Grenzüberschreitende Ansätze bei der Unternehmens-Software BI, CRM und Unified Communication wollen an ERP andocken

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Unternehmensdaten aus dem ERP sind ein wertvolles Gut. Sie müssen beim Kundenkontakt genauso vorliegen, wie bei der Analyse durch ein BI-System. Außerdem werden Unternehmensgrenzen aufgeweicht, weil der Datenfluss verschiedene „Grenzübergänge“ benutzt.

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Historisch betrachtet sind ERP-Systeme aus Warenwirtschaftssystemen heraus entstanden, denen eine Produktionsplanung angeflanscht wurde. Beides sind Insellösungen, beide sind jedoch auf Daten aus unterschiedlichen Anwendungen angewiesen (beispielsweise CRM) und stellen Daten für andere Anwendungen bereit (beispielsweise Business-Intelligence-Lösungen). Außerdem spielen sowohl in der Warenwirtschaft als auch im ERP-Bereich, bei der Produktionsplanung, Daten aus vor- und nachgelagerten Wertschöpfungs-Stufen eine Rolle.

ERP-2-Systeme als Basis

Werden Unternehmensgrenzen überschritten, ist von „ERP-2“ die Rede. Dieser Ausdruck kann auf Gartner zurück geführt werden. Unter dem Titel “ERP is dead – long live ERP 2“ stellten die Marktforscher den Wandel hin zu neuen ERP-Systemen vor, in denen Prozesse der Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen aus verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette eine Rolle spielen. ERP-2-Systeme zeichnen sich daher durch grenzüberschreitenden Datenaustausch, eine web-basierte, offene und modulare Architektur sowie ankoppelbare Prozesse aus. Hinzu kommt die Gemeinsamkeit, dass sie flexibel in beliebigen Branchen einsetzbar sind. Insellösungen waren schon mit ERP-2 Schnee von gestern.

ERP-3: Fake oder Fortschritt

Die Firma Intraprend aus Wiesbaden sieht sich selbst schon einen Schritt weiter und hat das „ERP 3“-Zeitalter ausgerufen. Die Frage, ob das Fake oder Fortschritt ist, hängt in erster Linie davon ab, ob sich der Begriff ERP-3 in diesem Zusammenhang etablieren wird. Für Ditmar Tybussek, den Geschäftsführer von Intraprend, gilt: „ERP 3 bedeutet, dass eine Unternehmenslösung vollständig in der ,Mitmach-Technologie‘ des Web 2.0, also allein in HTML, erstellt wurde“. Erst dadurch könnten Unternehmen wirklich Teil der „connected world“ werden. „Wir kennen das ja längst von Plattformen wie Ebay, Youtube, Google oder Facebook. Dort kann man sich seine ganz individuelle Plattformwelt einrichten, sich nach Belieben vernetzen und problemlos allerlei Extras einbinden“, so Tybussek. Nur in der ERP-Welt werde wie eh und je traditionell programmiert.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zu den grenzüberschreitenden Technologien hinter den Konzepten.

Die Sache mit den Rechenzentren

Damit wurden zwei Grenzen, die ERP-Systeme gegenwärtig überwinden, bereits angesprochen: Unternehmensgrenzen und die Grenze zur Web-2.0-Welt. ERP-Systeme müssen aber auch Applikationsgrenzen überwinden. Bei der Verbindung von ERP-nahen Einzelapplikationen (wie CRM oder BI-Systemen) gibt es verschiedene Ansätze: Gemeinsame Front-Ends für verschiedene Applikationen, service-basierte Funktionserweiterungen oder Geschäftsprozessmanagement als verbindendes Element. Laut Marcus Martenstein, Regional Sales Manager beim ERP-Hersteller Epicor kommen dabei folgende Technologien zum Tragen: „Zu den zentralen verbindenden Elementen gehören die SOA-Technologie, Business Process Management, XML, das für nahtlose Integration mit anderen Produkten – Service Connect – sorgt, Integration in MS Office sowie eine plattform-unabhangige Nutzung über Web Browser.“ Martenstein kennt den Knackpunkt dabei: „Häufig ist es gerade die Technologie, die in der Vergangenheit einem Unternehmen die Automatisierung ermöglicht hat, die heute das Unternehmen quasi im Würgegriff hält, weil sie sich nicht auf veränderte Bedingungen und Schwankungen der Weltwirtschaft einstellen kann.“ Leichter gesagt als getan: Die Unternehmens-IT von morgen müsse eine breite Palette von Standards und Vorschriften einhalten, dabei aber beweglich, intuitiv und vor allem kontrollierbar sein.

