Remote Toucheingabe Das Smartphone als Fernbedienung

Redakteur: Hendrik Härter

Fahrkartenautomaten auf Bahnhöfen oder die Kaffee- und Getränkeautomaten in der Kaffeeküche: Niemand möchte derzeit viel frequentierte Touchscreens bedienen. Aber warum sollte man die Geräte nicht über das eigene Smartphone fernsteuern?

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Den Automaten oder die Kaffeemaschine mit dem eigenen Smartphone bedienen; mit einer speziellen Software ist das möglich.
Den Automaten oder die Kaffeemaschine mit dem eigenen Smartphone bedienen; mit einer speziellen Software ist das möglich.
(Bild: Garz & Fricke)

Ein Touchscreen am Kaffee- oder Getränkeautomat im öffentlichen Raum oder in der Kaffeeküche eines Unternehmens, Kassenautomaten auf Parkplätzen und in Parkhäusern, Fahrkartenautomaten in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Bahnhöfen – in Pandemiezeiten ist ihre Bedienung nicht unkritisch. Oftmals sind die Oberflächen verschmutzt und verschmiert. Eine Möglichkeit wäre es, ein komplett anderes Bedienkonzept zu verwenden, das ohne den direkten Kontakt auskommt.

„Grundsätzlich geht es um die Möglichkeit, dass die Kunden ein Gerät bedienen können, ohne dass sie das eingebaute Touchdisplay berühren müssen“, erklärt Sven Ließ, Geschäftsführer des Applikationsentwicklers e-GITS, der seit 2019 Teil der Garz & Fricke Group ist. Statt Automaten über das integrierte Touchpanel zu bedienen, soll dies genauso gut über Smartphones erfolgen. „Im Endeffekt haben wir ein erweitertes Touchpad entwickelt“, erklärt Ließ.

Smartphone verbindet sich via QR-Code

Die entwickelte Software kann in Geräten mit Wi-Fi- oder einem Mobilfunk-Modul eingesetzt werden. Über Wi-Fi kann das Smartphone einen Kanal zum entsprechenden Automaten aufbauen. Wird eine Mobilfunk-Anbindung genutzt, dient die Cloud des Anbieters Garz & Fricke als Mittler zwischen Automat und Smartphone.

Die Kontaktaufnahme erfolgt über QR-Codes. Der QR-Code ist als Aufkleber direkt auf dem Automaten aufgebracht oder wird alternativ auf dessen Display angezeigt. Der Nutzer scannt den Code und wählt damit die zu bedienende Maschine aus. Die Installation einer App auf dem Gerät des Nutzers ist nicht erforderlich. Vielmehr wird ohne weitere Interaktion eine Verbindung zwischen Automaten und Smartphone aufgebaut.

Kommunikation über Webbrowser

Für die eigentliche Bedienung des Automaten wird eine sogenannte WebApp genutzt. Dabei wird eine spezielle grafische Benutzeroberfläche (GUI) im Webbrowser aufgerufen. In der einfachsten und universellen Variante zeigt sie nicht die Oberfläche des Automaten an, sondern registriert wie bei einem Touchpad vielmehr ausschließlich die Berührungen und leitet sie direkt an den Automaten weiter.

„Über diesen Steuerkanal werden die Eingaben vom Display des Smartphones auf das eigentliche Gerät übertragen“, erklärt Sven Ließ, „ohne den Touchscreen des Automaten berühren zu müssen.“ Dazu wird auf dem Smartphone des Nutzers im Webbrowser mehr oder weniger nur eine schwarze Fläche anzeigt, das Touchfeld für die Maschinen-Interaktion. Ein kleiner Pfeil beziehungsweise ein Hand-Symbol im Display des Automaten signalisieren dem Nutzer, wo der Zeiger auf dem zu bedienenden Gerät gerade steht.

Nun kann der Anwender die Schaltflächen ansteuern und anklicken. „Der Nutzer muss dabei nicht einmal auf sein Smartphone schauen“, erklärt Sven Ließ die Entwicklung, „vielmehr kann er sich auf den Bildschirm des Automaten konzentrieren.“

Sicherheit im Fokus

Für spezielle Kundenwünsche haben die Spezialisten zudem eine anpassbare Oberfläche entwickelt, die Mobilgeräte-gerecht den Bildschirminhalt des Automaten auf dem Smartphone abbildet. Die Inhalte des HMI bekommen dabei eine Entsprechung – beispielsweise einen beschrifteten Button – in der Weboberfläche auf das Smartphone. Klickt der Nutzer auf die Schaltfläche, entspricht das dem Druck der äquivalenten Schaltfläche des Automaten.

Bei der Entwicklung der Fern-Touchbedienung stand neben der Betriebssicherheit auch die IT-Sicherheit im Fokus. Durch Beschränkung auf nur jeweils eine aktive Verbindung in Kombination mit einmaligen Session-Keys, die für die jeweilige Benutzung erzeugt werden, lässt sich sicherstellen, dass nur das gerade angemeldete Endgerät den Automaten steuert. Zusätzlich sorgt eine Erkennung des abgeschlossenen Bedienvorgangs dafür, dass das eben noch aktive Smartphone wieder abgemeldet und die Anwendung für den nächsten Kontakt freigegeben wird.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf unserem Partnerportal Elektronikpraxis.

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