Aktueller Channel Fokus:

Managed Services

Datenbank-Alternative für OpenFrame-Infrastrukturen

Der Oracle-Herausforderer aus Korea

| Autor: Wilfried Platten

TmaxSoft positioniert sich als unkomplizierte Oracle-Alternative.
TmaxSoft positioniert sich als unkomplizierte Oracle-Alternative. (Bild: alexkich - stock.adobe.com)

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Der Anspruch ist gewaltig: TmaxSoft fordert die ganz Großen der Software-Branche heraus. Aber auch die haben ja einmal ganz klein angefangen. Bei der Umsetzung setzt der DACH-Chef voll auf den Channel.

TmaxSoft will hoch hinaus: „Wir sind der Oracle-Killer“, so DACH-Chef Thomas Hellweg ganz unbescheiden, allerdings begleitet er diese martialische Bemerkung mit relativierendem Augenzwinkern. Denn aktuell besteht das DACH-Team gerade mal aus 4 (in Worten: vier) Mitarbeitern. Kein Wunder, denn es ist noch voll in der Startphase, soll aber bis Ende des Jahres personell weiter ausgebaut werden, denn: „Wir erwarten die ersten beiden Kundenverträge noch in diesem Monat abzuschließen“, so Hellweg. Die müssen natürlich angemessen betreut werden.

Auch die Channel-Infrastruktur ist auf Wachstum angelegt – auf sehr schmaler Basis: Momentan umfasst sie in Deutschland mit Comparex, IT & More und Legacy Ration ganze drei Systemhäuser und (noch) keinen Distributor. Bis Mitte 2018 sieht der Partner-Forecast 15 gut geschulte Reseller vor: „Mit den ersten potenziellen Partnern sind wir bereits im Gespräch. Wir sind vor allem interessiert an Systemhäusern, ISVs und Integratoren mit Modernisierungskompetenz. Gerade bei den ISVs dürfen es gerne auch jetzige Oracle-Partner sein.“

100 Prozent Channel

Ein fix und fertiges Partnerprogramm gehört nicht dazu: „Im aktuellen Stadium ist das noch nicht notwendig. Noch haben wir die Möglichkeit, uns mit den Partnern zusammenzusetzen und individuelle Business-Pläne zu schmieden. Aber es ist klar, dass das irgendwann nicht mehr geht und unsere Partnerlandschaft dann – hoffentlich – so groß ist, dass wir ein ausdifferenziertes Programm brauchen.“

Thomas Hellweg, DACH-Chef von TmaxSoft
Thomas Hellweg, DACH-Chef von TmaxSoft (Bild: TmaxSoft)

Hellweg ist im Channel-Business kein Neuling: Entsprechende Erfahrung sammelte er unter anderem bei IBM, Microsoft und sinnigerweise auch bei Oracle. Argumente für weitere Channel-Partner sind einerseits das Bekenntnis zum ausschließlich indirekten Vertrieb und andererseits das Produkt- und Lösungsportfolio. „Ich glaube an die Kraft des Channels. Deshalb sind wir einhundertprozentig Channel-orientiert“, beteuert er. Auch der ein oder andere Distributor soll die vakante Position des Mittlers und Multiplikators übernehmen.

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90 Prozent Kompatibilität

Kernstück des Angebots ist Tibero, ein Oracle-kompatibles relationales Datenbank Management System (RDBMS). Laut Hellweg sogar das kompatibelste der Welt: „Das haben uns unabhängige Experten bestätigt. Aktuell kommen wir bei der aktuellen Version 6 auf Kompatibilitätswerte von mehr als 90 Prozent. Bei reinem Data Warehousing sogar noch höher. Und unsere Programmierer arbeiten ständig daran, auch die letzten fehlenden Prozent entsprechend zu codieren.“ Anders als etwa die Informix-Datenbanken seligen Angedenkens will die TmaxSoft-Datenbank also nicht etwa besser sein als Oracle, sondern maximal kompatibel. Als Differenzierung und Umstiegsargument hat Hellweg einen anderen Köder im Köcher: Die Software-Lizensierung – so verspricht er – gleicht im Vergleich zum großen Konkurrenten keiner Doktorarbeit, sondern einer Grundschulaufgabe: „Der Kunde lizenziert nur das, was er tatsächlich braucht. Und auch in virtuellen Welten zahlt er nur für die Prozessoren, die adressiert werden.“

TmaxSoft-Kunden können unter drei Optionen wählen: Tibero Standard, Enterprise oder Active Cluster. Für die Lizenzierung gibt es lediglich zwei relevante Kennzahlen: die Anzahl tatsächlicher Datenbank-Anwender oder die Anzahl tatsächlich genutzter CPUs. Die einzigen Add-ons sind Wartung und Support-Dienstleistungen.

