IT-Investitionen im Gesundheitswesen Bessere Arbeitsbedingungen durch digitale Vernetzung

Autor / Redakteur: Nicolai Blonner / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Um das Gesundheitswesen so effizient wie möglich zu gestalten, sollte auf Digitalisierung und technischen Fortschritt gesetzt werden. Die Vernetzung und Koordination von Personal sind neben dem Ausbau der Sicherheitsvorkehrungen von zentraler Bedeutung.

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Innovationen im Gesundheitswesen bereiten den Boden für fortschrittlichen Wandel und sollten daher gut durchdacht sein.
Innovationen im Gesundheitswesen bereiten den Boden für fortschrittlichen Wandel und sollten daher gut durchdacht sein.
(Bild: © Monet - stock.adobe.com)

Im Zuge der digitalen Transformation haben sich die Anforderungen an das Gesundheitswesen fundamental gewandelt. Um diesen nachzukommen, hat die Bundesregierung mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) ein Konjunkturprogramm zusammengestellt, das 4,3 Milliarden Euro Fördermittel für moderne Notfallkapazitäten, Digitalisierung und IT-Sicherheit bereithält. Nun stellt sich die Frage, wie diese Gelder sinnvoll eingesetzt werden können und welche verfügbaren technologischen Möglichkeiten den Ablauf in medizinischen und Pflege-Einrichtungen effizienter gestalten können. Immerhin geht es darum, Personalmangel, Profitabilitätsdruck und Materialengpässe auszugleichen. An dieser Frage entscheidet sich auch maßgeblich die Zukunftsfähigkeit eines Krankenhauses.

Mit künstlicher Intelligenz (KI) zu Effizienzsteigerung und verbesserter Versorgung

Das Thema KI ist nicht neu und kommt bereits in diversen wirtschaftlichen Bereichen zum Einsatz. Doch viele Gesundheitseinrichtungen stehen hier noch ganz am Anfang. Dabei zählt Künstliche Intelligenz zu den Schlüsseltechnologien der Zukunft und kann einen elementaren Beitrag bei der Versorgung von Patienten leisten. Sie bietet die einzigartige Chance, klinische Daten besser zu verstehen und damit das Gesundheitswesen grundlegend zu transformieren.

KI kann unter anderem dazu beitragen, die Qualität der medizinischen Versorgung zu steigern und das Gesundheitswesen gleichzeitig finanziell zu entlasten. Insbesondere in der Diagnostik verzeichnet KI große Erfolge. Zum Beispiel hilft die Technologie Ärzten dabei, schnelle und zuverlässige Diagnosen zu stellen und die passenden Behandlungsmethoden zu wählen. Anomalien und seltene Erkrankungen werden auf diesem Wege wesentlich präziser und früher erkannt. Das entlastet das medizinische Personal und schafft zusätzliche Sicherheit für die Patienten. Auf der Organisationsebene können vorhandene Ressourcen besser identifiziert werden, was wiederum zu Zeit- und Kostenersparnis führt. Auch lassen sich täglich anfallende Aktivitäten wie Terminplanung, Überweisungsmanagement und die Vorbereitung von Untersuchungen durch KI optimieren.

Leistungsstarke Netzwerke für flexible Konnektivität und Kontinuität

Um aber zunächst einmal die grundlegenden Voraussetzungen für den Einsatz neuer Technologien im Gesundheitswesen zu schaffen, sollte eine stabile IKT-Infrastruktur bereitgestellt werden, die eine zuverlässige, sichere und skalierbare Verbindung ermöglicht, Kontinuität gewährleistet und Konnektivität fördert. Das beinhaltet auch volle Mobilität und ein hochleistungsfähiges WLAN, damit eine Vielzahl von IoT- und medizinischen Geräten sowie Medizinprodukte miteinander vernetzt werden können. Der Zugriff auf Gesundheitsdaten soll unabhängig von Ort und Zeit möglich sein. Zudem ist es von Vorteil, wenn die angewendete Technologie auch Multipath Routing und Link Aggregation unterstützt, sodass der Aufbau mehrerer Netzwerkverbindungen parallel möglich ist. Das erhöht den Durchsatz und bietet die notwendige Redundanz, die dafür sorgt, dass Verbindungen physikalisch voneinander getrennt sind und sich nicht kreuzen. Eine Ausfallwahrscheinlichkeit des gesamten Netzwerks wird damit praktisch ausgeschlossen.

Echtzeit-Mitteilungen fördern kurze Kommunikationswege

Eine Vielzahl von Fehlern in der Patientenversorgung entsteht durch mangelnde Kommunikation. Insbesondere in der Notaufnahme unter hohem Zeitdruck besteht Bedarf an einer zuverlässigen Echtzeit-Kommunikationslösung. Eine Chatkommunikation kann dabei eine gute Ergänzung zum mündlichen Austausch darstellen und einen starken Beitrag zur Qualität der Patientenversorgung leisten. Mit einer solchen Funktion werden die behandelnden Fachkräfte durch Push-Benachrichtigungen auf Handlungsbedarf aufmerksam gemacht und können gesendete Informationen jederzeit und ortsunabhängig nachlesen. Die betrieblichen Abläufe können zusätzlich auch durch eine cloudbasierte „Communications Platform as a Service“ (CPaaS) optimiert werden, die neben einer Chatfunktion auch die Integration von Sprache und Videos ermöglicht. So kann die Echtzeit-Kommunikation ohne großen technischen Aufwand an die Situation angepasst werden.

