Direktvermarkter zieht sich zurück Dell gibt europäisches TV-Geschäft auf

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Direktvermarkter Dell folgt dem Beispiel von Fujitsu Siemens Computers und zieht sich aus dem TV-Geschäft zurück. »Aber nur in Europa«, wie eine Sprecherin gegenüber IT-BUSINESS betonte.

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In der Dell-Zentrale hat man das Projekt »europäisches TV-Geschäft« für beendet erklärt.
In der Dell-Zentrale hat man das Projekt »europäisches TV-Geschäft« für beendet erklärt.
( Archiv: Vogel Business Media )

Was den Endkunden freut, ärgert den Hersteller. Das Jahr 2006 war desaströs für die Hersteller von Flachbild-TV-Geräten. Die Preise fielen – Hand in Hand mit der Herstellermarge – in den Keller. Das schwierige Marktumfeld bewog nun auch Dell zu einer Rückzugsstrategie, wie eine Sprecherin auf Anfrage von IT-BUSINESS bestätigte. »Das gilt jedoch nur für den europäischen Markt«, hieß es weiter. In den USA sei das TV-Geschäft etablierter, während der Vertrieb auf dem europäischen Markt eher einen Versuch darstellte. Ein Versuch, der nicht glückte.

Als Ende März bekannt wurde, dass Fujitsu Siemens Computers diesem Segment den Rücken kehren wird, betonte CE-Chef Jörg Hartmann, dass man am Thema »Konvergenz« dennoch festhalte. Auch hier zeigt sich eine Parallele zum Direktvermarkter Dell, der ebenso weiterhin mit Home-PCs die Wohnzimmer erobern will. Um dies auf breiter Front umzusetzen, hat Dell vor einem Jahr den Hersteller Alienware gekauft, der hochpreisige Gamer-PCs in einem unverwechselbaren Design anbietet.

Die Gründe für den Preisverfall bei Flachbildfernsehern sind vielfältig. Während Retailer und Discounter zunehmend ihren Schrecken im Preiskampf verlieren, geht der größte Margendruck inzwischen von den eTailern aus. Besonders bedenklich ist hierbei das Vorgehen einzelner Schwarzer Schafe unter den Online-Händlern. Trotz vieler Insolvenzen tauchen immer wieder neue auf, die jenseits kaufmännischer Vernunft kalkulieren und beispielsweise keine Rückstellungen für Retouren bilden. Dafür senken sie mit »Schweinepreisen« im transparenten Online-Handelsplatz das Preisniveau ab. Seriöse Online-Händler wie Home of Hardware (HoH) können die sinkenden Handelsspannen jedoch Jahr für Jahr mit steigenden Umsätzen ausgleichen.

FSC steht vor selbem Problem

FSC-Deutschland-Chef Hans-Dieter Wysuwa nannte weitere Gründe im Gespräch mit IT-BUSINESS: Verschiedene Wettbewerber hätten den Markt 2006 regelrecht geflutet. Zum einen, weil es darum ging, nicht RoHS-konforme Produkte vor dem Stichtag 1. Juli abzuverkaufen; zum anderen weil die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland als Umsatzbringer überschätzt wurde. »Hier funktionieren die Marktmechanismen dann wieder«, sagte Wysuwa, »Steigendes Angebot bei einer überschätzten Nachfrage drückt die Preise in den Keller.«

Euronics-Vorstand nennt Zahlen

Auch Euronics-Vorstand Werner Winkelmann kennt die Problematik. Auf der Euronics-Jahresversammlung, die Ende März in Leipzig stattfand, taxierte er den Preisverfall von LCD-Fernsehern mit 32 Zoll auf 33 Prozent binnen Jahresfrist, bei 37-Zoll-Modellen waren es 24 Prozent. Ein 37-Zoll-TV sei inzwischen nur noch so teuer wie zehn Monate zuvor ein 32-Zoll-Fernseher, so Winkelmann (siehe Foto in der Bildergalerie).

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