Interview mit Eric Ecker Dataflux bügelt SAP-Fehler aus

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Viele SAP-Nutzer gehen von der Prämisse aus: »Das System hat immer Recht«. Aber das stimmt nicht. Es ist keine Seltenheit, dass Firmenpost in die Postleitzahlengebiete »00000« oder »99999« wandert, oder wichtige Entscheidungen wegen zuviel eingegebener Nullen in die falsche Richtung gehen. IT-BUSINESS sprach mit Eric Ecker, der im Bereich Forschung und Entwicklung beim Datenreiniger Dataflux arbeitet.

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ITB: Dataflux bügelt Fehler in SAP-Daten aus. Wie kann man sich das vorstellen?

Ecker: Dataflux-Produkte lassen sich nahtlos in SAP integrieren, um Datenbereinigung in Echtzeit oder in gespeicherten Datensätzen vorzunehmen. Ein konkretes Beispiel ist die Online-Überprüfung, -Korrektur und -Standardisierung von Adressdaten in einem SAP-CRM-Modul, noch während der Eingabe. Darüber hinaus setzt Dataflux so genannte Fuzzy-Technologien für den Datenabgleich ein, um Duplikate zu finden. Dabei berücksichtigt Dataflux auch landesspezifische Regeln, beispielsweise beim Aufbau einer Adresse. Diese sind in einer zentralen Datenbank gespeichert, die alle Regeln für Datenqualität und Geschäftsabläufe enthält.

ITB: Wie würden sie die Datenqualität in deutschen SAP-Systemen denn beurteilen?

Ecker: SAP-Systeme verfügen über keinen Automatismus, um die Eintragung semantisch falscher oder widersprüchlicher Daten zu vermeiden. Ein gutes Beispiel sind Adressdaten. Bei der Dateneingabe überprüft ein SAP-System zwar, ob gewisse technische Bedingungen erfüllt sind. So kontrolliert es, ob die Postleitzahl aus fünf Ziffern besteht. Trotzdem lässt es falsche Postleitzahlen wie 00000 oder 99999 zu. Viele Kunden sind sich der Probleme mit der Qualität ihrer Daten nicht bewusst. Häufig werden diese erst in der ersten Phase des Dataflux-Einsatzes augenscheinlich, wenn die Daten analysiert und bewertet werden.

ITB: Wer sind ihre wichtigsten Wettbewerber auf dem deutschen Markt?

Ecker: Es ist schwierig, spezifische Wettbewerber für unseren speziellen Markt zu benennen. In Zukunft werden wir sicher Wettbewerb von IBM, Business Objects und ihresgleichen sehen.

ITB: Wo verbergen sich die häufigsten Fehler in den SAP-Systemen?

Ecker: Die kritischste Phase ist gleich die Einführung eines SAP-Systems. Im Migrationsprozess von Bestandssystemen muss die Datenqualität genau überwacht werden. Daten zu Kunden, Produkten und Lieferanten bilden schließlich die Grundlage des täglichen Geschäfts. Deshalb ist es wichtig, dass eine klare Strategie für die Erhaltung der Datenqualität und eine entsprechende Plattform eingesetzt werden, wenn ein neues SAP-System implementiert und konfiguriert wird. Weitere kritische Phasen sind die Eingabe neuer Daten durch Endanwender oder Techniker. Die häufigsten Fehler treten bei Einträgen frei wählbarer Texte auf, wenn diese nicht genau kontrolliert werden.

ITB: Prüft ihre Software auch, ob beispielsweise die angegebene Straße in der Kundenadresse überhaupt in der angegebenen Ortschaft vorkommt?

Ecker: Ja; es gehört zu den zentralen Dataflux-Funktionen, Adressdaten zu überprüfen und zu ergänzen. So werden Adressdaten – wie beispielsweise Straße, Stadt und Postleitzahl auf Konsistenz geprüft, korrigiert und letztlich standardisiert, wenn sie falsch sind. So erhalten Anwender korrekte und gültige Adressdaten. Dies ist ein Schlüssel für die erfolgreiche Kundenbetreuung, angefangen von der Lieferung des Produkts bis zur Rechnungsstellung. Ganze Marketing-Kampagnen können scheitern oder der Katalogversand erreicht seine Ziele nicht, weil Adressdaten falsch oder unvollständig sind.

ITB: Inwiefern nimmt die Dataflux-Lösung auch Plausibilitätsprüfungen vor – beispielsweise bei unglaubhaften Peaks beim Umsatz, wenn versehentlich ein paar Nullen zuviel eingetragen wurden?

Ecker: Dataflux nutzt Methoden zur Analyse, Kontrolle und Verbesserung der Datenqualität, die jeweiligen Prozesse beruhen auf den individuellen Anforderungen und Einstellungen der Kunden. Sie können die Regeln nach ihren Bedürfnissen in der Dataflux-Umgebung anlegen. Warnmeldungen informieren die zuständigen Nutzer in Echtzeit über Inkonsistenzen, Fehler oder mangelnde Plausibilität von Daten.

ITB: Haben Sie ein Beispiel parat, in dem unrichtige Unternehmensdaten zu falschen Entscheidungen im Unternehmen geführt haben?

Ecker: Laut einem Bericht von Manufacturing Computers Solutions hat der Konsumgüteranbieter Cadbury Schweppes bei einer SAP-Implementierung zwölf Millionen britische Pfund verloren. Die Vorratshaltung war außer Kontrolle geraten und das Unternehmen hat zu viele Vorräte angelegt. Insbesondere hat Cadbury Schweppes offenbar einen übergroßen Lagerbestand an Schokoriegeln aufgebaut.

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