Test: Wi-Fi-6- und NBASE-T-WLAN-Router

AVM Fritz!Box 6660 Cable im Praxistest

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Die Performance-Messungen

Wi-Fi-6-Dell-Tower bei 2,4 GHz

Bei den folgenden Speed-Messungen stand der Wi-Fi-6-fähige Dell-Tower im gleichen Raum wie der AVM-Router, nur zwei Meter entfernt, aber mit direkter Sichtverbindung, ohne Hindernisse. Das Testgebäude liegt in einem locker bebauten Stadtgebiet. Funk-Störungen durch WLAN-Nachbarn sind zwar vorhanden, halten sich aber in erträglichen Grenzen. In einer völlig sauberen Funkluft wären vermutlich stabilere und höhere Speed-Werte möglich. Dann wären die Messungen aber nicht mehr so realistisch, es sei denn, der Fritz!Box-User arbeitet wirklich in einer völlig störungsfreien Alleinlage.

Bei den meisten Messungen haben wir ein Datenpaket von 10x 1GB vom 10-Gbps-NAS-Server über die AVM 6660 Cable auf die unterschiedlichen WLAN-Endgeräte herunter gezogen (rote Kurven) und danach wieder hoch geladen (grüne Kurven) – siehe Abbildungen 19 und 20.

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Die gemessenen Down-und-Upload-Werte sind (gerade im sehr schmalen, überfüllten 2,4-GHz-Band) recht ordentlich für eine Freifeld-Messung außerhalb hermetisch abgeschirmter Labor-Mess-Räume. In einem urbanen Umfeld sind die dazu nötigen 40-MHz-Kanalbandbreiten zwar schwer zu erreichen, aber eben möglich. Intel AX200 und AVM FRITZ!Box 6660 Cable unterstützen derart breite Kanäle, sofern die konkrete Luft-Situation es zulässt. Klar, dass wir solche guten Werte bei 2,4 GHz in unserer Testumgebung nicht immer bekommen. Aber wir probieren halt so lange, bis es klappt, notfalls auch nachts.

Wi-Fi-6-Dell-Tower bei 5 GHz

Die Down-und-Upload-Werte aus den Abbildungen 21, 22 und 23 (jetzt im 5-GHz-Band) sind ebenfalls recht ordentlich für eine Freifeld-Messung außerhalb hermetisch abgeschirmter Labor-Mess-Räume. Derart schöne Werte kommen theoretisch und erst recht praktisch nur zustande, wenn das Intel AX200 Funkmodul und die Fritz!Box 6660 Cable tatsächlich im schnellsten Modus VHT160 miteinander kommunizieren, was in einer städtischen Umgebung je nach Störungslage nicht immer klappt.

WLAN-Reichweite mit Wi-Fi-6-Laptop

Im nächsten Test wandern wir mit einem WLAN-6-Laptop durch fünf zunehmend schwierigere Räume, um die Funk-Reichweite der AVM 6660 auszuloten (siehe Abbildung 24).

Die ersten Laptops mit Wi-Fi 6 wurden im Sommer 2019 auf der Computex in Taiwan vorgeführt. Die Notebook-Hersteller spendierten damals aber nur ihren teuersten High-End-Modellen ein Wi-Fi-6-Funk-Modul. Ich habe daher meine vorhandenen Laptops schon 2019 mit einem WLAN-6-Kärtchen namens Intel AX200 NGW nachgerüstet, das man seit Herbst 2019 ab 13 Euro bei Internet-Versendern kaufen konnte.

Aus Platzgründen zeigen wir aus zahlreichen Mobil-Messungen hier nur die Downloads, und auch nur jene im schnellen 5GHz Band: Dabei wird klar: Auf kurze Distanz zwischen Laptop und Fritz!Box ist die AVM 6660 richtig schnell, nämlich über 1300 Mbps im Messpunkt 1 und über 1000 Mbps im Messpunkt 2. Das hat zuvor noch keine Fritz!Box geschafft. Hätte sie keinen 2,5 Gigabit-LAN-Port, ginge die Geschwindigkeit oberhalb von 1000 Mbps im verbauten LAN-Switch gleich wieder verloren.

Wi-Fi-5-11ac-Laptop im Speedtest mit der AVM 6660

Im nächsten Test schickten wir einen preiswerten Asus-14-Zoll-Laptop, einen ASUS VivoBook 14 F407MA, Baujahr 2019, ins Rennen. Der hatte ab Werk ein 1-Stream-11ac-Wi-Fi-5-Funkmodul der Marke Qualcomm Atheros QCA9377 Wireless Network Adapter unter der Haube.

