Executive Summit 2012 Auf der Suche nach den Wertschöpfungstreibern der Zukunft

Redakteur: Sarah Gandorfer

Der diesjährige Executive Summit fand in Schloss Fuschl in der Nähe von Salzburg statt. Hier trafen sich die führenden IT-Dienstleister, Hersteller und Distributoren, um zu diskutieren, wo die Wertschöpfungsmöglichkeiten heute und in Zukunft bei der IT liegen.

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Das Feedback der Teilnehmer war durchweg sehr positiv - die meisten freuen sich bereits auf das nächste Jahr.
Das Feedback der Teilnehmer war durchweg sehr positiv - die meisten freuen sich bereits auf das nächste Jahr.

Ein geradezu märchenhaftes Ambiente bot Schloss Fuschl, in dem zum Teil die berühmten „Sissi-Filme“ gedreht wurden, für den achten Executive Summit. Mit seiner Lage am smaragdgrünen Fuschl-See beherbergt das Schloss seit 1450 Erzbischöfe, Kaiserinnen, Filmstars und nun eben auch die hochkarätigen Köpfe der deutschen IT-Branche.

Dieses Mal hatten die Veranstalter Daniela Schilling, Leiterin der IT-BUSINESS Akademie, und Werner Nieberle, Geschäftsführer bei Vogel IT-Medien, auch Vertreter der vertikalen Märkte eingeladen. Ziel war es, nicht nur die Technologien an sich im Fokus zu haben, sondern branchenweit über den Tellerrand zu schauen. Das Motto des Gipfeltreffens lautete „Technology Drives Profit? – Auf der Suche nach den Wertschöpfungstreibern der Zukunft“.

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Fixsterne im IT-Universum

In seinem Eröffnungsvortrag „Fixsterne und Planeten im IT-Universum“ gab Dr. Friedrich Froeschl einen Überblick über die Geschichte der IT. Dabei zeigte er auf, dass sich im Laufe der Jahre nicht nur die Technik, sondern auch das Geschäft damit verändert hat. Froeschl konnte den Wechsel in seinen unterschiedlichen, internationalen Management-Positionen im ITC-Sektor, die er seit 1979 innehatte, live mitverfolgen. Von der proprietären IT der 80er-Jahre ist fast nichts mehr übrig geblieben. Stand in den 90er-Jahren die Hardware im Vordergrund ist es heute der Content. „Geschäftsmodelle, die heute profitabel erscheinen, müssen es morgen nicht mehr sein“, mahnt Froeschl. „Es gibt immer wieder neue Player am Markt, zum Beispiel China.“

Auch der nachfolgende Keynotespeaker, Prof. Dr. Martin Welsch, schlug mit seinem teils auf komplexe physikalische Theorien eingehenden und dennoch kurzweiligen Vortrag, in eine ähnliche Kerbe. Er betrachtete die „IT aus 100 Kilometern Abstand – ein Blick auf die (Vergangenheit und) Zukunft“. Früher gab es einen Rechner für viele Leute, heute gibt es viele Rechner für einen Menschen.

„Wir leben in exponentiellen Zeiten, doch der Skalen-Effekt, um etwas vorher zu sagen, funktioniert nicht mehr“, warnt Welsch. Er zeigt das am Beispiel der zivilen Luftfahrt. Seit den Flügen der Gebrüder Wright zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Geschwindigkeit der Flugzeuge exponentiell gesteigert – zumindest bis 1980, dann nämlich schaffte es außer der Concord kein ziviles Flugzeug mehr, die Schallmauer zu durchbrechen. Entsprechend werde auch die IT in der jetzigen Form irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Seine These für die nächsten Jahre: „Die IT wird unsichtbarer und kognitiv“.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr, über Mickey-Mouse-EDV und was die Branchen-Vertreter zu sagen haben.

Mickey-Mouse-EDV

Genau das fürchtet Herbert Bockers, CEO von Dimension Data, ein wenig in seinem Impuls-Statement: „Das bedeutet die reine Mickey-Mouse-EDV: Alles wird so einfach, dass wir als Systemintegratoren kein Geld daran verdienen.“ Oliver Tuszik, CEO bei Computacenter, findet, dass die Basis-IT-Dienste nicht als wertschöpfend erachtet werden.

Die Frage sei demnach, wie ein IT-Dienstleister dem Geschäftskunden bei Effektivität, Logistik und Engergiesparen helfen kann. „Die IT-Chefs wollen sich nicht um die IT kümmern. Deshalb müssen wir dem Kunden helfen, die IT in die eigenen Rechenzentren oder in die von Google und Co. zu bringen. Das braucht Beratung“, sieht Tuszik durchaus eine Lebensberechtigung für Systemhäuser. „Auch das Thema ‚Bring your own device‘ braucht Beratung.“ Informationstechnik werde künftig anders genutzt als in der Vergangenheit. Unternehmen suchten in ihr den Mehrwert, um ihren Kernkompetenzen in Ruhe nachzugehen.

