Aktueller Channel Fokus:

Digital Imaging

Sensationsmeldung aus Niedersachsen!

Cebit feiert glanzvolle Auferstehung

| Autor: Wilfried Platten

Der Himmel über Hannover feiert das Cebit-Comeback.
Der Himmel über Hannover feiert das Cebit-Comeback. (Bild: nd3000 - stock.adobe.com)

Sie galt als klinisch tot und sollte als mitleidig belächelter Nostalgie-Faktor und Rudimentär-Statist der Hannover Messe ihr Gnadenbrot fristen. Aber Pustekuchen, aktuell erlebt die Cebit ihren x-ten Frühling. Und das fristgerecht am 1. April.

Es ist die Messe-Sensation schlechthin und gleichzeitig das Comeback des Jahres. Der Coup, die Cebit unter dem Deckmantel der HMI wiederauferstehen zu lassen, ist glänzend aufgegangen: „Vielen Ausstellern war ja gar nicht klar, dass sie die Cebit buchen“, grinst Messechef Otto Orter. Ein entsprechender Hinweis findet sich im Kleingedruckten erst auf Seite 14. „Ich frage mich nur, wo die ganzen Menschenmassen herkommen, wo wir alles doch so perfekt unter dem Siegel der Verschwiegenheit vorbereitet haben.“

Diese Geheimhaltungskompetenz scheint BND-Qualität zu haben, denn schon am heutigen ersten Tag wurde die magische Grenze von 100.000 Besuchern überschritten. Hochgerechnet auf die angesetzten 14 Tage könnte die Gesamtbesucherzahl damit bei 1,4 Millionen landen, ein noch nie dagewesener Rekordwert. Aussteller überboten sich bereits in Lobeshymnen und der Umfang der auf dem Messegelände abgeschlossenen Verträge knackte schon um 14 Uhr die 1,4-Milliarden-Euro-Marke. „Unsere Mitglieder sind außer sich vor Begeisterung“, wird Bitkom-Chef Achim Tal zitiert. „Wenn das so weiter geht, können wir die fehlenden Fachkräfte zur Abarbeitung der vereinbarten Projekte in 14-karätigem Gold aufwiegen.“

In den Straßen und Gassen von Hannover war dementsprechend die Hölle los: Aufgrund der hoffnungslos verstopften Zufahrtswege trat die Taxi-Gewerkschaft in einen unbefristeten Streik bis 14 Uhr und erwägt eine Klage gegen den Messeerfolg wegen Geschäftsschädigung. Überfüllte Busse, Bahnen und Trams standen bei 14 Grad Außentemperatur stundenlang in der prallen niedersächsischen Frühjahrssonne. Um dem Andrang Herr zu werden, wurde die örtliche Reiterstaffel der Polizei zum Besuchertransport verdonnert. Dromedare aus dem Zoo Hannover konnten mit einer Extra-Ration Grünfutter als ÖPV-Vehikel (Öffentlicher Personennahverkehr) gewonnen werden. Kleintransporte werden freiwillig von Zoo-müden Kängurus erledigt.

Um dem avantgardistisch-disruptiv-futuristisch-transformativen Anspruch der Messe gerecht zu werden, wurden erstmals autonomobile Flug-Taxis eingesetzt. Aufgrund eines Software-Fehlers in der prüfstandsensitiven Abschalteinrichtung landeten die Audi-Prototypen allerdings geschlossen in der Messestraße des Dorfes Harsum nahe dem Flugplatz Hildesheim. Verdutzte Anwohner kümmerten sich um die verzweifelten Versuchskaninchen spontan mit Kaffee, Kuchen, Herztabletten und Rückenmassagen.

Hannover 96 muss helfen

Der Besucherrekord wurde übrigens erzielt trotz (oder wegen) des Zutrittsverbots für Schulklassen und Rentner. In den langen Schlangen vor den Eingängen patrouillierten üblicherweise bei den Heimspielen von Abstiegskandidat Hannover 96 tätige Ordner, die entsprechende Einlasskontrollen und Leibesvisitationen vornahmen. Die 14-jährige Sarah A. aus Laatzen erlitt dabei einen Weinkrampf und musste notärztlich versorgt werden. Erst nachträglich stellte sich heraus, dass sie das Messegelände wegen der anstehenden Menschenmassen versehentlich für einen Apple-Store gehalten hatte.

Die Hannoversche Hotellerie ist im Ausnahmezustand: Auf spontan eingerichteten Online-Zimmerbörsen stiegen die Preise innerhalb von zwei Stunden um 1.400 Prozent. Trotzdem kam es zu vereinzelten Handgreiflichkeiten beim Einchecken, als plump gefälschte Reservierungsbelege vorgelegt wurden. Private Haushalte räumten die letzten Kellerverschläge, um dort komplette Marketing-Abteilungen unterzubringen. Auf der Zellerstraße okkupierte eine japanische Wirtschaftsdelegation zum Übernachten eine Telefonzelle und die Ufer des Maschsees wurden zum gebührenfreien Campingplatz deklariert. Eine kurzfristig eingerichtete Duschzeile musste nach vierzehn Minuten wegen Überfüllung wieder geschlossen werden. Zelte, Decken und Kochgeschirr sind im Umkreis von 140 Kilometern ausverkauft, Amazon verlegt gerade Zulieferkapazitäten aus dem Rhein/Main-Gebiet nach Norden.

