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Universeller ITK-Dienstleister Axians: Systemhaus für das Internet der Dinge

Autor: Michael Hase

Aus Fritz & Macziol wird Axians. Unter dieser Marke formt der Eigentümer des Ulmer Systemhauses, der französische Mischkonzern Vinci, einen breit aufgestellten Dienstleister. Die Industriekompetenz der Gruppe prädestiniert Axians für das Geschäft mit dem Internet der Dinge. Eine dezentrale ­Organisation mit autonomen Einheiten soll den ITK-Spezialisten flexibel und schlagkräftig machen.

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Das Internet of Things ist für Axians durch die Industriekompetenz der Muttergesellschaft ein naheliegendes Betätigungsfeld.
Das Internet of Things ist für Axians durch die Industriekompetenz der Muttergesellschaft ein naheliegendes Betätigungsfeld.
(Bild: Pixabay)

Französische Unternehmen haben ein Faible dafür, traditionsreiche Firmennamen durch künstliche Markenschöpfungen zu ersetzen. So benannte sich die Versicherung Mutuelle de L’assu­rance contre L’incendie im Jahr 1985 in Axa um. Der Energieversorger und spätere Medienriese Compagnie Générale des Eaux wurde 1992 zu Vivendi. Auch der Baumischkonzern Vinci, der im Oktober 2014 das Ulmer Systemhaus Fritz & Macziol (F&M) übernahm, trägt diesen Namen erst seit dem Jahr 2000. Zuvor firmierte das 1899 entstandene Unternehmen als Société Géné­rale d’Entreprises.

So gesehen ist es kein ungewöhnlicher Vorgang, dass die „FuM“, die 1987 gegründet wurde, zum Jahresende ihren Namen ablegen und in Zukunft als „Axians“ auftreten wird. Unter dieser Marke formt die Vinci-Gruppe seit 2015 einen Dienstleister, dessen Kompetenz sich auf Datacenter, Networking, Communications, Security und Applications erstreckt und dessen Service-Angebot von der Beratung über Entwicklung, Implementierung und Wartung von ITK-Lösungen bis zu ­deren Betrieb reicht.

Zum „Axians ICT Network“ gehören in Deutschland neben Fritz & Macziol ­unter anderem die Axians Networks & ­Solutions, die aus dem 2005 übernommenen Kölner Systemhaus NK Networks & Services hervorging, und der Hamburger Security-Spezialist Crocodial, ein Zukauf aus dem Frühjahr 2014. Dass die Marken zum Jahresende harmonisiert werden, ist somit der nächste logische Schritt.

„FuM“ als Wunschkandidat

Reinhard Schlemmer, Chef von Vinci Energies in Deutschland, führt seit Juli auch die Geschäfte von Fritz & Macziol.
Reinhard Schlemmer, Chef von Vinci Energies in Deutschland, führt seit Juli auch die Geschäfte von Fritz & Macziol.
(Bild: Axel Heise)

Innerhalb des Mischkonzerns gehört Axians wiederum zu Vinci Energies. Die Sparte versteht sich als System­integrator, der Netzinfrastrukturen für Energiewirtschaft, Industrie, Kommunikation und Verkehr entwickelt, aufbaut und teils betreibt. Seit etwa 2012 reiften dort Pläne, ins klassische IT-­Geschäft zu investieren. „Uns war klar, dass IT und Industrieautomation über die IP-Technologie stärker zusammenwachsen würden“, erläutert Reinhard Schlemmer, Geschäftsführer von Vinci Energies in Deutschland. Das Unternehmen sondierte daher die deutsche Systemhauslandschaft, um das Port­folio von Axians durch Akquisitionen über IP-Networking hinaus „ganzheitlich“ zu erweitern. Seinerzeit habe sich F&M als Wunschkandidat herauskristallisiert, berichtet der Manager.