Branchenvertreter

Dass Beratung bei der IT gefragt ist, zeigten die Branchenvertreter. So erklärte Hagen Hupperts, Projektleiter PDMS Anästhesie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, welche IT-Herausforderungen an einem Universitätsklinikum herrschen. Er gab dabei Einblick in Prozess-, Workflow- und mobile Anwendungsszenarien. Letztere erleichtern Ärzten, Entscheidungen direkt am Bett des Patienten zu treffen, da alle Daten mobil vorhanden sind. Zudem ging er auf In-Memory und Anwendungsfelder speziell an der Charité ein. Aber auch Green IT spielt im Krankenhaus eine Rolle.

Welche Bedeutung die Informationstechnik im Bereich Government hat, legte der sächsische Staatssekretär Dr. Wilfried Bernhardt, in seinem Vortrag „Moderne Bürgerdienste, integrierte Verwaltung, verlässliche Infrastrukturen – Technologien für die öffentliche Verwaltung der Zukunft“ dar. In Sachsen werden bereits testweise so genannte Bürger-Terminals an vielfrequentierten Orten wie auf dem Postamt eingerichtet. Hier kann der Bürger per Videokonferenz mit den möglicherweise weiter entfernten Ämtern in Kontakt treten.

„Der demographische Wandel macht auch vor den Amtssstuben nicht Halt. Auch wir erleben durch Altersabgänge einen Fachkräftemangel“, erläutert Bernhardt zudem. „Entsprechend muss die IT eine Erleichterung der Arbeitsprozesse schaffen, beispielsweise durch elektronische Aktenführung.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie es in der Automobil-Industrie aussieht und was gegen Fachkräftemangel getan wird.

Des Deutschen liebstes Kind

Dr. Andreas Hirning, Partner bei Mieschke Hofmann und Partner, führte aus, warum die Automobilindustrie die IT-Kosten als Investition in die Zukunft sieht. Dabei stellt er gleich zu Anfang seines Vortrages fest: „Das liebste Kind des Deutschen ist nicht mehr sein Auto, sondern sein iPad, iPhone oder seine Uhr.“ Auch wenn das Beratungsunternehmen, für welches er tätig ist, eine Porsche-Tochter ist, so berät es doch Marken-unabhängig. „Wir verstehen uns als Prozesslieferant für die Automobil-Indus-trie: vom Hersteller über den Zulieferer bis hin zum Händler“, erklärt Hirning. „Früher war unser größter Wettbewerber T-Systems, aber mittlerweile sind wir einzigartig.“ Bei einem 40.000 Euro teuren Auto betragen die IT-Kosten gerade einmal 125 Euro, legt Hirning zudem offen.

Sein Vorredner Hupperts stellt am Ende des Statements einen wichtigen Unterschied zwischen der Automobil-Industrie und Krankenhäusern heraus: In einer Klinik werden die Endgeräte alle fünf Jahre erneuert, ein Auto muss länger halten. Nach so viel Input gab es beim Abendessen, bei dem österreichische Spezialitäten serviert wurden, noch eine Reihe von angeregten Diskussionen bei Tisch. Diese rissen auch in der gemütlicher Runde an der Hotelbar nicht ab.

Erfolg und Fachkraft

Obwohl am nächsten Tag die Teilnehmer scherzend überlegten, aufgrund des Sonnenscheins lieber eine Runde um den See zu gehen als sich in den Konferenzraum zu begeben, fanden sich dort alle pünktlich um 9 Uhr zur zweiten Runde ein.

Hauptthemen am Freitag waren Strategien für den Unternehmenserfolg und die Personalsuche. Die Keynote zum Start des Tages lieferte Dr. Olaf Plötner, von der European School of Managment and Technology, mit „Counter Strategies für den Unternehmenserfolg“. Dabei ging er auf die Verschiebung im globalen Wettbewerb ein. „Je einfacher ein Produkt ist, desto schneller kann es nachgebildet werden, und das machten Länder wie China“, erklärte Plötner. „Komplexität ist also eine Chance für Unternehmen, erfolgreich zu sein.“ Als Beispiel nannte er das Konzept der Unternehmensberatung McKinsey, deren komplexe Struktur sich nur schwer nachahmen lasse. Die Technik eines Auto könne jedoch recht schnell kopiert werden.

Die zweite Keynote hielt Prof. Dr. Heinrich Wottawa von der Ruhr-Universtiät Bochum. Dort befasst er sich mit computergestützter Diagnostik, insbesondere mit der Erstellung von E-Assessment-Instrumenten sowie den automatisierten Entscheidungsregeln bei der Beratung und Auswahl von Bewerbern. Er sprach über „Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – Möglichkeiten zur Identifikation von IT-Spezialisten mit Führungspotenzial“. Einem Thema, dem die Anwesenden gespannt lauschten. Stellte sich doch in der anschließenden Diskussion heraus, dass nahezu jeder Teilnehmer nach fähigen Mitarbeitern sucht. Dabei betonte Wottawa: „Fachkenntnisse können erlernt werden, aber nicht die Softskills. Deshalb sollten Unternehmen lieber ihre Bewerber nach den vorhandenen Softskills auswählen.“

Ausklang

Den Ausklang der Veranstaltung machte ein Mittagessen auf der Seeterrasse bei strahlendem Sonnenschein. Alle Teilnehmer waren begeistert, und die meisten von ihnen erklärten bereits jetzt, dass sie auch im nächsten Jahr wieder mit dabei sind.

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