Aktueller Channel Fokus:

Managed Services

Die größte IT-Messe der Welt im neuen Gewand

D!Conomy – Das wird die Cebit 2018

| Autor: Wilfried Platten

Aufforderung zur Amnesie?
Aufforderung zur Amnesie? (Bild: Deutsche Messe)

Für die größte IT-Messe der Welt brechen neue Zeiten an. Auch wenn die geplanten Änderungen bislang nur in Umrissen feststehen, so greifen sie doch drastisch in die DNA der Cebit ein.

Genau heute in einem Jahr, am 11. Juni 2018, soll eine runderneuerte Cebit ihre Pforten öffnen. Was hat sie im Laufe ihrer langen Historie nicht schon für Irrungen, Wirrungen und Wandlungen erlebt? Eine IT-Messe als Massenphänomen mit über 800.00 Gästen, ein kurzlebiges Consumer-Spinoff namens Cebit Home und zum Schluss eine pseudoelitäre B2B-Veranstaltung in bedrückend leeren Hallen. Gegenüber dem Besucher-Tsunami 2001 ließen sich am Ende nur noch knapp 200.000 IT-Interessierte an die Leine locken – weniger als ein Viertel. Das Murren auf den Ständen war nicht länger zu überhören. Ein langes Siechtum, das nach Konsequenzen lechzt.

Therapie & Diagnose

Also muss wieder einmal eine „neue Cebit“ her. Deren Züge zeichnen sich bislang nur in vagen Konturen ab. Ein „Innovationsfestival“ mit „Eventcharakter“ soll es werden, „für digitale Vordenker, für Entscheider – für jeden von uns.“ Soll damit suggeriert werden, dass wir alle digitale Vordenker und Entscheider sind? Als universales Kompliment vielleicht etwas zu dick aufgetragen.

Die Zielgruppen sollen breiter gefasst und gleichzeitig strenger separiert werden. Es wird wohl einen eigenen Pressetag an Anfang, und einen Publikumstag am Ende der Messe geben, mit Show, Spektakel und Konzerten. Dazwischen ist das Fachpublikum dran, mit Vorträgen, Konferenzen und Startup-Zone. Und alle sollen die Winterklamotten zuhause lassen dürfen, denn statt Ende März ist jetzt die zweite Juni-Woche als Treff-Termin geplant.

Die Frage ist: Welche Diagnose steht hinter diesem Plan? Antwort: Wir wissen es (noch) nicht. Aber aus den verkündeten Therapiemaßnahmen lassen sich einige Rückschlüsse darauf ziehen.

Erstens: Businessgrau ist offensichtlich nicht genug. Besucherzahlen jenseits der 200.000er Marke lassen sich damit nicht (mehr) erreichen.

3-er Pack

Diesseits aller Qualität-Argumentation (exzellentes Fachpublikum) ist schiere Größe, also der Quantitäts-Faktor, immer noch ein Erfolgskriterium im weltweiten Messe-Wettbewerb. Also her mit den in den letzten Jahren ausgeschlossenen „Sehleuten“!

Zweitens: Muffige Hallen sind kein adäquates Ambiente für Cloud Computing und Digitale Transformation. Für alte IT-Hasen mag das ja heimelig wirken, ein jüngeres Publikum ist damit nicht zu begeistern. Also raus auf die Fläche in die niedersächsische Sonne!

Drittens: Die zeitlich nahe Konkurrenz von CES (Consumer Electronics Show, Las Vegas) und MWC (Mobile World Congress, Barcelona) wird immer bedrohlicher. Also ab in den Juni!

Allerdings rechnet die Messe selbst in dem neuen Zuschnitt nur mit maximal 200.000 Besuchern. Rechnet man den Publikumstag ab, dann bleiben selbst im Idealfall weniger Fachbesucher übrig als 2017 – dem Jahr, das so „erfolgreich“ verlief, dass die drastischen Veränderungen noch während der Messe bekanntgegeben werden mussten, um die Aussteller bei Laune zu halten.

Dass die 200.00 Köpfe überhaupt erreicht werden, ist keineswegs sicher. Klar: no risk, no fun. Aber Fachtage plus Pressetag plus Publikumstag, das klingt verdächtig danach, wieder einmal „everybodies darling“ sein zu wollen. Nur diesmal halt nicht mit allen in einem großen Topf, sondern mit dedizierten Zeitscheiben. Die entscheidende Frage wird sein, ob die IT-Unternehmen dieses Konzept mittragen. Die Deutsche Messe scheint sich der Bedeutung der Antwort darauf bewusst zu sein. Und sie tut gut daran, denn Wohl und Wehe der immer noch größten IT-Messe der Welt hängt davon ab. Sie sucht offensichtlich den Draht zur Industrie, die das Innovationsfestival und den AG-Profit ja letztlich finanzieren soll. Die Zeiten bürokratisch-diktatorischer Gängelung der Aussteller sind endgültig vorbei. Die Vorzeichen haben sich geändert.

Ödes Motto

Ob allerdings so eine verschwurbelte Marketing-Ausgeburt wie „d!conomy“ der passende Aufhänger dafür ist, darf bezweifelt werden. „Hey, ich bin heute in Hannover bei einem Konzert auf der d-Ausrufezeichen-conomy“ klingt nicht so furchtbar hip. Da wären ja sogar spontane Einfälle wie Digimunity (aus Digital und Community), Trendsformation (aus Trends und Transformation) oder Trans4event (aus Transformation und Event) besser. Aber auch da sollte die Deutsche Messe vielleicht weniger auf teure Agenturen (oder kostenlose Vorschläge der Presse), als vielmehr auf das Zielpublikum hören.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44729550 / Events)