IT-Reseller noch nicht in der Public Cloud angekommen AWS: Ein Channel ohne Systemhäuser

Autor: Michael Hase

Amazon Web Services (AWS) erschließt den Markt der Unternehmenskunden über Partner. Diesem Channel gehören vor allem Beratungshäuser an, während IT-Fachhändler der Public Cloud nach wie vor skeptisch gegenüberstehen.

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Beratungshäuser sind im AWS-Channel ganz klar in der Mehrheit.
Beratungshäuser sind im AWS-Channel ganz klar in der Mehrheit.
(Bild: © auremar - Fotolia)

Nicht mehr nur Start­ups oder globale Konzerne gehen in die Public Cloud. Auch Unternehmen aus dem klassischen und dem gehobenen Mittelstand setzen zunehmend auf das Bereitstellungsmodell. Und sie versprechen sich davon neben Kosteneinsparungen vor allem eine agilere und flexiblere IT. Durch die Auslagerung von Workloads in die Cloud entlasten sie ­Mitarbeiter von Routineaufgaben wie der Wartung von Systemen und regelmäßigen Updates. „IT-Abteilungen können so einen Teil ­ihres Budgets und ihres Personals umschichten und für die Entwicklung von IT-Innovationen einsetzen, um neue ­Geschäftspotenziale zu erschließen“, ­schreiben die Marktforscher von IDC in einem aktuellen Whitepaper.

Den IDC-Analysten zufolge steigen die weltweiten Ausgaben für Public-Cloud-Dienste – Infrastructure, Platform und Software as as Service (IaaS, PaaS und SaaS) – in diesem Jahr gegenüber 2014 von 57 Milliarden auf 70 Milliarden Dollar. Das sind zwar erst drei Prozent aller IT-Ausgaben. Aber die Investitionen in die Public Cloud wachsen sieben Mal schneller als die Ausgaben für klassische IT.

Von dieser Entwicklung profitiert AWS neben Microsoft und Salesforce am stärksten. Allein im dritten Quartal dieses Jahres erzielte die Cloud-Sparte von Amazon.com einen weltweiten Umsatz von 2,08 Milliarden Dollar, ein Zuwachs um 78 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Zwischen Januar und September summierten sich ihre Erlöse auf fast 5,5 Milliarden Dollar.

Geschäft für Partner

Cloud Computing ist zugleich ein Marktsegment, in dem IT-Dienstleister und Systemhäuser mitverdienen können. Für das Geschäft mit mittelständischen und großen Unternehmen braucht AWS kom­petente Partner, die die Kunden auf dem Weg in die Cloud beraten, die Konzepte für sie entwickeln, Workloads mig­rieren und Lösungen auf der Plattform im­plementieren. Der Anbieter hat mehrfach erklärt, dafür selbst keine großen Consulting-Trupps aufzubauen. Darüber hin­aus übernehmen Partner immer häufiger als Managed Service Provider (MSP) auch den Betrieb für den Kunden.

Für den deutschen Markt verzeichnet der Locator auf der AWS-Website derzeit rund 40 Consulting-Partner der Stufen Standard, Advanced und Premier. Bei den meisten handelt es sich um Beratungshäuser wie Acentrix aus München, ITM aus Stuttgart oder die Hamburger Direkt Gruppe (siehe Interview). Dagegen bilden Unternehmen, die wie der Collaboration-Spezialist Beck et al. oder der langjährige Adobe-Partner TecRacer aus dem IT-Geschäft kommen, eine Minderheit. Bislang nicht vertreten sind Systemhäuser, deren Wurzeln in Vertrieb, In­stallation und Wartung von IT-Infrastruktur liegen. Kein Wunder, denn mit diesen Tätigkeiten haben die Migration von Workloads in die Cloud oder der Betrieb von Anwendungen auf der AWS-Plattform wenig gemein.

Anderes Architekturkonzept

Die Public Cloud ist nicht nur ein alternatives Modell für die Bereitstellung von IT, sondern basiert auch von der Architektur her auf einem anderem Konzept als herkömmliche Infrastrukturen. Bei Amazon ist die Cloud aus miteinander verbundenen Micro-Services aufgebaut, die sich im ­Gegensatz zu monolithischen Anwen­dungen einfacher skalieren lassen. Der Ansatz erlaubt zugleich eine enge Verzahnung von Entwicklung und Betrieb („DevOps“), sodass neue Apps schneller bereitgestellt werden können als in klassischen Anwendungslandschaften.

Nicht zuletzt zeichnen sich Public-Cloud-Infrastrukturen durch einen hohen Automatisierungsgrad aus, der viele manuelle Management-Prozesse überflüssig macht. „Der Umgang mit AWS fühlt sich nicht an wie eine klassische Administration“, er­läutert Peter Prahl, der Channel-Verantwortliche bei AWS Deutschland (siehe Interview). Daher müssten Systemhäuser, die zum Amazon-Partner werden wollen, ihre Fähigkeiten erweitern und an das neue Paradigma anpassen.

Wie IT-Dienstleister mit AWS arbeiten, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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