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Modernere Arbeitsmittel gefordert Die Kinder des Internets

Redakteur: Harry Jacob

Noch streiten sich die Marktforscher, wie die Nachfolger der »Generation X« heißen sollen. Doch in einem Punkt herrscht Einigkeit: Die aktuellen Hochschulabsolventen bringen modernere Arbeitsmethoden in die Firmen. Die Manager müssen sich, die Unternehmenskultur und ihre IT-Infrastruktur auf veränderte Anforderungen einstellen, wollen sie künftig noch begehrte Fachkräfte gewinnen.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Bei Forrester heißen sie »Millennials«, bei Universum »Generation Triple i« – das steht für informiert, informell, international. Gemeint ist bei beiden Marktforschungsunternehmen das Gleiche. Sie haben sich den aktuellen Hochschulabgängern angenommen, also den zwischen 1980 und 2006 geborenen. Eines der wichtigsten Ergebnisse dabei: diese Generation hat das Internet vollkommen verinnerlicht. Informationsbeschaffung und -weitergabe, Kommunikation und Networking, aber auch die so genannte Work-Life-Balance, also die Organisation von Arbeitsleben und Freizeit, sind vom Internet bestimmt.

Die Entscheider in den Unternehmen müssen sich auf diese Fachkräfte einer neuen Generation meist erst noch einstellen. Zwar wird schon seit einigen Jahren über die Veränderung von Arbeits- und Geschäftsprozessen gesprochen, über den »Mobile Worker« und die Zunahme von Home Office. Doch die Anpassung der Geschäfts-IT verlief bislang vergleichsweise gemächlich, da sie stark technik-getrieben ist: Können PCs durch Thin Clients oder Notebooks ersetzt werden, welche Netzwerkverbindungen sind nötig, um Außendienstler und Heimarbeiter sicher anzubinden, und wie können Kunden und Vorlieferanten in die Supply-Chain eines Unternehmens integriert werden – das waren die bestimmenden Fragen.

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Unbekümmerter Umgang

Die Analysten von Universum befragten Hochschulabgänger nach ihren Einstellungen und ihren Wünschen, insbesondere in Bezug auf die Arbeitswelt nach dem Studium. Dabei zeigte sich, dass die »Generation Triple i« Chats, Blogs und eMail deutlich häufiger nutzt als Ältere (siehe Tabelle). Damit einhergehend werden Beziehungen schneller und internationaler geknüpft, und weniger Wert darauf gelegt, mit Menschen persönlich zusammenzutreffen – somit entfallen bisher bestehende Hemmschwellen. »Social Computing« erweitert den Horizont über Kontinente hinweg. Über die so geschaffenen Netzwerke werden ebenso entscheidungsrelevante Informationen eingeholt wie über Google, Wikipedia und Co.

Zu den weiteren Eigenheiten gehören Wünsche wie flache Hierarchien, Zusammenarbeit in Teams und flexible Arbeitszeiten und -orte, so dass die Aufgaben auch von zu Hause aus erledigt werden können und die Freizeit gut organisiert werden kann. Insgesamt kommt Universum zum Schluss, dass diese Generation besser auf den internationalen Arbeitsmarkt und eine globaliserte Wirtschaft vorbereitet ist, auf der anderen Seite aber auch hohe, zum Teil übermäßige Ansprüche bestehen, während die Bereitschaft, in Führungspositionen aufzusteigen und Verantwortung zu übernehmen nur gering ausgeprägt ist.

Fehlende Unterstützung

Im Auftrag von Xerox untersuchten die Marktforscher von Forrester Consulting die andere Seite der Medaille und befragten die potenziellen Arbeitgeber der hier als »Millennials« bezeichneten Generation.