They ever come back

Der re-inthronisierte Cebit-Chef Oliver Fresenberg kann sein Glück kaum fassen. Er wird kolportiert mit den Worten: „Der Verlauf der Geschichte zeigt wieder einmal, dass die Durchsetzung von Träumen mit der Zähigkeit des Festhaltens an ihnen korreliert. Wer zu früh aufgibt, kommt selten genug zu spät.“ Andere Quellen berichten von Freudentänzen und Korkenknallen im Vorstandsbüro. Sein Rollkragen verdeckt nur unvollständig die blauen Flecken am Hals, die die stürmisch-spontane Dankbarkeitsgeste einer finnischen Marketing-Direktorin dort hinterlassen hat: „Ich bin ja heilfroh, dass es keine Knutschflecken geworden sind“, gesteht er errötend, um versonnen anzumerken: „Viel hat ja nicht gefehlt…“

Aus Sicht des Channels trauert Ole-Louis Colder, Chef der mächtigen Systemhaus-Holding BeCaCo, dem verblichenen Planet Reseller keine Träne nach: „Das war vielleicht einmal sinnvoll, als es noch mehr als 14 namhafte Systemhäuser in Deutschland gab. Aber diesen Unfug haben wir ja Gott sei Dank bereinigt.“

Für das Highlight der glorreich wiederauferstanden Veranstaltung ist ausgerechnet IBM verantwortlich. Der einstige IT-Gigant präsentierte in seiner weitläufigen Penthouse-Suite auf dem Dach der prunkvoll wiederaufgebauten Halle 1 die neueste Mainframe-Generation z14-14. Sie setzt die angesagte Container-Technologie in Form von standardisierten, in geräderten Henkel-Blechboxen untergebrachten Compute-Modulen um, die beliebig von A nach B verschoben werden können und per Funk miteinander in Kontakt bleiben. Die Workloads werden dabei automatisch mitverschoben. Für die Kommunikation wird bereits ein früher Vorläufer des künftigen TK-Standards 6G eingesetzt, der in geheimen Testlauf-Vorführungen auf der Autobahn A6 nördlich von Hannover zwischen Garbsen und Neustadt am Rübenberge durch Latenzstabilität und Störungsintoleranz überzeugen konnte. Alte Mainframes können übrigens als Docking-Station für die Container-Virtualisierung weiterverwendet werden. „Damit eröffnen wir ein neues Zeitalter von Mobilität, Performance, Interoperabilität und Rückwärtskompatibilität. Von wegen altes Eisen“, so IBM-Sprecherin Pauline Christianus. Vorbestellungen gingen weg wie warme Semmeln, die Lieferfristen sollen Stand heute bei 1,4 Jahren liegen. Die Aktie schoss nach der Demonstration steil nach oben und das Unternehmen stieß nach dem Absturz auf Platz 12 erstmals nach 2013 wieder in die Top 3 der weltweit wertvollsten Marken vor. Für das kommende Wochenende wurden daher für die Mitarbeiter erstmals wieder obligatorische Schulungen zur vorschriftsmäßigen Verwendung des IBM-Logos angesetzt. Welcome back.

Muuusik liegt in der Luft

Die für die Orchestrierung des abendlichen Rock-Rap-Pop-Konzerts unter dem Expo-Dach verpflichtete Panflöten-Truppe aus Osterholz-Scharmbeck erhält prominente Unterstützung durch Anna Willi (Moderation), Hermann Grönemüller (Sprechgesang), Udo Lindentee (Schellenbaum), Heide Klamm (Schönstehen) und das U14-Nachwuchsballett der Gelsenkirchener Staatsoper. Gerüchteweise sollen die Fantastischen Eins-Punkt-Vier als Stargäste für den Background-Chor eingeflogen werden.

Der weitere Verlauf der Messe wird entscheidend davon abhängen, inwieweit die freudetrunkene Branche morgen früh zumindest insoweit reanimiert ist, dass das Standpersonal wenigstens wieder sitzen kann. Glückauf! Und wir hoffen alle miteinander, dass dieser schöne Traum nicht heute Mitternacht schon wieder platzt.

Ergänzende Hinweise zum besseren Verständnis:

  • 1. Lesen Sie den Namen des „Messechefs“ im ersten Absatz rückwärts.
  • 2. Bei der Leserwahl zum Systemhaus-Chef 2018 belegten:
    Thomas Olemotz (Bechtle) Platz 13
    Rudolph Hotter (Cancom) Platz 3
    Reiner Louis (Computacenter) Platz 4
  • 3. Als Dromedar-Grünfutter wird selbstverständlich nur biologisch-dynamisch-veganes Atriplex aus kontrollierter Freilandhaltung in Süd-Laos verwendet.
  • 4. Wer bei der „Docking-Station für die Container-Virtualisierung“ Docker assoziiert, hat verstanden…
  • 5. Buchtipp des Tages: „Die lothringischen Ursprünge des 1. April-Kults an Mosel, Saar und Ruwer“, Prof. Dr. Lothar-Maria Fünffinger-Porta, Nigra-Verlag, Trier, ISDN-Nummer: 14141414

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45804163 / Events)