IT-Cloud-Index Mittelstand Q4/2012 von techconsult und HP Deutschland Cloud-Einsatzgrad hat sich binnen eines Jahres nahezu verdoppelt

Autor / Redakteur: Verena Bunk, Analystin bei techconsult / Florian Karlstetter

Der Cloud-Einsatzgrad hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt, zu diesem Ergebnis kommt der von Techconsult und HP Deutschland präsentierte IT-Cloud-Index für das vierte Quartal 2012. Folgt man der Langzeituntersuchung, dominiert zwar nach wie vor Software-as-a-Service (SaaS) innerhalb der Cloud-Dienste, deutlich zugelegt hat aber auch die Nachfrage nach Infrastruktur-Diensten (IaaS).

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Der Cloud-Einsatzgrad hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt, so der aktuelle IT-Cloud-Index von Techconsult und HP Deutschland.
Der Cloud-Einsatzgrad hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt, so der aktuelle IT-Cloud-Index von Techconsult und HP Deutschland.
(Bild: 2012 techconsult GmbH)

Weitere Erkenntnis des aktuellen Cloud-Index ist, dass sich die Cloud-Thematik zunehmend im Mittelstand manifestiert - so hat sich fast jedes zweite Unternehmen bereits intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt; jedes fünfte Unternehmen hat bereits Cloud-Lösungen aktiv im Einsatz.

Innerhalb der Cloud-Dienste wird dem Software-as-a-Service-Modell (SaaS) weiter die bedeutendste Rolle zugesprochen. So setzen 15 Prozent der mittelständischen Unternehmen entsprechende Produkte ein. Die Steigerungsraten über die letzten Quartale zeigen sich indes sehr konstant, wenn auch auf einem immer noch ausbaufähigem Niveau. Dagegen steigt der Bedarf an Infrastrukturleistungen im Rahmen des as-a-Service-Modells seit dem zweiten Quartal deutlich an.

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Was die SaaS-Angebote betrifft, stehen die klassischen, horizontal einsetzbaren Software-Lösungen im Fokus des Interesses. So baut der Mittelstand neben den Office- und CRM-Lösungen vor allem auf E-Mail- und Collaboration-Dienste.

Die Nachfragesteigerung für Cloud-Infrastrukturleistungen liegt gegenüber dem Vorquartal bei drei Prozentpunkten. Inwieweit hier saisonale Aspekte eine Rolle spielen, wird das vierte Quartal dieses Jahres zeigen. Den Prognosen der Befragten zufolge dürfte jedoch der positive Trend anhalten. Damit gilt es für den Mittelstand nicht nur die kurzfristige Auslastung von Kapazitätsspitzen sicherzustellen, sondern auch langfristig in das IaaS-Modell einzusteigen. Die Treiber waren in erster Linie der Bedarf an Server- und Speicherkapazitäten.

Der anhaltende Trend ist auch Indiz dafür, dass die mittelständischen Unternehmen zunehmend Vertrauen in die IaaS-Cloud entwickeln und sie als adäquate Option sehen, ihren Bedarf an Infrastruktur-Ressourcen kostenoptimal zu decken. „Diesen Trend sehen wir auch in der Praxis. Haben mittelständische Unternehmen bislang vor allem standardisierte Dienste aus der Cloud genutzt, werden diese zunehmend um Infrastruktur-Services für unternehmensspezielle Anwendungen ergänzt“ so Philipp Stute, Geschäftsbereichsleiter IT-Services bei der Janz IT.

Plattform-as-a-Service Angebote konnten sich im Jahresverlauf ebenfalls als ein konstant nachgefragter Service entwickeln, wenn auch mit noch verhaltenen Wachstumsraten. Vornehmlich tragen die Datenbanken als Service auf der Anwendungs-Infrastrukturebene zu dem aktuellen Einsatzgrad von sechs Prozent bei, der sich um einen Prozentpunkt im Vergleich zum Vorquartal erhöht hat.

Cloud-Computing – für fast jedes zweite Unternehmen ein Thema

Das Thema Cloud-Computing manifestiert sich im Mittelstand. Mittlerweile hat sich fast jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) mit Cloud-Computing sehr intensiv bzw. intensiv auseinandergesetzt. Weitere 30 Prozent haben sich zumindest grundsätzlich schon einmal mit der Thematik beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich allein der Anteil derjenigen verdoppelt, die sich sehr intensiv mit Cloud-Lösungen beschäftigt haben.

„Der Grad der Auseinandersetzung ist ein erster Schritt und Wegbreiter für den Cloud-Einsatz und signalisiert das zukünftige Einsatzpotential. Je stärker sich die Unternehmen mit dem Angebotsspektrum des Cloud-Computings und dessen Möglichkeiten auseinandersetzen bzw. vertraut machen, umso mehr werden Informationsdefizite abgebaut und Vorteile wie Prozessattraktivität und finanzielle Attraktivität sichtbar”, so Verena Bunk, Analystin beim durchführenden Marktforschungsinstitut techconsult.

Nur jedes fünfte Unternehmen hat sich bislang gar nicht mit der Thematik auseinandergesetzt. Hier ist davon auszugehen, dass sich diese Unternehmen zum einen skeptisch gegenüber einem grundlegenden Eingriff in die Strukturen der bestehenden und laufenden IT-Infrastruktur zeigen. Zum anderen spielt das Thema Virtualisierung in diesen, zum Teil auch kleineren Unternehmen, nach wie vor eine weniger stark ausgeprägte Rolle.

