Ingram Micro im Umbruch Auf dem Weg zum Cloud-Distributor

Autor Michael Hase

Mit der VVV-Strategie hat sich Ingram Micro zu einem Distributor für Rechenzentrums- und Speziallösungen weiterentwickelt. Seit dem vergangenen Jahr widmet sich das Unternehmen mit Hochdruck dem Cloud-Geschäft und hat dafür in Deutschland die Weichen gestellt. Darüber hinaus baut der Broadliner sein Angebot an Lifecycle-Services aus.

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Cloud Computing zählt nach eigenem Bekunden zu den Grundpfeilern der Strategie von Ingram Micro.
Cloud Computing zählt nach eigenem Bekunden zu den Grundpfeilern der Strategie von Ingram Micro.
(Bild: © Octavus - Fotolia)

Der Distributionsmarkt dreht sich wie lange nicht mehr. Mit Cloud Computing etabliert sich eine neue Art der IT-Nutzung, die das Handelsgeschäft von Grund auf verändert. Auch wenn Unternehmen ihre IT heute noch weitgehend lokal betreiben – der Anteil der Systeme und Anwendungen, die am Ende ihres Lebenszyklus‘ nicht mehr ersetzt, sondern durch Services aus der Cloud abgelöst werden, steigt zusehends. Mittlerweile hinterlässt diese Entwicklung sichtbare Spuren in den Büchern der IT-Großhändler.

Eng verbunden mit der Cloud ist die wachsende Verbreitung mobiler Endgeräte, mit denen Nutzer auf zentral bereitgestellte Daten und Anwendungen zugreifen. Dadurch hat der PC seine Rolle als führendes Device verloren. Unter der anhaltenden Absatzkrise des Produkts, die vor sieben, acht Jahren einsetzte und auf andere Kategorien ausstrahlte, litten und leiden Fachhandel und Distribution gleichermaßen. Kurze Phasen der Erholung wie etwa 2014, als die Nachfrage ­wegen des sogenannten XP-Effekts vorübergehend anstieg, änderten daran wenig.

Diese Dynamik muss den weltgrößten IT-Distributor, Ingram Micro, im Kern betreffen. Ein Anzeichen dafür sind die deutlichen Einbußen beim Umsatz, der im vergangenen Jahr um rund 3,5 Milliarden auf 42 Milliarden Dollar einbrach. Allein in Europa ging der Umsatz des Broadliners um zwei Milliarden auf 12,2 Milliarden Dollar zurück. Für Deutschland nennt das Unternehmen keine Zahlen. Aber auch hierzulande sank der Umsatz, wie Ernesto Schmutter, Chief Executive Germany bei Ingram Micro, im Gespräch mit IT-BUSINESS bestätigt. Der Manager begründet die Umsatzeinbußen mit der negativen Entwicklung auf dem PC-Markt und mit den Veränderungen des Software-Geschäfts.

SaaS statt Lizenzen

Ähnliche Tendenzen lassen sich bei Wettbewerbern von Ingram Micro erkennen. So weist der Geschäftsbericht von Also für 2015 bei Desktop-PCs einen Rückgang um 13,7 Prozent und bei Software und Lizenzen einen Rückgang um 9,8 Prozent aus. Die Einbußen im Lizenzgeschäft erklärt der europäische Distributor damit, dass er sich inzwischen stärker auf Software as a Service (SaaS) als Bereitstellungsmodell konzentriert. Tatsächlich hat sich das Unternehmen seit 2012 dahingehend ausgerichtet und in seinen Kernmärkten seit Ende 2014 mehrere Cloud-Plattformen gelauncht.

Cloud Computing sieht man auch bei Ingram Micro nicht als Bedrohung an. Vielmehr beschäftigt sich der Konzern seit einigen Jahren intensiv mit dem Paradigma. Dabei investierte der Broadliner massiv in Technologien zum Aufbau von Cloud-Plattformen. So übernahm er im Herbst 2013 den kanadischen Service-Provider Softcom, dessen Cloud-Marktplatz auf der Automatisierungstechnologie von Parallels basierte. Im Jahr darauf erwarb der Distributor mit dem spanischen Software-Haus SofCloudIT ein spezialisiertes Entwicklerteam.

Ende 2015 kaufte Ingram Micro schließlich Odin, die Parallels-Sparte für Cloud-Automatisierung. Bereits im Frühjahr 2014 hatte sich der Konzern finanziell an dem Software-Anbieter beteiligt, um sich den Zugriff auf intellektuelles Eigentum zu sichern. „Cloud Computing sehen wir als zentralen Pfeiler unserer Strategie an“, betont Deutschland-Chef Schmutter (siehe Interview).

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