Global Skills Report 2021 Deutschland zeigt digitale Kompetenz

Redakteur: Heidi Schuster

Laut Global Skills Report von Coursera gehört Deutschland hinsichtlich digitaler Kompetenzen und Fähigkeiten in den Bereichen Business, Technologie und Data Science zu den fünf am besten ausgebildeten Ländern weltweit. Anthony Tattersall sprach mit IT-BUSINESS über die Studie.

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Deutschland belegt den fünften Platz hinsichtlich digitaler Kompetenzen und Fähigkeiten in den Bereichen Business, Technologie und Data Science.
Deutschland belegt den fünften Platz hinsichtlich digitaler Kompetenzen und Fähigkeiten in den Bereichen Business, Technologie und Data Science.
(Bild: © MH - stock.adobe.com)

Auf welcher Datengrundlage basiert der Global Skills Report (GSR) und wie hat es Deutschland weltweit in die Top fünf geschafft? Waren Sie von den guten Ergebnissen überrascht?

Tattersall: Die Studie bietet einen detaillierten Einblick in den Zustand von Fähigkeiten und Kompetenzen auf der ganzen Welt. Die Ergebnisse basieren auf Daten der Coursera-Plattform und Untersuchungen zwischen dem 1. Quartal 2020 und dem 1. Quartal 2021, die Leistungsdaten von mehr als 77 Millionen Lernenden weltweit und 14,2 Millionen in Europa, 4.000 Campus, 2.000 Unternehmen und 100 Regierungen nutzen. Deutschland rangiert weltweit auf Platz 10 bei Business Skills, Platz 12 bei den Technologie-Skills und Platz 8 in Punkto Data-Science-Fähigkeiten. Dies positioniert Deutschland auf dem fünften Platz im Gesamt-Ranking von Coursera, einem Ranking, das an mehr als 100 Ländern weltweit gemessen wird und sich mit dem deckt, was wir auch aus anderen Quellen sehen. Die aktuelle Qualifikationslücke in Deutschland ist somit nicht besonders groß und die Aufgabe des Aufbaus digitaler Kompetenzen wird allgemein als eine übergreifende Herausforderung verstanden. Speziell in Deutschland stützt sich die Studie auf Leistungsdaten von 988.000 Lernenden, die auf Coursera registriert sind. Diese Lernenden profitieren von über 5.000 Kursen, einschließlich der Kurse, die von unseren deutschen Partnern dem Karlsruher Institut für Technologie, der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Technischen Universität München (TUM) angeboten werden.

Anthony Tattersall
Vice President EMEA bei Coursera

Bildquelle: Coursera

Es gibt Bereiche, die besonders hervorstechen. Der Global Skills Report bescheinigt Deutschland eine hohe Kompetenz bei maschinellem Lernen (ML), Datenmanagement, Software Engineering und Statistik. Wie lassen sich diese guten Ergebnisse erklären?

Tattersall: Die Gründe sind vielfältig. Das Bildungssystem in Deutschland ist dafür bekannt, dass es eine hohe Anzahl von Absolventen in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik (MINT) hervorbringt. 35 Prozent der Erwachsenen mit einem Hochschulabschluss haben einen Abschluss in diesen Bereichen, verglichen mit 25 Prozent im Durchschnitt der OECD-Länder. Darüber hinaus sind Machine Learning, Datenmanagement, Software Engineering und Statistik, gerade auch die Fähigkeiten, bei denen Deutschland im Global Skills Report sehr gut abschneidet – allesamt relevant für den Bereich der Künstlichen Intelligenz. Besonders die Bundesregierung setzt sich seit 2018 dafür ein, die herausragende Stellung Deutschlands als Forschungsstandort zu sichern, um die Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen und die Nutzung von KI in allen Teilen der Gesellschaft zu fördern.

Was sind einige der interessantesten Erkenntnisse aus diesem Bericht, um sicherzustellen, dass sich die Qualifikationslücke in Deutschland zukünftig nicht vergrößert?