Gerade in diesem Punkt sei das Verhältnis zwischen Oracle und seinen Anwendern massiv gestört: „Schauen Sie sich nur die Unzufriedenheit an, wie sie von der DOAG (Deutsche Oracle-Anwendergruppe, Anm. d. Red.) formuliert wird“, so der TmaxSoft-Chef. Im Raum stehen massive Vorwürfe, speziell zu Lizenzierungsfragen bei virtuellen IT-Infrastrukturen, die zu teuren Nachlizenzierungen führen können. Auch die (mangelhafte) Support-Qualität steht unter heftigem Kritikfeuer. Am meisten aber stört die Anwendergruppen die mangelnde Dialogbereitschaft. Entsprechend verheerend fallen die Umfrage-Ergebnisse aus, die nicht nur von der DOAG, sondern unter anderem auch der European CIO Association unter den Mitgliedern bezüglich der Zufriedenheit mit dem Lieferanten aufgesetzt wurden.

Stefan Kinnen, Vorstandsvorsitzender der DOAG
Stefan Kinnen, Vorstandsvorsitzender der DOAG (Bild: DOAG)

Stefan Kinnen, Vorstandsvorsitzender der DOAG, äußerst sich aktuell eher moderat dazu: „Zu den lizenztechnischen Rahmenbedingungen seitens Oracle für virtuelle Umgebungen fordert die DOAG schon seit geraumer Zeit Anpassungen an die Situation der Anwender. In der Praxis werden heute Einzelfallregelungen getroffen, Migrationen ausgelassen oder aber Oracle-Technologie aus virtuellen Umgebungen getrennt. Wir werden den konstruktiv-kritischen Dialog mit dem neuen Region Manager Kenneth Johansen neu und mit mehr Nachdruck vorantreiben und hoffen auf positive Ankündigungen bei der anstehenden Oracle OpenWorld in San Francisco.“

Hellweg will die Gunst der Stunde nutzen, um Tibero als günstige, unkomplizierte Alternative zu etablieren. Als Einsatzszenario für Tibero sieht er neben klassischen Datenbank-Infrastrukturen explizit auch die Migration vom Mainframe auf OpenFrame-Umgebungen. „OpenFrame ist einfach ausgedrückt ein Software-definded Mainframe.“

30 Millionen Einsparung

Neben „Oracle-Killer“ also auch noch „Mainframe-Killer“? „Das wäre vermessen. Nach wie vor sprechen Legacy- und Sicherheitsaspekte für den Mainframe. Zwar sinkt die Zahl der Installationen, aber die MIPS-Zahl steigt. Doch viele Anwender können oder wollen sich die damit verbundenen Kosten nicht mehr leisten. Und viele wollen raus aus der Gängelung und der Fesselung an die Alt-Systeme. Das hat auch etwas mit der demografischen Entwicklung zu tun. Nachwuchs gibt es nicht. Wer soll denn in ein paar Jahren die Legacy-Programme betreuen und warten? Wir sprechen mit Unternehmen, bei denen noch 40 Jahre alte Assembler-Programme laufen, die niemand mehr warten kann. Viele Mainframe-Anwender haben jetzt schon Probleme damit und müssen Experten teuer aus der Rente zurückholen, damit die Produktion weiterläuft. Diese Entwicklung wird sich noch verschärfen.“

Nicht zu vergessen, auch die Kosten spielen eine Rolle: „Wir haben bei Unternehmen wie GE Capital oder McDonalds nur Teilapplikationen, kleine Anwendungen unter Tausend MIPS, migriert. GE Capital spart damit pro Jahr 30 Millionen Dollar.“ Mainframe-Anwendern eröffnet TmaxSoft dabei zwei alternative Migrationspfade: „Sie können den Mainframe sukzessive ersetzen, so wie wir das gerade bei einer großen Institution in Finnland tun, oder die auf ihm laufenden Workloads durch Verlagerung auf offene Systeme massiv reduzieren. Bei beiden Vorgehensweisen stehen am Ende des Tages Kostenreduzierungen auf der Habenseite.“

Für das vierte Quartal kündigt Hellweg die Vorstellung der Datenbank Version 7 an, die unter anderem über In-Memory-Funktionalität verfügen soll. Nur andeuten will er dagegen einen großen Coup, an dem die Muttergesellschaft in Korea gerade hinter verschlossenen Türen tüftelt: „TmaxSoft ist ein Technologie- und Ingenieurs-getriebenes Unternehmen, das sich große Aufgaben stellt. An einer arbeiten wir gerade, die auch wieder eine Alternative werden kann. Wenn es fertig wird, dann sprechen wir über eine echte Sensation.“

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