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Alastair Edwards im Interview

Canalys: MSPs ohne Cloud-Skills verlieren an Relevanz

| Autor: Michael Hase

Das Management von Cloud-Umgebungen zählt zu den MSP-Leistungen, bei denen die Nachfrage am stärksten wächst.
Das Management von Cloud-Umgebungen zählt zu den MSP-Leistungen, bei denen die Nachfrage am stärksten wächst. (Bild: © BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

Cloud Management gehört mittlerweile zu den Aufgaben von MSPs. Alastair Edwards, Chef-Analyst bei Canalys, empfiehlt ihnen, Kompetenz für mehrere Hyperscaler aufzubauen. Der Experte rechnet mit verschärftem Wettbewerb im Channel.

Wie wichtig ist Cloud Management heute für das Portfolio von MSPs?

Edwards: Cloud Management wird immer wichtiger. Entscheidend ist aber eigentlich Multi-Cloud Management. Dort können Partner den größten Mehrwert stiften, und dort stehen die Kunden vor den größten Schwierigkeiten. Unsere Marktforschung zeigt, dass die meisten Unternehmen bereits mehrere Cloud Services und Provider nutzen. Laut einer aktuellen Candefero-Umfrage beobachten 71 Prozent der Channel-Partner, dass ihre Kunden im Schnitt zwei oder mehr Cloud Services nutzen. Allerdings werden diese Services oft isoliert für bestimmte Applikationen und Workloads bereitgestellt. Nur wenige Kunden haben bisher eine klare Strategie, die Dienste zu integrieren oder konsistent zu managen. Oft fehlt ­ihnen sogar die Kontrolle darüber, wer intern Services zu welchem Zweck nutzt und wie viel dafür bezahlt wird. Das führt zu erhöhter Komplexität, Kontrollverlust, steigenden Kosten und Sicherheitsproblemen.

Alastair Edwards, Chef-Analyst bei Canalys, hält Multi-Cloud Management für eine Schlüsseldisziplin.
Alastair Edwards, Chef-Analyst bei Canalys, hält Multi-Cloud Management für eine Schlüsseldisziplin. (Bild: Michael Hase)

Welche Aufgaben ergeben sich daraus für die Dienstleister?

Edwards: MSPs und Partner, die Managed Services anbieten, werden eine steigende Nachfrage danach erleben, dass sie Kunden bei der Festlegung der richtigen Multi-Cloud-Strategie – welche Cloud für welchen Workload – und der Umsetzung dieser Strategie helfen, dass sie Kunden eine einzige Konsole für Verbrauchskontrolle, Monitoring und Management bereitstellen und dass sie ihnen helfen, die Kontrolle über Kosten und Sicherheit ­zurück zu erlangen. Da die meisten Unternehmen weiterhin On-Premises-Umgebungen im Rahmen hybrider IT-Strategien betreiben, stellt sich auch die Anforderung, eine nahtlose Anbindung der Cloud an die bestehende Infrastruktur zu schaffen, damit sich Workloads hin und her verschieben lassen.

Kann es sich ein MSP noch leisten, keine Cloud-Kompetenz zu besitzen?

Edwards: Für jeden im Channel, der Managed Services bereitstellt, ist es entscheidend, Public-Cloud-Fähigkeiten aufzubauen. Ansonsten wird man für seine Kunden immer weniger relevant. Und man braucht, wie aus dem vorher Gesagten folgt, Wissen über alle wichtigen Cloud-Plattformen, nicht bloß über eine. Darin liegt jedoch eine enorme Komplexität, die ein tiefes Verständnis jeder einzelnen Plattform erfordert. Hinzu kommen komplexere Themen wie Containerisierung, Automatisierung, KI und Machine Learning, mit denen man sich für Multi-Cloud unbedingt auskennen muss. Erforderlich sind aber nicht nur Skills auf technischer Ebene.

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Worauf kommt es außerdem an?

