Fairphone verspricht – und kann es nicht immer halten. Für ein FP2 (gekauft im Oktober 2018) gab es schon 2020 keine Kameramodule mehr zu kaufen, im Frühjahr '21 wurden die Haupt-Module abgekündigt und im Sommer gab es kein Mikrofon-Modul mehr zum Nachkauf. Das Konzept der Nachhaltigkeit und Reparierbarkeit fällt angesichts der Fakten wie ein Kartenhaus in sich zu sammen. Ein FP3 zu kaufen wäre die Option gewesen – allerdings sind bei einer Nichtbenutzbarkeit des FP2 aufgrund des Mikrofon-Moduls (bis zu) acht Wochen Lieferzeit nicht akzeptabel. Im nahegelegenen Elektronikmarkt gibt es Mitnahmeprodukte ohne Lieferzeit vom Markenhersteller um 149 Euro – und mit besserer Kamera, stabilerem WiFi, besserer Antenne (für den spezifischen Provider), mehr Speicher, einem Schlitten für die Simkarten (bei einem Wechsel muss der Nutzer das Handy nicht mehr ausschalten) und mit einer besseren Sprach-Qualität ... ok, im direkten Vergleich des 2018er-FP2 mit einem Produkt, das nur gut ein Drittel kostet, aber auch erst 2020 Marktpremiere hatte. Die Sprachqualität wäre sicherlich etwas für einen objektiven Test im Labor. Genau wie Netzempfang, Kamera und Displayqualität u.a. sicherlich etwas wären, wo das FP seine Qualitäten im Praxistest zeigen könnte. Die Verpackung beim Mitnahmeartikel besteht aus einer farbig-schick bedruckten Pappfaltschachtel, die – wie auch die FP-Verpackung – dem Recycling zugeführt werden kann. Kurzum: das Lieferversprechen und die lange Lebensdauer des Produkts gelten augenscheinlich ab Produktankündigung und nicht ab Kaufdatum; das FP2 von 2018 verrottet nun in einer Schublade und harrt des Umzugs in einen Recyclingcontainer, weil es sich entgegen dem Marketingversprechen schon drei Jahre nach dem Kauf nicht mehr reparieren oder upgraden lässt. Damit erhält das Fairphone, speziell das Fairphone 2, im Praxistest vier von fünf Sternen für das Erfüllen grundlegender Smartphone-Funktionen sowie für erstklassiges Marketing und die optimale Ausschöpfung der aktuellen Hypes. Einen Stern Abzug gibt es für die Nichtreparierbarkeit durch den Anwender, womit auch der beigelegte Schraubendreher für viele unnütz sein dürfte. Bleibt also abzuwarten, wie sich das FP4 in einem Praxistest schlagen wird.