Dabei zeigte sich, dass die Unternehmen in Europa nur in geringem Maße auf die Arbeitsweise der jüngeren Mitarbeiter eingestellt sind. Und das, obwohl diese in den kommenden Jahren einen größeren Teil der Belegschaft stellen werden als die vor 1950 geborenen. Die Anforderungen der »Millennials« sind relativ homogen. Sie wünschen sich:

- Eine flexible Arbeitsumgebung, die der Work-Life-Balance entgegenkommt

- Teamwork und eine Unternehmenskultur, die von Zusammenarbeit geprägt ist

- Die Möglichkeit, Kunden- und Partnerbeziehungen online zu pflegen, durch direkten Online-Einkauf sowie Service-Foren und Chat-Rooms

- Neueste Technologie, mobilen Zugang zu Internet und eMails.

Konsequenzen ziehen

Zwar sind sich die meisten Unternehmenslenkern bewusst, dass jüngere Mitarbeiter einen anderen Arbeitsstil pflegen und dies auch eine Bereicherung für das Unternehmen darstellt. Konsequenzen aus dieser Erkenntnis ziehen derzeit aber noch wenige. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich die meisten gut vorbereitet sehen. In Deutschland gaben 77 Prozent der Unternehmer an, dass sie den Anforderungen der neuen Generation gewachsen seien.

Unterscheidet man die Befragten jedoch nach dem Alter, so zeigt sich, dass vor allem die Entscheidungsträger ab 55 Jahren sich ihrer Sache sicher sind, die unter 35-Jährigen dagegen sehr wohl einen großen Veränderungsbedarf sehen. Insbesondere in Sachen flexible Arbeitszeit und der Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, gibt es noch erhebliche Lücken zwischen dem, was die Forrester-Analysten als notwendig erachten und dem, was Unternehmer derzeit zulassen.

Nachholbedarf

Ähnlich verhält es sich bei der technischen Ausstattung: Notebooks und Handys stellen bereits mehr als ein Drittel der Unternehmen ihren Angestellten zu Verfügung, mit Webcasts, PDAs und Blackberrys und anderen Gadgets zur mobilen eMail-Kommunikation sieht es jedoch noch düster aus.Mehr als die Hälfte der heutigen Manager geht davon aus, dass in den nächsten drei bis vier Jahren die Zahl ihrer Mitarbeiter, die Webcasts und »mobile Arbeitsmittel« des Unternehmens nutzen, teilweise deutlich ansteigen wird (siehe Grafik links).

Noch zu wenig im Fokus haben Manager die Entwicklung der Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern über das Internet. Die Wahl von Lieferanten und Waren wird von den »Millennials« bevorzugt online getroffen. Bei Unternehmensführern ab 35 Jahren und älter sagen 38 Prozent, dass sie dies nicht planen, weitere 20 Prozent haben sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt und können deshalb keine Aussage dazu treffen. Bei der Kundenkommunikation dominieren Webportale für den Support (59 Prozent der Unternehmen) und Kundenzufriedenheitsmessung via Internet, eMail oder Telefon (45 Prozent).

Fazit

Die nachrückenden Fachkräfte sorgen für einen erheblichen Wandel in der Arbeitswelt. Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen, sich schneller anzupassen, um die begehrten Mitarbeiter zu gewinnen. Gleichzeitig sitzen diese künftig verstärkt auch bei Partnern und Kunden – wer dann beim »Social Computing« nicht mitspielt, verschwindet bei diesen vom Radarschirm. Für einzelne IT-Lieferanten ist das Thema heute schon präsent.

So versucht Xerox, die Verwaltung und Gestaltung von Dokumenten für die »Millennials« zu vereinfachen. Microsoft wirbt mit »Neue Generation Zusammenarbeit« schon seit Office XP für genau jene Features, die die interne und externe Zusammenarbeit erleichtern. Das Consulting bei Eingriffen in die IT-Infrastruktur eines Unternehmens sollte neben technischen Anforderungen und der Anpassung an die aktuellen Geschäftsprozesse auch die in der näheren Zukunft zu erwartenden Änderungen der Arbeitsstile berücksichtigen.

(ID:2002168)