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Technik und Gesellschaft Autofahrer gefährden sich durch das Smartphone am Steuer

| Autor / Redakteur: Franz Graser / Ira Zahorsky

81 Prozent der Autofahrer unter 24 Jahren nutzen ihr Mobiltelefon am Steuer, etwa um nachzusehen, ob sie eine Textnachricht erhalten haben oder um ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Verkehrswacht und des Automobilclubs Verkehr (ACV).

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Für viele Autofahrer alltäglich: Der Gebrauch des Mobiltelefons im Straßenverkehr. Obwohl die Handy-Nutzung am Steuer ohne Freisprecheinrichtung eine Ordnungswidrigkeit darstellt, telefonieren oder simsen 64 Prozent der Deutschen zumindest hin und wieder am Steuer.
Für viele Autofahrer alltäglich: Der Gebrauch des Mobiltelefons im Straßenverkehr. Obwohl die Handy-Nutzung am Steuer ohne Freisprecheinrichtung eine Ordnungswidrigkeit darstellt, telefonieren oder simsen 64 Prozent der Deutschen zumindest hin und wieder am Steuer.
(Bild: Pixabay)

Rund zwei Drittel (64 Prozent) aller Autofahrer nutzen ihr Smartphone oder Mobiltelefon zumindest hin und wieder am Steuer. Noch mehr (71 Prozent) sehen häufig oder sogar sehr häufig andere Verkehrsteilnehmer, die dies tun.

Diese Zahlen zeigen, dass riskantes Verhalten im Verkehr für viele bereits Normalität darstellt. Die Mehrheit der Autofahrer gibt dies auch selbstkritisch zu: 20 Prozent fühlen sich bei der eigenen Smartphone-Nutzung „sehr stark“ und 40 Prozent „stark“ abgelenkt. Dies besagt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des ACV Automobil-Club Verkehr und der DVW Deutschen Verkehrswacht.

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Die jungen Autofahrer bis 24 Jahre, die von allen Verkehrsunfallstatistiken als Hochrisikogruppe ausgewiesen werden, gehören zu den fleißigsten Nutzern des Mobiltelefons während des Autofahrens. Sie befinden sich dabei laut der Forsa-Umfrage in der Gesellschaft der jüngeren Autofahrer bis unter 45 Jahren.

Bis zu diesem Alter nutzen 81 Prozent das Smartphone zumindest hin und wieder während der Autofahrt – zum Beispiel zur Navigation, zum Nachsehen und Lesen, ob jemand angerufen oder eine Textnachricht geschrieben hat, zur Annahme von Anrufen (ohne Freisprecheinrichtung).

Außerdem wird das Telefon auch genutzt, um selbst Anrufe zu tätigen (ohne Freisprecheinrichtung) oder eine Textnachricht zu tippen. Die bis 29-Jährigen nutzen es auch sehr gern zur Musikauswahl (31 Prozent).

Erst ab 60 Jahren aufwärts wird das Handy entbehrlich

Erst Autofahrern ab 60 Jahren scheint das Mobiltelefon am Steuer entbehrlich zu sein. Hier sind es nur noch 38 Prozent, die angeben, es während des Autofahrens zumindest hin und wieder zu nutzen, dabei meist (19 Prozent) zur Navigation oder um nachzusehen, ob jemand geschrieben oder angerufen hat (15 Prozent). Auf eine pro-aktive Nutzung verzichten die meisten Autofahrenden Senioren.

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Von den Autofahrern, die zumindest hin und wieder das Smartphone oder Mobiltelefon am Steuer nutzen, gebrauchen es 62 Prozent im Stau oder im zäh fließenden Verkehr und 56 Prozent beim Warten an der roten Ampel.

Allerdings nutzen auch 17 Prozent das Telefon bei Fahrten auf der Autobahn, 14 Prozent bei Fahrten auf der Landstraße und zwölf Prozent im Stadtverkehr.