Zu berücksichtigen ist auch, dass auf Grund des operativen Alltagsgeschäftes häufig Ressourcen fehlen, sich Zeit zu nehmen und sich über neue Technologien zu informieren und sich damit auseinanderzusetzen. Insbesondere in kleineren mittelständischen Unternehmen wird in erster Linie die Nutzung von Cloud-Computing aus der Geschäftsleitung (50 Prozent) heraus angeregt.

Cloud-Computing dringt in die Chefetagen vor

Treiber für Cloud-Computing ist meist die unternehmenseigene IT, oftmals auch in Abstimmung mit der Fachabteilung. In erster Linie kommt der Impuls für den Einsatz von Cloud-Computing daher vom IT-Verantwortlichen des Unternehmens (72 Prozent). Diese drängen darauf, ihre IT-Kapazitäten zu flexibilisieren und von den Vorteilen des Cloud-Computings zu profitieren. Das wird möglich durch den kostengünstigen Bezug von Speicherkapazitäten, Software oder Rechenleistungen aus der „Wolke“.

14 Prozent der Befragten gaben an, dass Cloud-Computing von der Geschäftsleitung angestoßen werde. Dies sind vor allem überdurchschnittlich viele kleinere mittelständische Unternehmen. Noch im Herbst 2011 waren es gerade neun Prozent. Hier wird deutlich, dass das Thema mehr als noch vor einem Jahr auch in die Chefetagen gelangt ist. Aktuell spielen Fachabteilungen eine weniger relevante Rolle, nur acht Prozent der Befragten gaben an, dass der Cloud-Einsatz ausschließlich aus der Fachabteilung heraus angeregt wurde.

Zunehmende Bedeutung der Public-Cloud im Mittelstand wird bestätigt

Anwender geben auch im dritten Quartal der Private-Cloud grundsätzlich den Vorzug. Hier verbleibt die IT im Haus bzw. wird beim Dienstleister in einer dedizierten Umgebung betrieben. Immerhin zieht mit 46 Prozent der aktuellen Cloud-Nutzer fast jeder Zweite dieses Modell der Public- und der Hybrid-Cloud vor. Dennoch wurde der Public-Cloud über die letzten Quartale die zunehmend höhere Akzeptanz erneut bestätigt. Jedes dritte Unternehmen kann sich mit diesem Modell anfreunden. Eine ähnliche Kontinuität ist in der Bewertung der hybriden Form festzustellen, die jeder Fünfte als adäquate Lösung bestätigt.

„Der Mittelstand ist deutlich informierter als noch vor einem Jahr. IT-Verantwortliche gehen die Auswahl der Bereitstellungsform offener an und überlegen bewusst, welche Cloud-Bezugsstrategie zu den angedachten Lösungen bzw. Services am besten passt. Wir werden mit unseren Partnern weiter daran arbeiten, den Verantwortlichen die notwendigen Entscheidungsparameter passgenau zur Verfügung zu stellen, um ihnen im Rahmen der Cloud-Entscheidung ein sicheres Gefühl zu geben”, ergänzt Uli Seibold von HP, Geschäftsbereichsleiter Vertriebspartnerorganisation Enterprise Group Deutschland.

Im Durchschnitt hatte von den Cloud-Usern im dritten Quartal jedes zweite Unternehmen Dienste aus der Private-Cloud bezogen. Hierbei wurden vor allem PaaS- und IaaS-Angebote in Anspruch genommen. Was SaaS-Dienste betrifft, so werden diese zwar noch immer mehrheitlich aus der Private-Cloud bezogen. Allerdings ist hier im Verlauf des letzten Jahres eine deutliche Tendenz zu Lösungen aus der Public-Cloud zu verzeichnen, deren Nutzung im Vergleich zum dritten Quartal 2011 um zehn Prozent zulegte.

Im Jahresvergleich konnte die Hybrid-Cloud um zwei Prozent zulegen. Durch die Parallel-Nutzung von Private- und Public-Cloud werden die eigenen Ressourcen mit den Vorteilen der Public-Cloud kombiniert und stellen so eine ideale Ergänzung zu eigenen Private-Cloud-Ressourcen dar. Bei Engpässen können skalierbare Public-Cloud-Dienste ergänzt werden, ohne im Regelbetrieb ungenutzte Infrastruktur bereithalten zu müssen. Virtualisierung als Grundstein für hybride Cloud-Lösungen ist in vielen Unternehmen zwar gegeben, die Herausforderung ist jedoch, einen geeigneten Dienstleister bzw. Cloud-Anbieter zu finden, mit dessen Lösungen die unternehmenseigene Infrastruktur kompatibel ist.

Cloud-User-Check

Auf Basis der aktuellen Ergebnisse stellen techconsult und HP ein Self-Check-System zur Verfügung. Sowohl für erfahrene Cloud-Nutzer als auch Neulinge bietet das Online-Tool eine attraktive Möglichkeit, die eigene Cloud-Position mit der vergleichbarer Unternehmen ihrer Branche und Größenklasse zu benchmarken. Neben dem Cloud-Einsatzgrad gibt das webbasierte Tool Antworten auf Fragen nach der Cloud-Fitness und der Nutzenbewertung von Cloud-Computing. Die Teilnahme ist kostenlos und steht jedem mittelständischen Anwenderunternehmen zur Verfügung.

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