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Wettlauf zwischen China und DACH

Chinesen denken digitaler

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

In der DACH-Region halten rund 83 Prozent der Befragten die IT-Infrastruktur für entscheidend oder wichtig für den digitalen Veränderungsprozess, in China sind es dagegen fast 98 Prozent.
In der DACH-Region halten rund 83 Prozent der Befragten die IT-Infrastruktur für entscheidend oder wichtig für den digitalen Veränderungsprozess, in China sind es dagegen fast 98 Prozent. (Bild: gemeinfrei© DanishMiki / Pixabay)

Wie wichtig ist die Digitalisierung für den Erfolg eines Unternehmens? Bei der Beantwortung dieser Frage tut sich eine Kluft zwischen China und der DACH-Region auf, wie eine Umfrage von Techconsult zeigt.

In der DACH-Region halten rund 83 Prozent der Befragten die IT-Infrastruktur für entscheidend oder wichtig für den digitalen Veränderungsprozess, in China sind es dagegen fast 98 Prozent. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie, die die Marktforscher von Techconsult im Auftrag von Dätwyler Cabling Solutions in DACH und in China durchgeführt haben. Die Befragung erfolgte branchenübergreifend von Dezember 2019 bis Januar 2020 bei Führungskräften in mittelständischen Unternehmen.

Rechenzentren vs. Multi Cloud

In der Dätwyler-Studie wurde zunächst der Status der aktuellen IT-Infrastruktur der mittelständischen Unternehmen analysiert. Dieser zeigt: Das Fundament einer soliden Infrastruktur für die Digitalisierung ist zumindest in DACH noch das klassische Rechenzentrum. Es ist die am häufigsten installierte IT-Infrastruktur. Cloud-Modelle finden sich eher in größeren mittelständischen Unternehmen, dort werden sie aber auch mehrfach genutzt. In China wird signifikant häufiger auf Cloud-Leistungen wie Infrastructure-as-a-Service (IaaS) beziehungsweise Platform-as-a-Service (PaaS) zurückgegriffen.

Insgesamt zeigt sich in beiden Regionen ein hohes Investitionsniveau in die IT-Infrastruktur – in den kommenden zwölf Monaten und darüber hinaus. In DACH planen 81 Prozent der Unternehmen binnen eines Jahres, in ihre IT-Infrastruktur zu investieren. In die Cloud wollen in den deutschsprachigen Ländern insgesamt 54 Prozent der Unternehmen investieren, in Rechenzentren knapp 53 Prozent der Befragten. Das zeigt eine leichte Tendenz in Richtung Cloud-Computing.

In China liegt die Anzahl der Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur modernisieren möchten, sogar bei 99 Prozent. 64 Prozent investieren in diesem Jahr in Datacenter, gefolgt von IaaS (56 %) und hybriden Cloud-Modellen (48 %). „Die Zahlen legen die Verknüpfung von Cloud-Konzepten mit der Datenverarbeitung im eigenen Rechenzentrum nahe“, so Xubing Xia, Geschäftsführer von Dätwyler Cabling Solutions in China.

Digitalisierung verändert Geschäftsmodelle

Generell erwarten die Unternehmen starke strategische Umwälzungen durch die Digitalisierung. Mehr als die Hälfte der Führungskräfte in DACH (55 %) sehen eine Veränderung des Geschäftsmodells als notwendig an: „Das ist ein unerwartetes Ergebnis, da DACH-Länder eher für Nachhaltigkeit als für Wandlungsfähigkeit und übergroße Innovationsfreude stehen. Wenn tatsächlich die Hälfte aller Unternehmen ein neues digitales Konzept einführt, gleicht das Ergebnis einem Erdrutsch“, so Johannes Müller, Chief Executive Officer (CEO) von Dätwyler Cabling Solutions. In der DACH-Region wollten die meisten Unternehmen Cloud- und Infrastruktur-Services an externe Anbieter outsourcen (49 %) oder ins Plattformgeschäft einsteigen (47 %).

