Interview mit Kai-Otto Landwehr

Die Finanzkrise und ihre Folgen für IT-Projekt-Finanzierungen

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ITB: Siemens verfügt über eine eigene Bank-Lizenz. Wie ist die Siemens Bank organisatorisch eingebunden?

Landwehr: Gesellschaftsrechtlich ist die Siemens Bank GmbH eine 100-prozentige Tochter der Siemens AG und damit eine eigenständige Gesellschaft. Die Bank ist jedoch in das Netzwerk von Finanzgesellschaften im Siemens-Konzern eingebunden und wird in der Segment-Berichterstattung daher dem Cross-Sector-Geschäft Financial Services zugewiesen.

ITB: Welche Vorteile ergeben sich durch die eigene Bank-Lizenz für den Siemens-Konzern?

Landwehr: Die Bankgründung spielt eine wichtige Rolle in der Wachstumsstrategie der Financial-Services-Einheit. Die Siemens Bank GmbH wird mit Krediten und Garantien das Produktspektrum der Financial-Services-Einheit von Siemens insbesondere im Bereich Absatzfinanzierung erweitern und so den Vertrieb in den operativen Siemens-Sektoren unterstützen. Hier geht es dann auch mal um Großprojekte wie die Finanzierung von Windparkanlagen oder Kraftwerken.

ITB: Welche Finanzdienstleistungen spielen im IT- und TK-Bereich die größte Rolle?

Landwehr: Im IT-Segment sind Leasing und Managed-Services-Konstrukte besonders wichtig.

ITB: Akteure aus dem produzierenden oder dem dienstleistenden Sektor – ich nenne das mal „Realwirtschaft“ – müssen ein um‘s andere Mal hinnehmen, dass Finanzkrisen auf ihr Geschäft überschwappen. Nach der Lehmann-Pleite kam es beispielsweise zu einer stark gebremsten Kreditvergabe an Unternehmen, weil Banken sich gegenseitig nicht mehr trauten und aus Sicht einiger Marktakteure das ganze Finanzsystem zu kollabieren drohte. Welche Rolle spielen hier alternative Finanzierungsmethoden?

Landwehr: Aus Unternehmenssicht lautet die entscheidende Frage: Wie kann ich meine anstehenden Investitionen finanzieren? Vor allem in der Krise ist es wichtig, dass man auf mehreren Säulen finanziert und nicht nur auf eine Hausbank oder auf die Finanzierung durch eigene Betriebsmittel setzt. Wenn sich Unternehmen hingegen bereits mit alternativen Finanzierungsformen, wie wir sie anbieten, beschäftigt haben, stehen weitere Optionen bereit, falls durch restriktivere Kreditvergabe der Banken die Kreditkosten und die Schwierigkeiten tendenziell steigen.

ITB: Würden Sie sagen, dass Kredite zur Finanzierung von Unternehmen oder Projekten inzwischen bereits wieder zurückhaltender vergeben werden, wegen der andauernden Unsicherheiten in der Finanzbranche?

Landwehr: Nach den Liquiditätsengpässen in Folge der Lehmann-Insolvenz kam das Gros der Unternehmen in Deutschland grundsätzlich wieder komfortabel an Kredite heran, nachdem die ersten Unsicherheiten überwunden waren. Allerdings muss man einschränkend sagen, dass gegenwärtig noch etwa 20 Prozent der Firmen angeben, dass ihnen benötigtes Kapital nicht ausreichend zur Verfügung steht. Inzwischen parken Banken wieder mehr Gelder bei der EZB, was dafür spricht, dass es im Interbankenmarkt wieder zu Unsicherheiten kommt. Ich sehe das unabhängig von Krise oder Nicht-Krise so, dass sich Unternehmen bei der Finanzierung breiter aufstellen sollten, so dass sie nicht ausschließlich von einzelnen Banken abhängig sind.

ITB: Welche alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, die auch die SFS anbietet, können hierbei helfen? Wie sieht denn Ihr Portfolio aus?

Landwehr: Bei der Siemens Finance & Leasing GmbH (SF&L), der Leasingtochter der SFS, unterscheiden wir zwischen zwei Bereichen: Zum einen finanzieren wir Siemens-Produkte, was etwa knapp die Hälfte des Neugeschäftsvolumens ausmacht. Zum anderen finanzieren wir aber auch Projekte für externe sowie Siemens-Kunden, die sich nicht oder nur zum Teil um Siemens-Produkte drehen. Außerdem bieten wir verschiedene Leasing-Modelle an. Man unterscheidet hier zwischen Restwertverträgen (Operate Lease), bei denen mit einem Restwert nach Ende des Vertrages kalkuliert wird und Vollamortisationsverträgen, bei denen über die Laufzeit hinweg die Anschaffung ausfinanziert wird. Am Ende kann der Vertrag verlängert oder das Gerät gekauft werden. Bei Mietkauf-Modellen zahlt der Kunde – wie der Name schon sagt – während der Laufzeit Miete und kauft anschließend ebenfalls. Unterarten von Mietkauf-Modellen sind Managed-Services- oder Price-per-Use-Modelle, die wir gemeinsam mit unseren Technologiepartnern umsetzen. Über die Siemens Bank nehmen wir zudem klassische Bankfinanzierungen vor. Außerdem sind wir im Bereich Factoring engagiert.

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