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Verteiltes Arbeiten als neuer Normalzustand Der Weg zum „New Normal“ des Netzwerks

| Autor / Redakteur: Oliver Ebel / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die aktuelle Krise hat die Schlüsselrolle des Netzwerks für den Geschäftserfolg ins Rampenlicht gerückt. Verlässliche Netzwerke bilden aber nicht nur die Grundlage für den unterbrechungsfreien Geschäftsbetrieb: Sie ein Pfeiler für eine überragende „Employee Experience“.

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Online-Zusammenarbeit und Cloud-Services sind der neue Normalzustand – Oliver Ebel erläutert, was das für das Netzwerk bedeutet.
Online-Zusammenarbeit und Cloud-Services sind der neue Normalzustand – Oliver Ebel erläutert, was das für das Netzwerk bedeutet.
(Bild: Citrix)

In letzter Zeit haben wir alle viel in der Schlange gestanden. Wenn wir nicht aufgrund von Ausgangsbeschränkungen zu Hause blieben, mussten wir uns hinten anstellen, etwa vor dem Supermarkt oder der Apotheke. Genauso wirkte sich die Pandemie zeitgleich auf die Netzwerke aus: Datenpakete mussten häufig „Schlange stehen“ – und das führte zu Verzögerungen und mangelhafter Qualität latenzempfindlicher Applikationen wie etwa Videokonferenzen.

Die globale Netzwerkinfrastruktur – das Internet ebenso wie Unternehmensnetzwerke – musste sich einem gewaltigen unerwarteten Stresstest stellen. Dies hat uns vor Augen geführt, wie eminent wichtig Netzwerke für das Business sind: Wenn die Mitarbeiter keinen Zugang zu ihren Unternehmensressourcen erhalten, dann steht der Geschäftsbetrieb still.

Pragmatismus

In einer Notsituation wie dieser ist es nur natürlich, nach einfachen, pragmatischen Lösungen zu suchen. Für viele Unternehmen war diese Lösung, ihre VPN-Lizenzen aufzustocken, um ihre nun plötzlich verteilte Belegschaft schnellstmöglich an das Unternehmens-RZ anzubinden. Nun aber, da wir die erste Phase der Krise bewältigt haben, ist es an der Zeit, den Blick über solche Workarounds hinaus zu richten und zukunftssichere Netzwerke ins Auge zu fassen. Schließlich weiß niemand, wann die derzeitige Ausnahmesituation überstanden sein wird, oder wann die nächste Katastrophe – Hochwasser, eine Hitzewelle, ein Waldbrand, ein Ausfall der Stromversorgung etc. – den Geschäftsalltag erneut unterbrechen wird.

Planung

Künftige Netzwerke müssen auf solche Ausnahmesituationen vorbereitet sein. Darüber hinaus werden sie aber selbst in normalen Zeiten verteilten Datenverkehr auf globalem Maßstab bewältigen müssen, wie wir ihn in den letzten Wochen erlebt haben. Denn schon lange vor dem Ausbruch des neuen Coronavirus gab es einen Trend hin zu flexiblem Arbeiten – die Pandemie hat das lediglich beschleunigt. Verteiltes Arbeiten ist „the new normal“, der neue Normalzustand.

Damit dieses „new normal“ rund läuft, benötigen Unternehmen verlässliche, sichere, und benutzerfreundliche Hochleistungsnetzwerke – andernfalls würden frustrierte Mitarbeiter nach Workarounds suchen und sie in Consumer-Apps und -Services finden. Dann wuchert zwangsläufig die Schatten-IT und wirft vielfältige Sicherheits- und Compliance-Risiken auf. Deshalb müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihre Netzwerkinfrastrukturen skalierbar und rund um die Uhr betriebsbereit sind. Das Netzwerk muss den schnellen und sicheren Zugriff auf Unternehmensressourcen selbst in weit verteilten Arbeitsumgebungen stets sicherstellen – und negative Auswirkungen auf die Produktivität der Belegschaft vermeiden.

