen von Tests erfolgen, aber auch später, wenn eine SD-WAN-Lösung in den Produktivbetrieb überführt wird.
  • Technischer Support: Im Idealfall kann ein Unternehmen bei einem Service-Provider unterschiedliche Support-Levels buchen. Der Provider hat die Option, für Nutzer maßgeschneiderte Service- und Support-Pakete zusammenzustellen.
  • Testinstallationen und Pilotprojekte: Ein Provider kann einem Interessenten im Rahmen von Pilotprojekten Hilfestellung geben.
  • Wissensaustausch: Wichtig ist, wenn einem Unternehmen Anwendungsbeispiele und Informationen über die unterschiedlichen Implementierungsformen von gemanagten SD-WAN-Diensten zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehören beispielsweise Best Practices.
  • Basisinformationen: Es ist davon auszugehen, dass ein beträchtlicher Teil der Unternehmen detaillierte Informationen über Weitverkehrsnetze. softwarebasierte Netzwerktechniken und entsprechende Services benötigt. Diese kann der Provider anbieten und sich damit als Kompetenzträger profilieren.
  • Daten zu den SD-WAN-Lösungen der diversen Anbieter: Eine wichtige Aufgabe eines Service-Providers besteht darin, Interessenten Informationen über die unterschiedlichen WAN- und SD-WAN-Lösungen auf dem Markt an die Hand zu geben. Das gilt auch für Verfahren, mit denen sich solch solche Lösungen integrierten und zentral verwalten lassen.
  • Monitoring und Unterstützung bei Upgrades: Auch in solchen Fällen kann ein Managed-Services-Provider (MSP) einem Nutzer Arbeit abnehmen. Ein Beispiel ist die Überwachung (Monitoring) der Weitverkehrsinfrastruktur, ein weiteres die Implementierung von Hard- und Software-Upgrades an den Standorten des Nutzers.

Service-Provider müssen ihre Rolle finden

Die genannten Felder geben Anbietern von Managed Services die Möglichkeit, neue Einnahmequellen zu erschließen und ihre Rolle als Partner des Kunden bei SD-WAN-Diensten zu definieren. Der Studie von Ovum zufolge zählen Service-Provider denn auch zu den drei potenziellen Partnern, mit denen Unternehmen auf dem Gebiet SD-WANs zusammenarbeiten würden. Allerdings rangieren die Anbieter von SD-WAN-Lösungen deutlich vor den Service-Providern.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Unternehmen, die den Einsatz von Network Functions Virtualization (NFV) erwägen. Diese Technologie ermöglicht es, die Funktionen von Netzwerk-Knoten zu virtualisieren und als Virtual Machines (VM) auf beliebiger Hardware bereitzustellen. Mit NFV lassen sich beispielsweise Firewalls, Gateways und WAN-Optimierungssysteme in Virtual Machines packen. Für Nutzer von NFV-Funktionen ist laut Ovum in vielen Fällen ein Systemintegrator oder IT-Lösungsanbieter eine Alternative zu einem Service-Provider.

Das heißt, Service-Provider müssen eine eigene Rolle finden und sich von SD-WAN-Herstellern und Systemintegratoren differenzieren. Wichtig ist zudem, dass Provider ihren Kunden den Mehrwert aufzeigen, den sie diesen bieten können. Wenn sie zu lange damit warten, werden sich ihre (potenziellen) Kunden anderen Anbietern zuwenden.

Mehr als nur Basisdienste

Doch ein besseres Marketing oder grundlegende SD-WAN-Dienste alleine reichen nicht aus, um Unternehmen und Organisationen vom Nutzen eines Managed-SD-WAN-Dienstes zu überzeugen. Um sich von Mitbewerbern zu differenzieren, müssen Provider kontinuierlich neue Dienste sowie Erweiterungen bestehender SD-WAN-Services entwickeln, die ihren Kunden einen Mehrwert bieten. Dazu zählen WAN-Optimierung und Sicherheitsfunktionen „as a Service“.

Solche Angebote sind für Nutzer vor allem dann attraktiv, wenn sie sich einfach implementieren lassen, weniger kosten als herkömmliche Lösungen und sich zentral über ein Web-Portal verwalten lassen. Nach Erkenntnissen von Ovum spielt für Nutzer von SD-WANs zudem die Performance von Applikationen eine immer wichtigere Rolle. Sie wünschen sich, dass in Niederlassungen Geschäftsanwendungen in einer gleichbleibend hohen Güte über ein Weitverkehrsnetz zur Verfügung stehen. Dafür sind Unternehmen auch bereit, einem Service-Provider einen angemessenen Preis zu bezahlen.

Mike Sapien.
Mike Sapien. (Bild: Ovum)

Über den Autor

Mike Sapien ist Chief Analyst beim Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Ovum. Er beschäftigt sich mit Themen, die für Großunternehmen relevant sind. In diesem Zusammenhang analysiert Sapien die Anforderungen solcher Unternehmen in Bereichen wie Netzwerke, Sicherheit und Mobility-Lösungen. Zum Themenspektrum von Sapien zählen außerdem IT-Services für große Firmen. In jüngster Zeit erstellte Sapien unter anderem Studien zu Managed-Security-Diensten und SD-WANs. Mike Sapien ist seit 30 Jahren in der Telekommunikations- und Internet-Services-Sparte tätig. Vor seinem Wechsel zu Ovum bekleidete er Führungspositionen bei Betreibern von Rechenzentren und Local-Exchange-Carriern.

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