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Das Handy als Geldbeutel Deutschland ist Entwicklungsland beim mobilen Bezahlen

| Redakteur: Sylvia Lösel

Sie heißen Crandy, Cashbeam, Luupay oder Paybox. All diese Unternehmen haben Bezahlverfahren entwickelt, die sich entweder in der Testphase befinden, nur einzelne Marktsegmente bedienen oder zunächst noch im Ausland operieren. Sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Sie suchen nach dem optimalen Weg, Deutschland und die Deutschen vom mobilen Bezahlen zu überzeugen. Damit haben sie auch ein gemeinsames Problem: Deutschland ist noch nicht reif für ein einheitliches Bezahlsystem.

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Mit diversen Automaten kommuniziert das Handy bereits.
Mit diversen Automaten kommuniziert das Handy bereits.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die mobile Bezahllandschaft ist weit von Einheitlichkeit entfernt. So existieren zahlreiche Insellösungen. Die Rhein-Main Verkehrsbetriebe in Hanau haben NFC-Ticketing (Near Field Communication) eingeführt. Hierbei muss der Kunde das Nokia-Modell 3220 erwerben, in das der NFC-Chip der Verkehrsbetriebe eingebaut ist. Das Handy wird an das Terminal an der Haltestelle gehalten und die Fahrt ist gebucht. Abgerechnet wird am Monatsende per Rechnung. Anders geht es in Bonn. Dort gibt es das »HändyTicket« per SMS. Vor Fahrtantritt eine 0800-Nummer wählen – das Ticket kommt per SMS. Voraussetzung: Die Daten müssen vorab hinterlegt werden.

Kauft man Musik im Internet, berechtigt man Paypal, das Konto mit den Kosten dafür zu belasten. Kauft man Klingeltöne bei Debitel, ist es der Mobile-Payment-Partner Luupay, bei dem man sich registrieren lassen muss – ein Chaos ohnegleichen, und der Verbraucher wird durch diese unterschiedlichen Insellösungen eher abgeschreckt. Erforderlich wäre ein einfaches, einheitliches und sicheres Bezahlsystem. Theoretisch sind sich alle einig.

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Anforderungen

Ein Bezahlsystem, das von der Allgemeinheit akzeptiert werden soll, muss folgende Kriterien erfüllen:

- Die Anmeldung funktioniert schnell und unkompliziert

- Der Kunde wird über Sicherheitsstandards und -maßnahmen informiert

- Mobiles Bezahlen bietet Anreize (zum Beispiel durch Bonussysteme)

- Die Einsatzmöglichkeiten des Systems sind vielfältig und nicht auf eine Anwendung beschränkt

Da es bei all den Varianten aber im Moment noch keine Lösung gibt, die alle Kriterien erfüllt, kann man Nokia gut verstehen. Die Finnen hatten wohl das Hickhack satt und sind jetzt mit einem NFC-fähigen Handy und einer Kooperation mit Visa vorgeprescht. Damit erfüllen sie schon einmal zwei der oben genannten Bedingungen, die laut Expertenmeinung absolut wichtig sind, will man im Mobile-Payment-Markt mitmischen. Zum einen haben sie mit Visa einen vertrauenswürdigen Bank-Partner im Boot, und zum anderen setzen sie mit NFC auf die Technologie der nach Expertenmeinung wohl die Zukunft gehört (siehe Definition unten).

Der Wunsch ist da…

Denn obwohl hierzulande die Netzbetreiber dem mobilen Bezahlen alles andere als aufgeschlossen gegenüberstehen, wollen die Bundesbürger das Mobile Payment. In einer Studie, die die Arbeitsgruppe Mobile Commerce an der Universität Augsburg zusammen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft durchgeführt hat, würden knapp 50 Prozent eine derartige Lösung akzeptieren. Vor allem bei Beträgen die sich im Bereich zwischen 2,50 und 50 Euro befinden, erfährt mobiles Bezahlen großen Zuspruch.

Damit wären die mobilen Bezahlverfahren prädestiniert für Ticketing-Lösungen im öffentlichen Nahverkehr, für Parkscheine oder für Automatenzahlungen. Dr. Key Pousttchi, der die siebte Mobile-Payment-Fachmesse in Augsburg eröffnete, konstatiert: »Nach dem Scheitern der Gespräche zwischen Banken und den vier Mobilfunknetzbetreibern über ein national einheitliches Verfahren kommt Innovation seit einiger Zeit ausschließlich von Seiten der spezialisierten Intermediäre«. Diese Firmen, die aktuell Insellösungen bei den mobilen Bezahlverfahren einrichten, scheinen einen guten Riecher zu haben.

Zukunftsmusik

Laut des Trendbarometers des Eco-Verbandes der deutschen Internetwirtschaft wird sich M-Payment zu einem Milliardengeschäft entwickeln. »Die Branchenfachleute gehen mittlerweile davon aus, dass sich mit M-Payment interessante Gewinne erzielen lassen. 85 Prozent sagen voraus, dass sich dieses spezielle Segment des M-Commerce zu einem gewinnträchtigen Geschäftsfeld entfalten wird«, prognostiziert Dr. Bettina Horster, Leiterin des Arbeitskreises M-Commerce beim Eco-Verband. Doch auch hier kommt die Diskrepanz zwischen Realität und Theorie zum Ausdruck. Denn trotz der Zurückhaltung der deutschen Netzbetreiber sehen 80 Prozent der Befragten gerade die Netzbetreiber in der Verantwortung.

Was ist NFC?

Die Near-Field-Communication (NFC) ist eine drahtlose Kommunikationstechnologie (Nahfunktechnik) für Datenverbindungen über kurze Strecken und wurde gemeinsam von Sony und Philips entwickelt. Die NFC-Technologie basiert auf der Kombination aus RFID und drahtloser Verbindungstechnologie. Sie arbeitet in einem Frequenzbereich von 13,56 MHz und bietet eine Datenübertragungsrate von maximal 424 Kilobit pro Sekunde bei einer Reichweite von nur 20 Zentimetern.

Aufgrund der geringen Reichweite ist NFC keine Konkurrenz für Bluetooth oder Wireless LAN. Die Kommunikation zwischen NFC-Geräten kann sowohl aktiv/passiv als auch aktiv/aktiv sein.

Die Firmen Sony, Philips und Nokia gründeten 2004 gemeinsam das NFC-Forum, das die Implementierung und Standardisierung der NFC-Technik vorantreiben und die Kompatibilität zwischen Geräten und Diensten sicherstellen soll.

Vorteile für den Händler:

- schnellere Abwicklung, dadurch mehr Geschäftspotential

- spart sich teure Kreditkartenterminals

- Potential für virales Marketing, da er Kundenbedürfnisse besser nachverfolgen kann

- Individuell zugeschnittene Angebote an den einzelnen Kunden

- Keine teuren Rücklastverfahren

- Kosten und Gebühren

Probleme:

- uneinheitliche Standards

- Sicherheitsempfinden der Anwender

- Handy muss aktiv sein

- Dauer der Transaktionen noch zu lange

Vorteile für den Kunden:

- bequemer und sicherer Zugang zu Bezahlverfahren

- schneller Überblick über die Ausgaben

- verschiedene Zahlungsvarianten

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(ID:2002221)