Edwards: Partner benötigen auch Fähigkeiten in puncto Sicherheit und Compliance. So müssen sie etwa die regulatorischen Anforderungen bestimmter Branchen kennen, um Kunden dabei helfen zu können, die richtige Multi-Cloud-Strategie festzulegen. Ebenso wichtig ist dafür, die Anwendungs- und Datenlandschaft der Kunden in der Tiefe zu verstehen. Nicht zuletzt sollte man mit den verschiedenen Lizenz-, Subscrip­tion- und Consumption-Modellen der großen Cloud-Anbieter vertraut sein, um einerseits Kunden angemessen zu beraten, um andererseits aber auch die richtigen Geschäftsmodelle zu etablieren, mit denen man als Partner Geld verdient. Dabei ist zu beachten, dass die Hyperscaler gleichzeitig die Bedeutung des Channels erkennen und zunehmend Partner rekrutieren.

Als Managed Cloud Provider treten unterschiedliche Dienstleister wie Beratungshäuser, Systemintegratoren, Born-in-the-Cloud-Firmen, Hosting Provider und Systemhäuser auf – darunter viele große Player. Welche Chance haben kleinere Partner, sich in diesem Segment zu behaupten?

Edwards: Der Wettbewerb im Channel wird sich verschärfen. Wie Sie richtig beobachten, versuchen verschiedene Partnertypen, ihre Chance zu nutzen. Die Bereitstellung eines echten Multi-Cloud Managements erfordert erhebliche interne Ressourcen und Finanzkraft. Kunden entscheiden sich für Partner, denen sie mit Blick auf ihre Daten und geschäftskritischen Umgebungen vertrauen und die ihres Erachtens die Fähigkeit besitzen, sie bei der richtigen Strategie für die Zukunft zu beraten. Darin liegt eindeutig ein Nachteil für kleinere Partner, denen solche Fähigkeiten abgehen. Allerdings werden sich die großen Systemintegratoren weiterhin auf die größten Kunden konzentrieren. Kleine und mittelgroße Unternehmen werden dagegen häufig einen lokalen Partner in ihrer Region einem großen Dienstleister vorziehen. Technologisch vereinfacht sich das Multi-Cloud Management dadurch, dass große Anbieter und Spezialisten für Remote Monitoring & Management (RMM) vermehrt Plattformen und Tools dafür zur Verfügung stellen. Denken Sie etwa an IBM Multicloud Manager oder Google Anthos. Auch wenn solche Lösungen noch teuer sind, MSPs werden sie innerhalb ihrer eigenen Plattformen nutzen. Nichtsdestotrotz werden sich kleinere Partner schwertun, alle neuen Skills, die sie benötigen, selbst vorzuhalten.

Wenn es für kleinere Systemhäuser und MSPs schwierig ist, umfassende Multi-Cloud-Kompetenz aufzubauen, sollten sie sich dann nicht spezialisieren?

Edwards: Ja, für einige kleinere Partner ist es durchaus sinnvoll, sich für eine Spezialisierung zu entscheiden und sich beispielsweise intensiv auf eine Branche oder eine technologische Disziplin wie Multi-Cloud-Sicherheit zu konzentrieren. So werden sie zu vertrauenswürdigen Experten auf diesen Gebieten. Dadurch eröffnen sich ihnen Möglichkeiten der Partnerschaft mit größeren Akteuren, denen diese Fähigkeiten fehlen. Wahrscheinlich werden künftig auch mehr Ökosystem-Partnerschaften entstehen – etwa zwischen Spezialisten für verschiedene Plattformen oder zwischen Branchenexperten und Technologiespezialisten. Einige der großen MSPs werden vermutlich auch versuchen, Beziehungen zu lokalen Channel-Partnern aufzubauen, um ihre Reichweite zu vergrößern und ihre Fähigkeiten in puncto Kundenorientierung und Kundenbindung zu verbessern, die für den Erfolg in einer As-as-a-Service-Welt wesentlich sind. Zudem erwarten wir mehr Akquisitionen, da MSPs und Reseller versuchen, schneller Zugang zu den Technologie- und Beratungs-Skills zu bekommen.

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