Abkassieren bei Microsofts „Gratis“-Upgrade Beim Windows-7-Update-Coupon ist Kundenärger programmiert

Redakteur: Daniel Feldmaier

Wieso wird für das Windows-7-Upgrade ein Datenträger erstellt und versendet? Wäre ein Download-Link nicht die einfachere Variante? 30 Euro für Auftragsbearbeitung, Medienherstellung und Versand machen das kostenlose Upgrade erstaunlich teuer. Viel Geld für den Versand einer DVD. Wer verdient hier mit?

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Das „kostenfreie Lizenz-Upgrade auf Windows 7“ schlägt mit mindestens 30 Euro zu Buche. Kunden müssen zudem mehrere Wochen darauf warten.
Das „kostenfreie Lizenz-Upgrade auf Windows 7“ schlägt mit mindestens 30 Euro zu Buche. Kunden müssen zudem mehrere Wochen darauf warten.
( Archiv: Vogel Business Media )

Fujitsu-Kunden, die einen PC oder ein Notebook mit Windows Vista zwischen dem 26.06.2009 und dem 31.01.2010 erworben haben oder noch erwerben, erhalten einen Windows-7-Upgrade-Coupon. Auf der Verpackung druckt Fujitsu: „Sie können hier ihr kostenfreies* Lizenz Upgrade auf Windows 7 bis zum 28. Februar 2010 bestellen.“ Das Sternchen am Wort „kostenfrei“ kann leicht übersehen werden.

Nicht übersehen werden sollte aber dessen Aussage: „*Für das Upgrade auf Windows 7 ist lediglich eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 24,95 Euro je Upgrade inklusive Auftragsbearbeitung und Medienerstellung zu entrichten. Zusätzlich entstehen Versandkosten je nach Auslieferungsland. Die anfallenden Versandkosten können aus einer Versandkostentabelle entnommen werden.“ Diese Tabelle offenbart für Deutschland fünf Euro Versandkosten, für die Schweiz 15 und für Kroatien 65 Euro. Kunden auf der griechischen Insel Zypern müssen 81 Euro Porto bezahlen.

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Wir haben es ausprobiert

Für ein Fujitsu-Notebook der Redaktion lösen wir den Windows-7-Coupon ein und stoßen dabei schon auf das erste Problem. Bezahlt werden kann mit Kreditkarte oder per Bankeinzug. Unsere Buchhaltung gestattet allerdings ausschließlich Einkäufe auf Rechnung. Nach Abschluss der Bestellung erhalten wir kurze Zeit später eine Bestellbestätigung, die uns um Verständnis bittet, dass sich die Auslieferung aufgrund der hohen Nachfrage verzögert. Wir können aber noch im Dezember mit der Lieferung rechnen. Die Gesamtkosten für das Upgrade: 30 Euro.

Eigentlich könnte Windows 7 auch unkompliziert und kostenlos zum Download angeboten werden.

Die Buhl Replication Service GmbH übernimmt die Abwicklung im Auftrag von Fujitsu Technology Solutions und möchte offensichtlich für ihre Dienstleistung auch etwas vom Kuchen abhaben. Es entstehen „nur“ Kosten für die Auftragsbearbeitung, Medienherstellung sowie die Versandkosten.

Für Fragen zur Lieferung bietet Buhl eine kostenpflichtige Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse. Am Telefon teilt man mir mit, dass es bei Fragen zum Windows-7-Upgrade keine telefonischen Auskünfte gibt und zwingend das E-Mail-Kontaktformular verwendet werden muss.

Das sagt Buhl

Auf die Frage, warum überhaupt ein Datenträger erstellt und von Buhl versendet wird, erklärt Thomas Matena, von der Buhl-Pressestelle: „Das müssen Sie Mircosoft fragen. Wir sind nur der Dienstleister. Es ist vertraglich geregelt, dass wir das Upgrade für Fujitsu und Medion versenden. Außerdem machen das alle anderen Hersteller auch auf diese Weise.“

Das ist korrekt, denn auch bei HP, Acer und Dell wird eine Versand- und Aufwandskostenpauschale zwischen zehn und 25 Euro für den Sprung auf Windows 7 berechnet.

Das sagt Microsoft

Nachfrage bei Mircosoft. Pressesprecher Frank Mihm-Gebauer stellt klar: „Nicht wir, sondern die Hardware-Hersteller, verlangen für das Upgrade eine Gebühr. Der gesamte Prozess liegt komplett bei den OEMs. Microsoft hat den OEMs angeboten, dass sie das kostenlose Upgrade mitverkaufen dürfen. Wie der Hardware-Anbieter letztlich das Fulfillment beim Kunden vornimmt, können wir nicht beeinflussen.“

Das sagt Fujitsu

Nachfrage beim Hardware-Hersteller. Die Fujitsu-Pressestelle gibt Auskunft: „Wir hatten keine Wahl, weil Microsoft den Datenträger und dessen Machart explizit vorschreibt. Diese Auflage gilt für alle Hersteller. Wieso die Medienerstellung allerdings so teuer ist, kann ich Ihnen nicht beantworten, da hierfür unser Dienstleister Buhl Data Service zuständig ist. Wir verdienen daran nichts.“

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