Auf die Frage, ob es Situationen gibt, in denen die Autofahrer auf Mobiltelefon-Nutzung am Steuer verzichten würden, gaben 89 Prozent an, ihr Smartphone auf keinen Fall bei schlechten Witterungsverhältnissen wie Schnee oder Starkregen zu nutzen, je 85 Prozent verzichten darauf an großen Kreuzungen oder im dichten Straßenverkehr, 80 Prozent vermeiden es, wenn ein Kind im Auto sitzt und 79 Prozent beim Vorbeifahren an sozialen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen oder Krankenhäusern.

Erschreckend: Der Gebrauch wird nicht konsequent ausgeschlossen, wobei die Risikobereitschaft bei den Autofahrern unter 45 Jahren zudem mitunter größer ist als bei den Befragten über 45 Jahren: Die Nutzung ihres Mobiltelefons würden beispielsweise im dichten Straßenverkehr 18 Prozent der bis 45-Jährigen und neun Prozent der über 45-Jährigen nicht ausschließen, mit einem Kind im Auto liegen die Jüngeren bei 19 Prozent (über 45 Jahre: 12 Prozent), beim Vorbeifahren an sozialen Einrichtungen 24 Prozent (über 45 Jahre: 13 Prozent), bei Dunkelheit 29 Prozent (über 45 Jahre: 21 Prozent), mit anderen Personen im Auto bei 35 Prozent (ab 45 Jahren: 26 Prozent), auf der Autobahn 34 Prozent (ab 45 Jahren: 31 Prozent) und auf der Landstraße 42 Prozent (ab 45 Jahren: 41 Prozent).

60 Prozent der Handy-Nutzer am Steuer fühlen sich stark abgelenkt

Wenn sie beim Autofahren ihr Smartphone oder Mobiltelefon benutzen, fühlen sich 20 Prozent der Befragten „sehr stark“ und weitere 40 Prozent „stark“ abgelenkt. Diejenigen, die sich nicht so stark oder gar nicht abgelenkt fühlen, nutzen ihr Telefon während der Fahrt vielfältiger als diejenigen, die dies als starke Beeinträchtigung erleben.

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Trotz des individuellen Gefühls des Abgelenktseins geben nur elf Prozent an, durch die Nutzung schon einmal einen Fahrfehler begangen zu haben; gerade 5 Prozent sind nach den Angaben in eine kritische Situation geraten. Bei der Nachfrage nach verschiedenen Verkehrssituationen zeigt sich allerdings ein etwas anderes Bild: So haben 25 Prozent schon einmal wegen der Mobiltelefonnutzung am Steuer zu spät gesehen, dass die Ampel wieder grün ist.

Zwölf Prozent sind schon einmal von der Fahrspur abgekommen und jeweils zehn Prozent haben spät oder zu spät bemerkt, dass das Auto vor ihnen gebremst hat, oder haben eine Geschwindigkeitsbegrenzung übersehen. Über 60 Jahre alte Autofahrer geben seltener als die jüngeren an, dass sie schon einmal eine dieser Erfahrungen gemacht haben.

Angesichts der Umfrage-Ergebnisse zeigt sich, wie notwendig der jüngste Vorstoß von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt war, das Handyverbot am Steuer auf Tablets und Fotoapparate auszuweiten. Um der Gefahr energischer entgegenzuwirken, würden sowohl ACV als auch die deutsche Verkehrswacht zudem weitere Schritte begrüßen, beispielsweise konsequente Kontrollen und eine noch breitere Aufklärungskampagne, besonders für die jüngere Zielgruppe der Autofahrer und Mobiltelefonnutzer.

Für die repräsentative Forsa-Befragung zum Thema „Nutzung von Smartphones bzw. Mobiltelefonen im Straßenverkehr“ wurden im Auftrag des ACV Automobil-Club Verkehr und der DVW Deutschen Verkehrswacht zwischen dem 3. und dem 9. August 2016 insgesamt 1.509 Personen befragt.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem Partnerportal Elektronikpraxis.

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