Im 2,4-GHz-Band hat sich das Qualcomm-Modul mit der AVM 6660 Cable per WPA2-Security verbunden. Im 5-GHz-Band hat es sogar schon WPA3 gemeldet. Ersteres machte uns noch nicht restlos glücklich, denn eigentlich sollte WPA3 auf beiden Bändern klappen. In solchen Fällen empfiehlt sich eine gewisse Hartnäckigkeit sowie gelegentliche Versuche der Art: QCA-Treiber updaten, Profildaten der Verbindung auf dem Laptop löschen, und dann die WLAN-Verbindung erneut aufbauen. An der AVM FRITZ!Box 6660 Cable kann es kaum liegen, weil diese mit anderen Rechnern auch bei 2,4 GHz das neue WPA3 beherrscht. QCA steht für Qualcomm Atheros. Die beste Messung brachte Spitzen bis zu 374 Mbps im Upload. Damit haben wir den Beweis erbracht: Die AVM 6660 ist auch rückwärts-kompatibel zu Wi-Fi-5-11ac.

Wi-Fi-4-11n-Laptop im Speedtest mit der AVM 6660

Ein robuster Dell Latitude E6520 Laptop, 15 Zoll, Baujahr 2012, funkte 2020 und auch 2021 noch immer wacker mit seinem originalen Intel Centrino Ultimate-N 6300 AGN Wireless LAN Modul, und zwar die WLAN-Normen 802.11a/g/n. Mit zwei parallelen 11n-Strömen zu je 150 Mbps schafft der 11n-Dell aus dem Jahre 2012 maximal 300 Mbps Brutto. Seit 2019 sagt man zu 11n auch Wi-Fi 4. Mit der Wi-Fi-6-Fritz!Box-6660 hat sich der Unkaputtbare problemlos im 2,4 und im 5 GHz Band verbunden. Allerdings nicht mit WPA3, sondern mit dem damals modernsten Sicherheits-Standard WPA2. Aus Platzgründen zeigen wir hier nur die beste Messung: Netto-Spitzen bis zu 211 Mbps im Upload via 5 GHz – siehe Abbildung 30.

Fazit zum 11n-Laptop: Die Werte sind alle recht nahe am Maximum für 2x2-11n-WLAN. Mehr als 40 MHz Kanalbandbreite beherrscht der 11n-Laptop nicht. Insofern hat er sein Optimum aus der Fritz!Box 6660 Cable herausgeholt. Womit bewiesen wäre: Die Wi-Fi-6-Box versteht auch Wi Fi 4.

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Wi-Fi-6-11ax-Smartphone im Test mit der AVM 6660

Die Smartphones Samsung Galaxy S10, S10e und S10+ kamen schon im Frühling 2019 mit 11ax-Wi-Fi 6 bis 1200 Mbps Brutto auf den Markt. Im Sommer 2019 wurden die noch etwas größeren Phablets der Gattung Samsung Galaxy Note10 und Note10+ mit Stift-Bedienung und ansonsten fast identischen 11ax-Wi-Fi-6-Funkmodulen lieferbar. Auch noch im Mai 2021 gehört das Samsung Galaxy Note10+ nach wie vor zu den schnellsten 11ax-Wi-Fi-6-Smartphones.

In unseren Tests haben sich das S10+ und das Note10+ schnell und klaglos mit der AVM FRITZ!Box 6660 Cable verbunden. Die von Android-10 jeweils attestierte Netzgeschwindigkeit ging bis maximal 1,2 Gbps: Das ist Wi-Fi 6 im Modus VHT80 mit 80 MHz Kanalbandbreite. Die AVM 6660 Cable könnte den Smartphones auch VHT160 anbieten, also 160 MHz Kanalbandbreite, wie die Messungen mit den Wi-Fi-6-Rechnern weiter oben zeigen. Das Speed-Limit von 1,2 Gbps Brutto wird also von den Smartphones durch VHT80 gesetzt, und nicht von der Fritz!Box 6660 Cable.

Die von der Fritz!Box in das Handy eingespielten Infos melden als maximal mögliche Brutto-Datenraten 1201 Mbps beim Senden, und auch beim Empfangen, also ebenfalls 1,2 Gigabit, wie von Android 10 gemeldet. Die aktuelle Datenrate lag aber oft bei 720 Mbps, so auch im Screenshot aus Abbildung 33.

Laut Diagnose der AVM 6660 Cable arbeiten die ausprobierten 10er-Galaxy-Handys mit 2-Stream-11ax und nutzen dabei Kanalbandbreiten bis zu 80 MHz. Zum Vergleich: Die Intel AX200-Funkmodule in den zwei Dell-Workstations und in den 11ax-aufgebohrten Notebooks skalieren auf Kanalbandbreiten bis zu 160 MHz hoch. Entsprechend liegen deren maximale Brutto-Datenraten nicht bei 1200, sondern bei 2400 Mbps.

