Vollumfängliche Vernetzung durch Internetknoten weltweit Datenverkehr: Er wächst und wächst und wächst …

Autor / Redakteur: Dr. Thomas King / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

In der Pandemie sind die Menschen stärker auf digitale Anwendungen angewiesen als je zuvor. An vorderster Front einer forcierten Digitalisierung stehen Internetknoten. Als Teil der kritischen Internet-Infrastruktur müssen sie Tausende Netzwerke reibungslos zusammenschalten.

Firmen zum Thema

Der Peak Traffic am DE-CIX Frankfurt ist im Jahr 2020 so stark angestiegen wie noch nie zuvor.
Der Peak Traffic am DE-CIX Frankfurt ist im Jahr 2020 so stark angestiegen wie noch nie zuvor.
(Bild: DE-CIX)

Streaming statt Kino, Homeoffice statt Arbeiten im Büro, Freunde treffen sich virtuell statt im Café: Dass Corona als ein Treiber der Digitalisierung fungiert, war schon früh zu erkennen. Bereits im März, kurz vor dem ersten Lockdown in Deutschland, ließ sich ein Rekordwert im Datendurchsatz von 9 TBit/s am DE-CIX in Frankfurt beobachten. Der Datenverkehr zeigte Steigerungen in allen Bereichen an, besonders aber bei Homeoffice- (z.B. durch Collaboration-Tools wie Teams, VPN-Nutzung oder Videokonferenzen) und Entertainment-Anwendungen (z.B. Online- und Cloud-Gaming oder Streaming). Anfang November folgte während des bundesweiten „Lockdown light“ mit 10 TBit/s der nächste Rekord.

Auch an anderen DE-CIX-Standorten weltweit – wie New York, Madrid, Mumbai oder Dubai – war ein Anstieg des Datenverkehrs deutlich spürbar. Nun ist das Virus mit seinen Konsequenzen, z.B. in Form einer veränderten Homeoffice- und Freizeitkultur, natürlich nicht die alleinige Komponente, die den Datenverkehr in die Höhe treibt. Neben dem tagesaktuellen Geschehen und dem saisonalen Einfluss, wie dem sogenannten Sommerloch, spielen der seit Jahren stattfindende Ausbau von Streamingdiensten sowie Cloud-Computing, mobiles Internet, Echtzeitkommunikation, Entwicklungen und Innovationen sowie die fortschreitende Automatisierung von Technologien (wie 5G, Internet of Things oder künstliche Intelligenz) entscheidende Rollen.

Mehr Daten auf weniger Raum

Der Datenverkehr wächst und die Nachfrage nach Bandbreite steigt. Internetknoten sind für diese Herausforderungen gut gewappnet: Einerseits können sie die Anschlüsse bestehender Kunden unmittelbar aufrüsten, beispielsweise durch ein Upgrade eines 10-Gigabit-Ethernet-Ports auf einen 100GE-Port. Zusätzlich lassen sich neue Netzwerke schnell anschließen, die von den Vorteilen des Peerings profitieren möchten, sprich: einer direkten Verbindung zu und zwischen verschiedenen Netzwerken über einen Internetknoten. Datenpakete gelangen auf diese Weise schnellstmöglich, sicher, kostengünstig und in vollem Umfang direkt an ihr Ziel.

Besonders gefragt ist Cloud Connectivity, um dedizierte Zugänge von Unternehmen zu Cloud-Service-Providern (z.B. Google Cloud, AWS oder Microsoft Azure) herstellen zu können – steigende Datenmengen und immer kritischer werdende Businessanwendungen erfordern diese dedizierten Verbindungen. Um all diesen Bedürfnissen permanent gerecht zu werden, müssen genügend Kapazitäten eingeplant sein: also „hamstern“ von Bandbreite im positiven Sinne, um es im Coronasprachgebrauch zu sagen. So können Internetknoten weltweit zu jeder Zeit eine vollumfängliche Vernetzung sicherstellen.

Um den stetig wachsenden Bandbreitenbedarf zu decken, setzen Internetknoten zudem auf innovative Zugangstechnologien wie 400GE-Ports. Der DE-CIX in Frankfurt beispielsweise konnte eine stark steigende Nachfrage danach feststellen. Durch den hohen Datendurchsatz, den ein solcher 400GE-Port bewältigen kann, ist nicht nur ausreichend Bandbreite garantiert. Da die physische Baugröße der Geräte dieselbe bleibt, führt die Technologie auch zu großen Materialeinsparungen gegenüber der Bereitstellung der gleichen Bandbreite mit mehr Ports von geringerem Datendurchsatz. Des Weiteren ist die Energieeffizienz ein positiver Aspekt, da mit höherem Datendurchsatz weniger Energie je Bit aufgewendet werden muss. In Zukunft wird es sogar 800GE-Ports geben – diese Entwicklung ist unerlässlich, um den Auswirkungen des digitalen Wandels zu begegnen, Wirtschaftswachstum zu unterstützen und die Umwelt dabei zu schonen.

Hoher Datenverkehr bedeutet wachsende Verantwortung

Dr. Thomas King.
Dr. Thomas King.
(Bild: DE-CIX)

Durch die gestiegene Nachfrage nach Interconnection, Peering, Cloud Connectivity und Co. ist es zwingend notwendig, dass alle involvierten Parteien auf den steigenden Datenverkehr eingestellt sind. Notwendig ist dabei auch der Blick über den Tellerrand hinaus: Nur durch ständiges Beobachten der Entwicklungen und extensives Vorausplanen ist es möglich, der Verantwortung gegenüber Partnern und Kunden, den Endnutzern sowie der Umwelt gerecht zu werden.

Über den Autor

Dr. Thomas King ist Chief Technology Officer bei DE-CIX.

(ID:47313333)