Die Ulmer verfügten nicht nur über breitgefächertes Knowhow von der ­Infrastruktur (Server, Storage) über Middle­ware bis hin zu Anwendungen (Analytics, Collaboration, SAP). Auch ihre Beratungs- und Integrationskompetenz passte zum Profil von Vinci Energies. „Unsere Kunden geben sich nicht mit Produkten von der Stange zufrieden, sondern sie wollen Lösungen, die individuell auf ihre Prozesse zugeschnitten sind“, betont Schlemmer. Für die Franzosen war es eine günstige ­Fügung, dass der damalige F&M-Gesellschafter, der niederländische Baukonzern Royal Imtech, 2014 in Schieflage geriet und seine IT-Tochter verkaufen musste. Mit einem Umsatz von 340 Millionen ­Euro (2015) steuert das Systemhaus ­heute den größten Anteil zum Axians-­Geschäft in Deutschland bei, das sich auf fast 600 Millionen Euro summiert.

Dezentrale Struktur

Nicht nur am Markenauftritt wurde derweil gefeilt. Im Zuge der Integration führte Vinci bei F&M eine neue Struktur ein und segmentierte das Geschäft in mehr als 20 Business Units, auf die sukzessive mehr Kompetenz verlagert wird. Von kleineren, dezentralen Einheiten, die weitgehend autonom agieren, verspricht sich der Konzern mehr Flexibilität und größere Kundennähe als von einer monolithischen Organisation. Anscheinend wollten nicht alle Führungskräfte diese Strategie mitgestalten. Unter anderem verließ Gründer und Geschäftsführer Heribert Fritz im Dezember 2015 das Unternehmen. Der langjährige Geschäftsführer Oliver Schallhorn folgte ihm sechs Monate später. Seit Juli leitet Vinci-Energies-Chef Schlemmer die Geschäfte von F&M.

Der Manager steht nach eigener Aussage für einen anderen Führungsstil, als er in der Vergangenheit bei dem Systemhaus üblich war. Die „klassisch-hierarchische“ Struktur des Unternehmens habe dem Organisationsprinzip von Vinci widersprochen, das auf „Dezentralität und Autonomie“ beruhe. Er selbst verstehe sich nicht als Systemhaus-Chef klassischer Prägung, der top down die Marschrichtung bestimmt, legt Schlemmer dar. „Vielmehr gebe ich lediglich den Rahmen vor und sehe mich als Coach und Sparringspartner der Business-Unit-Leiter.“ Deren Rolle sei es, als Unternehmer im Unternehmen zu agieren, weshalb sie für Gewinn und Verlust ihrer jeweiligen Einheit verantwortlich zeichnen.

Wachstumsmarkt IoT

Mit dieser Aufstellung peilt Vinci Energies künftiges Wachstum an. Dabei erwartet Schlemmer durch die Digitalisierung der Wirtschaft generell eine steigende Nachfrage nach ITK-Lösungen und -Dienstleistungen. Großes Potenzial verspricht er sich indes von der Kombination der Kompetenz, die unter dem Dach der Axians gebündelt ist, mit dem Knowhow von Vinci Energies auf Feldern wie der Industrieautomation und intelligenten Energienetzen. „Wir sehen unseren ITK-Bereich als Dreh- und Angelpunkt für das Internet der Dinge an.“ Dort lasse sich der Hebel ansetzen, um neue Angebote für Industrie 4.0, Smart Grids oder Smart Buildings zu entwickeln.

Der Schwerpunkt des Geschäfts von Axians soll sich künftig weiter in Richtung Services verlagern. Vinci Energies sei primär kein Handelsunternehmen, sondern „im Kern ein ingenieursgetriebener Dienstleister“, stellt Schlemmer klar. Auch weitere Zukäufe plant der Manager, der vor allem das Big-Data- und SAP-Geschäft forcieren möchte. Schließlich weiß er, dass beim Internet of Things die Fähigkeit, unterschiedlichste Arten von Daten auszuwerten, und ein tiefes Verständnis von Geschäftsprozessen zwei Schlüssel zum Erfolg sind.

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 Michael Hase

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Chefreporter