Die Wiege von B.com war der Küchentisch Bei B.com geht der Mehrwert über den Preis hinaus

Redakteur: Harry Jacob

Die Mitarbeiter von B.com blicken auf 15 bewegte Jahre in der Distributionslandschaft zurück. Das Unternehmen, welches sich selbst als Mittelstands-Broadliner bezeichnet, ist stetig gewachsen und mittlerweile die Nummer vier in der Branche.

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Das Jahr 1996 ist das Geburtsjahr von B.com. Der Grundstein wurde von Horst Beck in einer Zweizimmer-Wohnung am Küchentisch gelegt. Damals begann alles mit dem Handel von CD-Rohlingen und -Playern. Seit dieser Gründung ist viel passiert. Darunter mehrere Umzüge in Köln, die jeweils auch immer mit Ver­größerungen der Lager-Kapazitäten einhergingen.

2002 wurde außerdem die Vertriebsniederlassung in Linden gegründet, die einige Jahre später ins nahe gelegene Gießen verlegt wurde. Vier Jahre später übernahm die DHL die Logistik für B.com. Kunden wurden von da an aus dem Hochleistungslogistiklager vom Standort Staufenberg beliefert. 2006 wurde in Braunschweig eine weitere Vertriebsniederlassung gegründet.

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Ein großer Einschnitt in der 15-jährigen Firmengeschichte dürfte schließlich das Management-Buy-out vor rund einem Jahr gewesen sein. Eine Angelegenheit, die bei B.com in aller Ruhe vollzogen wurde.

Sichere Fundamente

Auslöser war im Jahr 2009 Torsten Belverato, der damals als COO zur B.com stieß. Heute ist er zusammen mit Thomas Hoffmann und Patrick Köhler via Management-Buy-out Inhaber des Distributors. Der Verkauf war, wie Belverato betont, „mit Horst Beck von langer Hand geplant“, und so konnte er erst einmal ein Jahr lang eingearbeitet werden.

Auf diese Weise sollte die Finanzierung auch für zukünftiges Wachstum des Distributors auf feste Fundamente gestellt werden. Immerhin konnten die Kölner ihren Umsatz von 253 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2009 um mehr als 50 Millionen auf 308 Millionen Euro im vergangen Jahr steigern. Ein solcher Sprung wird zwar für 2011 nicht erwartet, doch ist man mittelfristig auf einen Umsatz von 450 bis 500 Millionen Euro eingerichtet.

Hinter den Zahlen stecken Änderungen in der organischen Struktur sowie in den Logistik-Prozessen. In einem im August geführten Interview erklärte Belverato: „Thomas Hoffmann und ich wollen keine Geschäftsführung, bei der alle Macht bei uns liegt – also einen engen Flaschenhals, der Entscheidungen verzögert. Wir haben nun eine Basis von 15 bis 20 Leuten, die schneller agieren können.“

Entsprechend haben die beiden im Oktober Patrick Köhler als weiteren Vorstand und Mitinhaber an Bord geholt. Der 36-Jährige verantwortet nun gemeinsam mit Belverato das operative Geschäft und lenkt die strategische Ausrichtung. Er kommt von Ingram Micro und kann deshalb gut die Unterschiede zwischen den beiden Broadlinern beschreiben: „Bei amerikanisch geführten Unternehmen geht viel Zeit mit dem Erstellen von Reportings verloren. Bei einem Mittelstandsunternehmen wie B.com braucht es das nicht, und somit geht die Arbeit schneller und flexibler vonstatten.“ Aus seiner Sicht zeichnen sich die Kölner ganz besonders dadurch aus, dass sie aufgrund ihrer Größe individueller auf ihre Kunden eingehen können. Für diese gelte es, Service-orientierte Lösungen zu finden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über B.coms Wachstumsstrategie und warum es keine große Geburtstagsfeier gibt.

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