Immer komplexere IT-Systeme, die Cloud-Integration und der Fachkräftemangel bremsen Unternehmen aus. Hinzu kommt, dass das Einrichten neuer Services und Umgebungen oft Monate dauert. Dank Infrastruktur-Automatisierung lässt sich diese Herausforderung lösen.
(Bild: Red Hat)
Autor: Thomas Bludau
Thomas Bludau ist Head of Competence Center Infrastructure Automation bei der SVA GmbH. Das Unternehmen zählt zu den führenden System-Integratoren Deutschlands und beschäftigt mehr als 2.100 Mitarbeiter an über 25 Standorten.
(Bild: SVA)
Immer häufiger laufen Business und IT nicht synchron. Während in den Chefetagen neue Services und Produkte entworfen werden, kämpft die eigene IT noch damit, die täglichen Aufgaben bewältigen zu können. Zeit für neue Projekte fehlt. Und der Fachkräftemangel erschwert es zudem, dringend benötigte Experten einzustellen.
Viele Unternehmen suchen ihr Heil deswegen im Outsourcing ihrer IT oder durch den Einkauf von Managed Services. Dabei gibt es einen viel einfacheren Weg. Mittels Infrastruktur-Automatisierung lässt sich die eigene IT modernisieren und zugleich automatisieren.
Was bedeutet Infrastruktur-Automatisierung?
Das manuelle Einrichten und Bereitstellen einer IT-Umgebung ist bisher sehr mühevoll und fehleranfällig. Hinzukommt, dass Abläufe oft nicht richtig dokumentiert sind und somit für Kollegen schlecht nachvollziehbar werden. Wichtige Informationen über IT-Infrastrukturen fehlen oder sind veraltet.
Dank der Infrastruktur-Automatisierung werden zeitfressende Abläufe optimiert. Statt Tage oder Wochen auf eine IT-Umgebung zu warten, können neue Anforderungen auf Basis von definierten Vorgaben und Standards schneller bereitgestellt werden. Viele dieser Prozesse werden dabei standardisiert, sodass sie sich immer wieder auf die gleiche Weise abrufen lassen.
Warum ist Standardisierung so wichtig?
Standardisierte Prozesse werden immer wichtiger, denn das bedeutet, dass diese Abläufe erprobt wurden und somit zuverlässig funktionieren. Warum also auf eine individuelle Konfiguration setzen, wenn es hierfür bessere Ansätze gibt, die mit vorhandenen Lösungen umgesetzt werden können?
Für Unternehmen bedeutet Standardisierung deshalb Sicherheit und eine bessere Übersicht und somit auch eine schnellere Bereitstellung – und das in Zeiten komplexer werdender Infrastrukturen.
Welche Vorteile bietet Infrastruktur-Automatisierung?
Gerade durch die Digitalisierung haben Unternehmen erkannt, dass sich viele Prozesse effizient beschleunigen und somit optimieren lassen. Warum können immer wiederkehrende Aufgaben nicht einfach automatisiert und per Knopfdruck abrufbar werden?
Die Vorteile der Infrastruktur-Automatisierung:
Automatisierte Auslieferung von IT-Services, Anwendungen, Infrastrukturen, Containern, Software-Releases usw.
Enorme Zeitersparnis bei der Bereitstellung
Reproduzierbare Prozesse für wiederkehrende Aufgaben
Weniger Betriebskosten
Höhere IT-Sicherheit
Entlastung der eigenen IT-Mitarbeiter
Effiziente und weniger fehlerhafte Prozesse dank Standardisierung
Mehr Zeit für businessrelevante Projekte
Standardisierte Prozesse benötigen weniger Tests und Anpassungen
Services und Produkte können schneller realisiert werden
Richtlinienbasierte Governance
Orchestrierte Automatisierung für komplexe Umgebungen
Einfache Konfiguration dank Infrastructure as Code
Ein besonderer Vorteil: Da standardisierte Prozesse im Vorfeld ausgiebig erprobt wurden, lassen sich auch die späteren Tests schneller durchführen. Wie eine solche Automatisierungs-Plattform aussehen kann, möchten wir nachfolgend am Beispiel von Red Hat Ansible zeigen.
Beispiel: Infrastruktur-Automatisierung mit Red Hat Ansible
(Bild: Red Hat)
Neben zahlreichen weiteren Automatisierungs-Lösungen zählt Red Hat Ansible mittlerweile zu einer der verbreitetsen Lösungen im Markt. Ansible bietet zahlreiche Vorteile, wenn es um die nachhaltige Standardisierung und Automatisierung geht. So lässt sich beispielsweise die Orchestrierung und Konfiguration von Systemumgebungen einfach automatisieren. Red Hat Ansible führt verschiedene Tasks aus, die Teil von zusammenhängenden Vorgängen, den sogenannten „Playbooks“ sein können. Der Funktionsumfang ist zudem durch weitere Module und Plugins erweiterbar.