Um dies zu erreichen, sollten sich die IT-Abteilungen auf folgende Dimensionen des Netzwerks konzentrieren:

Intelligenz auf Applikationsebene: Das Netzwerk muss Anwendungen verlässlich und intelligent unterstützen. Es muss in der Lage sein, Applikationen zu erkennen und zwischen kritischen, weniger kritischen, unkritischen sowie Consumer-Apps und -Services zu unterscheiden. Außerdem muss es zum Zweck der Hochverfügbarkeit und der bestmöglichen Anwendungsperformance die Verkehrslast zwischen Applikationsservern verteilen und den Traffic global an andere Standorte umlenken, um Business Continuity – den ununterbrochenen Geschäftsbetrieb – selbst dann sicherzustellen, wenn ein Rechenzentrum nicht verfügbar oder an seiner Auslastungsgrenze ist.

Nutzung von KI/ML (künstliche Intelligenz/maschinelles Lernen) für Monitoring und Analytics: Heutige Netzwerke sind so komplex und dynamisch, dass jedes Bestreben einer manuellen Verwaltung, Optimierung und Absicherung zum Scheitern verurteilt ist. Neue Technologien wie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernens ermöglichen nicht nur kontinuierliches Monitoring und Analysen des Applikations- und Anwenderverhaltens – zugleich sorgen sie für Hochverfügbarkeit, hohe Performance und schnelle Erkennung von Anomalien.

Software-Defined WAN (SD-WAN): Nicht ohne Grund ist SD-WAN-Technologie in der IT-Branche seit einiger Zeit das Tagesgespräch. Ein SD-WAN verbindet Endanwender dynamisch und direkt mit den benötigten Ressourcen, seien es virtuelle Apps oder Desktops, die das Unternehmen im eigenen Datacenter hostet, seien es digitale Workspaces in der Cloud oder beliebige andere Cloud- oder On-premise-Ressourcen. Zugleich wählt ein SD-WAN automatisch die beste Route für den Datenverkehr aus und verteilt den Traffic über mehrere Pfade, um die Applikationsperformance zu optimieren. Das macht SD-WAN-Technologie zur Kernkomponente für verteiltes Arbeiten.

Zero-Trust Security: „Bösewichte“ sind auch – oder gerade – in Krisenzeiten sehr aktiv. Selbst wenn wie derzeit Business Continuity oberste Priorität hat, darf man deshalb die Sicherheit nicht aus dem Blick verlieren, zumal einem Unternehmen sonst dramatische Konsequenzen drohen. Das „new normal“ des verteilten Arbeitens abzusichern, erfordert eine Zero-Trust-Architektur, die davon ausgeht, dass kein Nutzer oder Gerät im Netzwerk je als vertrauenswürdig anzunehmen ist. Um diese Architektur umzusetzen, müssen Unternehmen ein kontinuierliches, applikationsspezifisches Identity- und Access-Management mit laufender Analyse des Endpunkt- und Nutzerverhaltens kombinieren – idealerweise ergänzt um eine automatisierte, Machine-Learning-basierte Reaktion auf Vorfälle (Incident Response). Dadurch können Security-Teams Sicherheitslücken schnell schließen und Bedrohungen ebenso zügig bewältigen.

Fazit

Die aktuelle Krise hat die Digitalisierung der Arbeit beschleunigt – und wird sie weiter beschleunigen. Homeoffice, verteiltes Arbeiten, digitale Workspaces, Online-Zusammenarbeit und Cloud-Services sind plötzlich – man könnte auch sagen: endlich – der neue Normalzustand geworden. Das Netzwerk bildet die Grundlage für all diese digitalen Arbeitsweisen. Um ihren Geschäftsbetrieb zukunftssicher auszulegen, sollten Unternehmen nun darauf achten, dass ihre Netzwerklösungen intelligent designt sind, und dass sie über Konzepte für grundsolide Business Continuity und Zero-Trust Security verfügen.

Oliver Ebel.
Oliver Ebel.
(Bild: Citrix)

Es ist höchste Zeit, nicht mehr über Workarounds nachzudenken, sondern die IT fit zu machen für die digitale Zukunft – eine Zukunft, in der Arbeit kein fester Arbeitsplatz mehr ist und in der kein Mitarbeiter, der aus der Ferne auf Unternehmensressourcen zugreifen will, Schlange stehen muss.

Über den Autor

Oliver Ebel ist Area Vice President DACH bei Citrix.

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