Mit Asset-Tracking Zeit gewinnen und Ressourcen sparen

Untersuchungen zeigen, dass medizinisches Personal innerhalb einer Schicht etwa eine Stunde mit der Suche nach medizinischen Geräten oder Personen beschäftigt ist. Diese Zeit kann durch den Einsatz einer Tracking-Lösung deutlich minimiert werden. Dabei werden Geräte und Personen mithilfe von GPS-Tags, BLE- oder RFID-Technologien in Echtzeit geortet und deren Standort übermittelt. Zusätzlich bietet Asset-Tracking den Zugriff auf Nutzungsmuster und -standorte der Geräte, auch wenn diese gerade nicht verwendet werden. Mit Asset-Tracking wird jedes Objekt – vom Krankenhausbett bis zum Ultraschallgerät – auf einem Desktop, Tablet oder Smartphone angezeigt. Dadurch können unnötige Wege vermieden und Transparenz geschaffen werden. Darüber hinaus bietet ein solches Tracking die Möglichkeit, Störmeldungen und Defekte schneller zu identifizieren und zu managen. Alles was dafür benötigt wird, sind Bluetooth-fähige Geräte.

Bessere Vernetzung durch IoT-Nutzung

Das Internet der Dinge (IoT) hat nicht nur das Potenzial, wirtschaftliche und private Prozesse nachhaltig zu verändern, auch das Gesundheitswesen kann durch den Einsatz der Technologie nachhaltig profitieren. Vernetzte Systeme gestalten bestehende Abläufe schneller, effizienter und zuverlässiger und wirken sich zudem positiv auf das Besuchererlebnis aus. Ein solches Netzwerk führt langfristig zu einer verbesserten Qualität in der Versorgung sowie zur Reduzierung von Fehlern. Medizinische Geräte können beispielsweise eine kontinuierliche Überwachung von Patienten durchführen und dabei Daten erfassen, analysieren und unmittelbar an die elektronische Patientenakte übermitteln. MRT-Aufnahmen können in Echtzeit an mobile Geräte gesendet werden und damit bei der Diagnose und Behandlung von Patienten helfen.

Bei all den Vorteilen, die IoT-Netzwerke mit sich bringen, darf jedoch das Thema Cybersicherheit nicht aus den Augen verloren werden. Denn IoT-Geräte sind in erster Linie auf Funktionalität hin konzipiert. Das macht sie anfällig für Missbrauch durch Cyberkriminelle, die mittels künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen zunehmend raffiniertere Angriffsmechanismen entwickeln.

Vorsicht vor versteckten Sicherheitslücken

Dass Organisationen des Gesundheitswesens mit neuen Technologien wie Cloud, mobilen Geräten, IoT, Big Data und Analyse-Tools arbeiten, sorgt gleichzeitig für ein nie dagewesenes Komplexitätslevel, das es unabdingbar macht, Sicherheit neu zu betrachten. Das veränderte Nutzerverhalten erfordert gänzlich neue Wege, um die Netzwerksicherheit zu gewährleisten und ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept, das diese unterstützt. Dazu sollte in erster Linie der Zugang zu den vernetzten medizinischen Geräten, Patientendaten und Software-Anwendungen im Ökosystem des Gesundheitswesens sicher und nach exakt festgelegten Regeln erfolgen.

Mehr Sicherheit durch Software-Defined Networking (SDN)

Diese verbindlichen Regeln können schnell und einfach mithilfe eines flexiblen, dienstdefinierten Netzwerks für eine hohe Anzahl vernetzter Nutzer, Geräte und Anwendungen festgelegt werden und damit gleichzeitig zu einer erhöhten Cybersicherheit beitragen. Ein solches Netzwerk ist weniger störanfällig, da kaum manuelle Konfigurationen durchgeführt werden müssen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die IT-Verantwortlichen dank der intelligenten Automatisierungsprozesse entlastet werden.

Mit einem Berechtigungskonzept können Organisationen des Gesundheitswesens beispielsweise festlegen, dass Ärzte Zugriff auf alle Systeme, mit Ausnahme von Finanzsoftware erhalten oder Patienten Internetdienste nutzen können. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass alle Beteiligten, ob intern oder extern, nur zu zulässigen Bereichen Zugang haben und die Zugriffskontrolle konsequent umgesetzt wird.

Innovationen im Gesundheitswesen bereiten den Boden für fortschrittlichen Wandel. Entsprechend sollten potenzielle Investitionen in diesem Bereich gut durchdacht und sinnvoll eingesetzt werden. Die Digitalisierung bietet neben einer verbesserten und gleichzeitig bezahlbaren Versorgungsqualität auch die Möglichkeit, dem Fachkräftemangel und der Urbanisierung entgegenzuwirken. Darüber hinaus ermöglicht der Einsatz von Technologien mehr finanzielle Nachhaltigkeit in einer Branche, die unter starkem Druck steht, kontinuierlich innovativ zu handeln und den Service für Patienten und Personal zu verbessern.

Nicolai Blonner.
Nicolai Blonner.
(Bild: Alcatel-Lucent Enterprise)

Um die Vorteile der Digitalisierung jedoch umfänglich nutzen zu können, ist der Ausbau leistungsstarker und flächendeckender Internetverbindungen unabdingbar. Außerdem hängt die reibungslose Umsetzung neuer Technologien von einer zuverlässigen Kommunikations- und Netzwerkstruktur ab. Dabei sollten Digitalisierung und Sicherheit Hand in Hand gehen.

Über den Autor

Nicolai Blonner ist Leiter Großkundenvertrieb Deutschland bei Alcatel-Lucent Enterprise.

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