Tattersall: Der Zugang zu einer Vielzahl von berufsrelevanten Qualifikationen, einschließlich eines Weges zu digitalen Einstiegsjobs, wird wichtig sein, um die Bevölkerung in großem Umfang neu zu qualifizieren. Gleichzeitig ist es eine wichtige Ressource, um die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie zu beschleunigen. Basierend auf den Leistungsdaten von Millionen von Lernenden, zeigt der Report, welche Fähigkeiten und welcher Zeitaufwand erforderlich sind, um sich auf Einstiegspositionen vorzubereiten. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Hochschulabsolventen und Quereinsteiger können in nur 35 bis 70 Stunden oder ein bis zwei Monaten bei zehn Lernstunden pro Woche, digitale Fähigkeiten für den Berufseinstieg entwickeln. Die am besten übertragbaren Kompetenzen über alle zukünftigen Jobs hinweg liegen vor allem bei zwischenmenschlichen Fähigkeiten wie Problemlösung und Kommunikation sowie bei Computerkenntnissen und Karrieremanagement. In den Bereichen Technologie und Daten ist die mittlere Halbwertszeit einer Fähigkeit, also Anzahl der Jahre, die eine Fähigkeit benötigt, um die Hälfte ihres Wertes auf dem Arbeitsmarkt zu erreichen, etwa sieben Jahre kürzer als die Halbwertszeit von Fähigkeiten außerhalb dieser Bereiche.

Was sind die Konsequenzen der Studienergebnisse für Politik, Unternehmen und Mitarbeiter?

Tattersall: Neben den Länder- und Regionen-Rankings zeigt der Bericht einige wichtige Korrelationen auf, die verdeutlichen, wie Investitionen in Qualifikationen das Potenzial haben, Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Chancengleichheit sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene voranzutreiben, wenn sie von Unternehmen und der Gesellschaft als Ganzes gefördert werden. So wurde beispielsweise festgestellt, dass die Kompetenz eines Landes gemessen über Coursera mit einer höheren Wirtschaftsleistung verbunden ist. Ebenso korrelierte das Kompetenzniveau eines Landes mit seiner Fähigkeit, mit der pandemiebedingten Beschleunigung der Digitalen Transformation Schritt zu halten. Die Länder, die bei einer Reihe von Wirtschaftsergebnissen am besten abschnitten, wiesen insgesamt eine höhere Kompetenz auf und hatten einen überdurchschnittlichen Index bei vielen disruptiven Fähigkeiten, wie maschinelles Lernen, Finanztechnologie und kritisches Denken. Die Ergebnisse dieses Berichts werden hoffentlich Regierungen und Arbeitgeber dabei unterstützen, Qualifikationslücken in ihrer Belegschaft zu bewerten, Rollen zu identifizieren, die mit vielfältigen, nicht-traditionellen Kandidaten besetzt werden können, und die spezifischen Fähigkeiten, die für diese Rollen benötigt werden, detailliert zu beschreiben.

Über Coursera

Daphne Koller und Andrew Ng, zwei Stanford Professoren, gründeten Coursera im Jahr 2012 mit dem Ziel, den Zugang zu Bildung zu demokratisieren, indem sie Universitätskurse online für alle verfügbar machten. Seitdem haben sich weltweit 82 Millionen Nutzer auf der Coursera-Plattform angemeldet, um neue Fähigkeiten in den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Data Science zu erlernen. Das Unternehmen arbeitet mit Regierungen, Universitäten, Unternehmen und Lernenden weltweit zusammen, um die Welt durch Bildung und Lernen zu verändern. Coursera ist börsennotiert und mit seinen Kursen, Um- und Weiterbildungsangeboten nicht nur im Bildungsbereich (Coursera for Campus), sondern auch in der Wirtschaft (Coursera for Business) und im öffentlichen Sektor (Coursera for Government) positioniert.

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