Die mit der Digitalisierung einhergehende strategische Veränderung von Geschäftsmodellen wird in China offensiver gelebt. Dort sehen 80 Prozent der Unternehmen eine notwendige Veränderung gegenüber 55 Prozent in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insbesondere für die chinesischen Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitenden ist dieser strategische Wandel unerlässlich (zwischen 85 % und 87 % Zustimmung). 64 Prozent der chinesischen Unternehmen wollen ihre Produkte und Services über eine Plattform anbieten, 63 Prozent Cloud-Services von externen Anbietern einkaufen (Cloud- und Service-Orchestrierung).

5G, Edge, Security und Mobile

5G-Anwendungen werden unterschiedlich häufig eingesetzt: In DACH ist 5G zwar schon sichtbar (10 %). Anwendungen wie Campus-Netze sind zumeist noch in der Planung (33 %). In China arbeiten aktuell bereits 15 Prozent der Unternehmen mit Campus-Netzwerken, 52 Prozent planen die Nutzung von 5G-Applikationen in den kommenden Jahren.

Auch Edge-Computing hat ein großes Potenzial. Noch spielt es für die IT-Infrastruktur eine verhältnismäßig geringe Rolle (22 % China, 20 % DACH). Dennoch steht die Technologie deutlich auf der Ausgabenagenda vieler Befragter. In DACH gaben 47 Prozent und in China 65 Prozent die Datenverarbeitung „am Rand des Netzwerks“ als Investitionsbereich für die kommenden Jahre an.

Und auf die Frage, in welchen Bereichen die Unternehmen aktuell Digitalisierungsprojekte umsetzen, gaben die Befragten in DACH an, dass sie Sicherheitsrichtlinien (42 %) implementieren oder mobile Lösungen (42 %) einrichten. In China setzen 43 Prozent auf Security-Projekte und 42 Prozent auf mobile Lösungen. Im Laufe dieses Jahres stehen dann in DACH die Bereiche Smarte Produkte mit 39 Prozent und Künstliche Intelligenz (KI) mit 38 Prozent an erster Stelle. China plant 2020 mit jeweils 46 Prozent Internet-of-Things- (IoT) und KI-Projekte.

Größte Herausforderung: die Kunden

Als größte Herausforderung der digitalen Veränderung nannten die Befragten weder Infrastruktur noch Kosten, vielmehr sind es die steigenden Kundenanforderungen (63 % China, 48 % DACH) und die zunehmende Datenflut (51 % China, 50 % DACH), die die Unternehmen zwingen, bei der Digitalen Transformation Tempo aufzunehmen.

Johannes Müller, Chief Executive Officer (CEO) von Dätwyler Cabling Solutions
Johannes Müller, Chief Executive Officer (CEO) von Dätwyler Cabling Solutions (Bild: Dätwyler Cabling Solutions)

Für eine verlässliche, nachhaltige und skalierbare Infrastruktur – das Fundament der Digitalisierung – sehen die Unternehmen vorrangig folgende Herausforderungen: Servicequalität, Performance und Verfügbarkeit. Diese Punkte werden in DACH mit 47 Prozent als sehr wichtig und 41 Prozent als wichtig bewertet. In China scheint der Fachkräftemangel ausgeprägter als in DACH, denn hier wird die Besetzung von Stellen als Top-Herausforderung gesehen (44 % sehr wichtig/48 % wichtig). Als größte Stolpersteine für den Erfolg von Digitalisierungsprojekten fasst Müller zusammen: „Die Technologien entsprechen an vielen Stellen noch nicht den Kundenanforderungen, den Mitarbeitern fehlt oft noch das entsprechende Know-how, oder es gibt Sicherheitsbedenken. Die aktuelle Corona-Krise macht deutlich, dass es jetzt gilt, diese Schwachpunkte schnellstens zu beheben.“

Methodik

Die Untersuchung wurde vor der Corona-Pandemie durchgeführt. Von Dezember 2019 bis Januar 2020 hat das Marktforschungsunternehmen Techconsult jeweils 200 Führungskräfte (Geschäftsführer, CIOs, IT-Manager, Abteilungsleiter) mittelständischer Unternehmen in den Regionen DACH und China nach der aktuellen und geplanten IT-Infrastrukturbasis, ihrer Digitalisierungsstrategie (Investitionsbereitschaft, anstehende Digitalisierungsprojekte, präferierte neue digitale Geschäftsmodelle) sowie den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung befragt.

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