Rechtliches im Web Das Gesetz in Second Life

Autor / Redakteur: Jonbo Apfelbaum / Katrin Hofmann

Meine zweite Persönlichkeit hatte darüber gelesen und im Bekanntenkreis wurde darüber gesprochen. Nun wollte sie es wissen und hat mich, Jonbo Apfelbaum, geschaffen, um selbst dabei sein zu können. Dann schickte sie mich los, um Fragen zu stellen und diese rechtlich zu bewerten. Heute kümmern wir uns darum, welches Recht in Second Life gilt.

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Die virtuelle Parallelwelt lockt sowohl Flirtwillige als auch an Geschäften Interessierte an.
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( Archiv: Vogel Business Media )

Ich, Jonbo Apfelbaum, bin ein Avatar im Second Life. Ich bin neu dort. Als erstes habe ich laufen, fliegen und mich dort bewegen gelernt. Es geht inzwischen. Nun möchte mein zweites Ich wissen, wie die Welt dort rechtlich funktioniert. Das war ja zu erwarten.

Bevor die erste rechtliche Frage geklärt wird, wollte mein Alter Ego, so nennen Wissenschaftler mein zweites Ich, wissen, ob es auch Kollegen von ihm in Second Life gibt. Schnell ist in der Suche der Begriff »Rechtsanwalt« eingegeben. Es erscheinen mehrere Anwälte und Kanzleien, ebenso hat die deutsche Rechtsanwaltsvereinigung ihren Platz in Second Life.

Da taucht die Frage auf, wie die Rechtslage ist, wenn ich einen Anwalt in Second Life nach Rat frage und diesen bekomme. Wer ist sein Mandant? Mein Alter Ego oder ich, Jonbo Apfelbaum? Es gilt ja der gute alte Spruch: »Ohne Schuss kein Jus«, was soviel bedeutet wie »Ohne Vorschuss kein Recht«. Mal angenommen, der rechtliche Rat kostet Geld. Das heißt hier Linden Dollar. Wer ist denn Schuldner der Anwaltsleistung? Wohl der, der auch Mandant ist. Bin ich es? Was ist, wenn ich nicht zahle? Was ist, wenn der Rat falsch war? Wo verklage ich meinen Anwalt? War der überhaupt Anwalt? Welches Recht gilt eigentlich?

Recht bei Beratung

Mit vielen Fragen wende ich mich an mein Alter Ego. »Rechtsfreie Räume sind selten«, bekomme ich erklärt. Ein rechtsfreier Raum, in dem jeder tun und lassen kann, was er will, ist Second Life nicht. Da sind die Regeln und Nutzungsbedingungen des Betreibers Linden Lab. Außerdem gilt das in der realen Welt definierte Recht, nach den anerkannten Regeln. Es ist zu unterscheiden, ob ein Rechtsverhältnis der Teilnehmer untereinander oder ein Rechtverhältnis eines Besuchers von Second Life zum Betreiber (Linden Lab) berührt ist. Für die letzte Variante ist zu prüfen, ob Linden Lab wirksame Vorgaben in Form von Nutzungsbedingungen machen kann. Typisch juristisch, ich stelle mir die Frage, ob es denn keine klare Regel gibt. Was ist mit deutschem Recht?

Deutsches Recht, erfahre ich, lässt sich nur dann anwenden, wenn ein Vorgang in Second Life einen Bezug zu Deutschland hat oder ein in Deutschland Ansässiger, wie ein deutscher Anwalt, beteiligt ist. Ein Anhaltspunkt dafür kann die Sprache sein. So habe ich auf meinen Erkundungen festgestellt, dass es einige Locations gibt, die eine deutliche deutsche Prägung aufweisen. Ob dort dann wirklich deutsches Recht gilt, hängt vermutlich von weiteren Faktoren ab.

Bürgerinformationen im Web

Bei den Nachbarn im realen Leben, den Österreichern, habe ich auch etwas entdeckt. Sie hatten als erste eine offizielle Amtsstube in Second Life eröffnet. Die Bewohner der virtuellen Welt können sich im Austria House auf Austria Island über Tafeln Informationen zu für Bürger relevante Themen holen. Man kann sogar mit einer virtuellen Beamtin einen Termin ausmachen und um ein persönliches Beratungsgespräch bitten. Hier werden Antworten auf Fragen wie »Was brauche ich für meinen Führerschein« bis hin zur Einkommenssteuererklärung beantwortet. Sogar Formulare kann man hier herunterladen. Mein Alter Ego bat mich um einen Test, er wollte wissen, was er an Formularen braucht, wenn er nach Salzburg umziehen möchte. Ich habe Sizzi gefragt, alle Antworten kamen schnell und passten.

Ungeklärt ist aber noch die Ausgangs-frage, welches Recht in Second Life gilt. Mein Alter Ego antwortet ganz typisch anwaltlich: »Es kommt darauf an.«

Mein Alter Ego und ich gehen weiter auf Entdeckungsreise, wir klären etwa Fragen, wo die Steuer anfällt, wenn im Second Life Handel getrieben wird.

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