Neue Sicht aus anderem Blickwinkel

Die bislang genannten Ansätze zeigen auf, wie klassische Barrieren eines ERPs aus Sicht dieses Systems abgebaut werden. Querverbindungen von ERP-nahen Einzelapplikationen können aber auch aus der Perspektive anderer Software geschaffen werden. Bei Estos geschieht dies über die UC-Lösung. Geschäftsführer Florian Bock sagte hierzu im Gespräch mit IT-BUSINESS: „Das klare Ziel hierbei: Optimierte Arbeitsabläufe durch effektive Kommunikationsprozesse. Dies ist nur dann zu erzielen, wenn UC-Lösungen und CRM- beziehungsweise ERP-Systeme nicht als Insellösungen betrieben werden – sondern verschränkt implementiert werden.“

Die Anbindung von ERP- und CRM-Systemen realisiert Estos über einen LDAP-Server, um beispielsweise Kundendaten aus den verschiedenen Datenquellen ad hoc für den Mitarbeiter bereitzustellen.

Vernetzte Datenwelt

Alles ist miteinander verbunden. Das ist nicht nur eine alte Zen-Weisheit, sondern immer häufiger Realität bei den Unternehmensdaten: Geht beispielsweise ein Auftrag ein, werden durch vorgegebene Workflow-Schritte mitunter folgende Ereignisse angestoßen: Im Customer-Relationship-Management-System (CRM) wird die Opportunity-Pipeline des Kunden geschlossen und der Umsatz für weitere Planungen, Forecasts und Bonifizierungen erfasst. Der Auftrag wandert in die Produktionsplanung des ERPs. Weitere Workflow-Schritte werden an die Sachbearbeiter weitergegeben, beispielsweise für die Rechnungsstellung. Alle Daten wandern zudem in ein Data-Warehouse. Bei einer Analyse durch das Business-Intelligence-System (BI) werden alle Daten für strategische Entscheidungen ausgewertet.

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Jörg Frey, Geschäftsführer bei Haufe-Lexware

Jörg Frey ist Geschäftsführer bei Haufe-Lexware . (Archiv: Vogel Business Media)

„Bei ERP-Systemen für den Mittelstand geht der Trend zu offeneren Systemen, die hohe Integrationsmöglichkeiten in das Ökosystem des Unternehmens bieten. Langfristig werden sich reine SaaS-ERP-Lösungen auf standardisierten Plattformen durchsetzen. Ein Mittelweg zu SaaS: hybride ERP-Lösungen – lokal installierte Software mit Web-Anbindung. Lexware bietet sowohl reine SaaS-Lösungen als auch Desktop-Software mit Web-Services.“

Haufe-Lexware

Haufe-Lexware aus Freiburg ist ein relativ neues Unternehmen der Haufe Mediengruppe (HMG). Das Medien- und Softwarehaus ist hauptsächlich in den Branchen Recht, Steuern und Wirtschaft unterwegs. Zum Software-Angebot zählt vor allem kaufmännische und juristische Anwendersoftware. Gegründet wurde der Rudolf Haufe Verlag im Jahr 1934. Lexware ist seit 1999 eine 100-prozentige Tochter der Gruppe. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt rund 1.200 Mitarbeiter.

Ditmar Tybussek, Geschäftsführer bei Intraprend

Ditmar Tybussek ist Geschäftsführer bei Intraprend. (Archiv: Vogel Business Media)

„SOA-Anwendungen aus der Cloud sind ein Haupt-Trend. Denn die Anschaffungs- und Wartungskosten für Software sowie einen Großteil der Hardware lassen sich so stark senken. Für den Mittelstand ist das jetzt nur ein Technologie-Hype, doch bald wird er realisieren, dass man damit kräftig Zeit und Geld spart. Er wird mit kleinen Anwendungen beginnen und irgendwann ein ganzes ERP im Internet nutzen – so selbstverständlich wie Google.“

Intraprend

Seit 1982 ist der Software-Hersteller Intraprend im Bereich Warenwirtschaft für Groß- und Einzelhandel aufgestellt. 1985 kam der Dienstleistungsbereich hinzu. Seit 2000 entwickelt das Unternehmen Unternehmens-Software, die über das Web beziehungsweise über interne Netze bereitgestellt wird. Hierzu zählt beispielsweise das ERP-System „Cierp 3“, ein multilinguales Warenwirtschaftssystem mit offenen Schnittstellen für weitere Anwendungen wie CRM oder ein Online-Bestellsystem.

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