Um es flapsig-bildlich auszudrücken: Je breiter die Straßen in der Luft, desto mehr Verkehr kann darin fließen. Das gilt aber nur, sofern die lieben Nachbarn nicht die gleichen WLAN-Straßen im begrenzten Luftraum wegschnappen und dadurch für eine Reduzierung der möglichen WLAN-Höchstgeschwindigkeiten sorgen. Wie man im Screenshot ebenfalls sieht, unterstützen die Samsung-Galaxy-10er-Handys auch die Mesh-und-Roaming-relevanten Standards 802.11k und 11v, genau wie die AVM 6660 Cable.

Jüngster Security-Level WPA3

Die Fritz!Box 6660 Cable bietet ihren WLAN-Clients neben dem bisherigen Security-Level WPA2 auch schon den verschärften Level WPA3 an. Der hier getestete Dell-11ax-Tower, die jüngeren Laptops, und die Samsung-Galaxy-10er-Modelle konnten sich auch schon 2020 per WPA3 mit der AVM FRITZ!Box 6660 Cable verbinden. Nur der robuste 11n-Dell-Laptop aus dem Jahre 2012 hat mit seinem Original-Intel-11a/g/n-Funkmodul noch keine Lust auf WPA3 signalisiert. Der macht noch WPA2.

Stromwerte Fritz!Box 6660

Die Leistungsaufnahme der AVM 6660 lag im Standby, bei eingeschalteten WLAN und einem über 5 GHz verbundenen WLAN-Endgerät, bei 13,5 Watt. Nach Abschaltung des WLAN, etwa nachts, ging sie auf 12,4 Watt zurück. Bei intensiven Durchsatztests hat sie maximal 17,66 Watt aus der 230-Volt-Dose gezogen.

Repeater-Bedarf in der Wi-Fi-6-Ära

Die Wander-Messungen durch fünf Räume zeigen: Auch Wi-Fi 6 alias 802.11ax kann die Gesetze der Funk-Physik nicht außer Kraft setzen. Gerade im 5-GHz-Band kommt zwar viel Speed auf kurze Distanz im selben Raum, in dem die 11ax-Basis-Station steht, aber sobald Hindernisse wie Stahlbetonwände und Decken zwischen 11ax-Basis und 11ax-Client liegen, geht der Durchsatz schnell nach unten.

Daraus kann man die Erkenntnis ziehen: Auch im Wi-Fi-6-Zeitalter wird man für große Wohnungen, Praxen, Büros, oder ganze Häuser auch weiterhin WLAN-Repeater oder WLAN-APs brauchen. Es sei denn, man hat eine gute CAT.6-7-8-LAN-Verkabelung bis in alle Räume: Dann kann man mit WLAN-Access-Points an der 1.000-oder-10.000-Megabit-LAN-Buchse fast immer ein besseres Ergebnis als mit reinen WLAN-Repeatern erzielen.

Ob die bisherigen Wi-Fi 5 alias 11ac-Repeater von AVM mit der jüngeren 11ax-Fritz!Box voll kompatibel sind, und wie viel Leistung sie angesichts der zwei verschiedenen WLAN-Normen 11ac und 11ax im Master-Repeater-Gespann bringen, haben wir noch nicht getestet.

Fazit: Flottes WLAN – auf kurze Distanz

PRO: Die AVM Fritz!Box 6660 Cable war beim Marktstart im Februar 2020 ganz klar die stärkste Fritz!Box: Wi-Fi 6 bis 2400 Mbps, LAN-Port bis 2,5 Gigabit und Kabel-Internet-Modem bis DOCSIS-3.1 bilden ein stimmiges Paket. Dazu kommen die herkömmlichen Tugenden einer guten FRITZ!Box, etwa: DECT-Telefonie für bis zu sechs DECT-Handsets, sehr schöne WLAN-Software samt Netzwerk-Grafik, Mesh und WPA2/WPA3-Security. Ein UVP von 229 Euro wirkt für so eine funktionsreiche All-In-One-Kommunikations-Zentrale moderat. Beim Eintritt in das Wi-Fi-6-Zeitalter ist AVM damit ein guter Wurf gelungen. Im Test hat sich die 6660 seit 15 Monaten tatsächlich täglich sehr gut bewährt.

CONTRA: Sehr flottes WLAN auf kurze Distanz ist ja schön, aber kaum Durchsatz im fünften Testraum heißt: Mittelprächtige WLAN-Reichweite! Die lässt sich allerdings mit Repeatern oder Profi-Access-Points jederzeit erweitern. Nicht kompensierbar jedoch: Kein ISDN-Port! Kein USB 3.0! Wer genau das braucht, ist mit der Wi-Fi-5-Kabelbox AVM 6591 besser dran.

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Über den Autor

Dr. Harald Karcher

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Journalist