Die Verwaltung der Zielumgebungen erfolgt über verschiedene Methoden und ermöglicht neben dem Zugriff auf Linux Systeme auch die Konfiguration von Windows Instanzen, Hardware wie z. B Netzwerk-Switches und Cloud-Umgebungen. Noch mehr Übersichtlichkeit bietet das Aufteilen der Architektur in Module und Collections, die in die Lösung integriert oder über die Ansible Community zugänglich sind.
Die Red Hat Ansible Engine bietet ausreichend Funktionalität für einzelne Benutzer und ist für die Konfiguration einer Zielumgebung zuständig. Zusätzliche Enterprise-Funktionalitäten, etwa rollenbasierte Zugänge oder die Erstellung von Workflows, liefert Ansible Automation Platform (vormals Ansible Tower).
Die Ansible Automation Platform besteht aus fünf Modulen:
Ansible Engine: Das Herzstück von Ansible. Entwickler können hier Services, Apps und komplette Umgebungen bereitstellen und Prozesse automatisieren.
Automation Controller: Ein Frontend mit einer graphischen Benutzerschnittstelle, das die zentrale
Ausführung in Virtual Environments erlaubt sowie ein Berechtigungssystem und REST APIs integriert.
Content Collections: Eine Sammlung vordefinierter Inhalte zur besseren Verwaltung, Verteilung und Nutzung von Modulen, Rollen und Playbooks.
Automation Hub: Das zentrale Repository für zertifizierte Inhalte von Red Hat und Partnern.
Automation Analytics: Hiermit lassen sich Automatisierung-Prozesse verfolgen und analysieren.
Red Hat Ansible & SAP HANA
Auch beim Installationsprozess von SAP HANA ist Ansible eine deutliche Arbeitserleichterung. Das Tool automatisiert die Konfiguration des Betriebssystems ebenso wie die Installation und Konfiguration von SAP HANA Datenbanken einschließlich Validierung und kundenspezifischer Anpassungen. Um ein SAP HANA-System in Minuten aufzusetzen, können alle relevanten SAP-Notes über Ansible Rollen ausgeführt werden.
In vier Schritten zur erfolgreichen IT-Automatisierung
Wenn Sie von Infrastruktur-Automatisierung und standardisierten Prozessen profitieren möchten, sollten Sie ein paar Punkte beachten. Hier die wichtigsten vier Schritte:
1. Der Wissensaufbau: Administratoren und Teamleiter erhalten zuerst eine Einführung in die Themen Configuration Management und IaC (Infrastructure as a Code). Sie erfahren zudem, wie ihr IT-Partner sie dabei unterstützen kann.
2. Die Zusammenarbeit: Zuerst sollte ermittelt werden, welche agilen Methoden am besten zu dem geplanten Projekt passen. Anschließend geht es darum, die richtigen Tools zu wählen. Das technische Herzstück der Standardisierung, die Versionsverwaltung, steht dabei an erster Stelle. Mittels eines Best-Practice-Ansatzes werden dann die Standards für die Versionsverwaltung sowie weitere hilfreiche Erweiterungen für alle Teammitglieder bereitgestellt.
3. Die Implementierung: Es folgt der Aufbau einer Test- und Entwicklungsumgebung, um neue Services und Lösungen bereitstellen zu können. Auch die Einbindung wichtiger Sicherheitsfunktionen sollte dabei mitberücksichtigt werden. Anschließend folgt die Definierung von Standardprozessen.
4. Der Betrieb: Ist die Lösung neuer Services etabliert, kann sie in den Betrieb übergeben werden. Hierbei lassen sich die Anpassungen durch die standardisierten Prozesse einfach in die vorhandene Infrastruktur einbinden. Für höchste Qualität sorgen kontinuierliche Optimierung und Auditierung.
Fazit
Die Infrastruktur-Automatisierung wird künftig eine immer größere Rolle in IT-Abteilungen spielen. Dank Infrastructure as Code (IaC) lässt sich die gesamte Umgebung per Konfiguration abbilden und entsprechend steuern. Standardisierte Prozesse sorgen dafür, dass Updates, Migrationen oder Entwicklungsumgebungen per Klick in kürzester Zeit realisiert werden können. Dadurch wird es für Administratoren noch einfacher und schneller, neue Services oder Produkte bereitzustellen.
Automatisierungs-Plattformen wie Red Hat Ansible Automation Platform werden künftig die Basis für die Optimierung, Standardisierung und Automatisierung der IT-Infrastruktur bilden. Der Trend geht dabei klar in mehr Automatisierung, sodass sich Admins immer weniger um Bereitstellungs- und Wartungsaufgaben kümmern müssen, sondern sich den businessrelevanten Projekten zuwenden können.
Natürlich kann man nicht alles automatisieren. Aber Automatisierung bietet die Möglichkeit, komplexe Prozesse zu standardisieren, zu vereinfachen und zu beschleunigen. Durch den Fachkräftemangel und komplexen heterogenen IT-Landschaften stehen die IT-Abteilungen vor großen Herausforderungen. Die schnellere Bereitstellung und Kostenersparnis spricht für sich und ist für die Entwicklung neuer Services unerlässlich. Und davon profitiert die Geschäftsleitung genauso wie die IT-Abteilung. Eine Win-win-Situation.
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