Neueste Fakten zu Intels Sandy-Bridge-Debakel Auch Chipsätze für Notebooks und Server defekt

Redakteur: Harry Jacob

Für Intel kommt es immer schlimmer. Inzwischen musste der Chipriese eingestehen, dass nicht nur Desktop- und Mobile-Chipsätze betroffen sind, sondern auch die C200-Modelle, die auf Mainboards für den Xeon E3-1200 zum Einsatz kommen – deren Verkauf nun erst einmal zurückgestellt ist.

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Der Konstruktionsfehler bei den Chipsätzen der Intel-6-Serie wird Intel mindestens eine Milliarde Dollar kosten!
Der Konstruktionsfehler bei den Chipsätzen der Intel-6-Serie wird Intel mindestens eine Milliarde Dollar kosten!
( Archiv: Vogel Business Media )

Inzwischen hat Intel klargestellt: das Problem an der SATA-II-Schnittstelle betrifft alle Cougar-Point-Chipsätze. Auf dem Markt sind die Desktop-Modelle P67, H67, PH67 und P65 zu finden, außerdem die Mobile-Varianten HM65 und HM67, die in zahlreichen Notebooks verbaut sind.

Darüberhinaus sollten in den nächsten Tagen neue Xeon-Mainboards mit der Chipsatz-Familie C200 erscheinen. Auch diese basiert auf dem Cougar-Point-Design und ist von dem Defekt betroffen. So dürfte sich die Einführung von Servern und Mainboards mit den Sandy-Bridge-Xeons E3-12XX nun um etliche Wochen verzögern.

Damit ist das Problem größer als bislang bekannt. Insgesamt acht Millionen Chipsätze waren bereits produziert. Zwar soll der Fehler nur bei wenigen Prozent der Chipsätze auftreten – doch man kann nicht feststellen, welche Bausteine betroffen sind und welche den Fehler, der nur schleichend zu Tage tritt, in sich tragen. So muss vermutlich die gesamte bisherige Produktion eingestampft werden.

Gespräche erst am Anfang

Zudem wurden offenbar viele Marktteilnehmer von der Nachricht über den Defekt kalt erwischt, obwohl Intel in seiner Bekanntgabe davon gesprochen hatte, man sei mit den Rechner- und Mainboard-Herstellern bereits in Gesprächen. Einige Gesprächspartner dürften derzeit schwer zu erreichen sein: Am 3. Februar beginnt für die Chinesen das neue Jahr, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – nicht nur im Reich der Mitte und in Taiwan, sondern auch in den benachbarten Staaten, in denen zahlreiche Chinesen leben. Das neue Jahr steht übrigens im Zeichen des Metall-Hasen, der neben vielem anderen auch für leicht verdientes Geld sorgen soll.

Der aktuelle Stand, so Intel gegenüber IT-BUSINESS, ist folgender: „Intel hat bereits damit begonnen, Details zum genauen Ablauf mit den Herstellern zu besprechen. Diese Verhandlungen werden in den nächsten Tagen andauern. Konkrete Austausch-Maßnahmen können von Hersteller zu Hersteller variieren. Kunden, die einen betroffenen PC mit Intel-6-Series Express Chipset gekauft haben, sollten sich aber direkt an den Hersteller ihres PCs wenden. Dieser wird bis dahin über weitere Details Bescheid wissen.“

Erste Hersteller-Reaktionen

So herrscht derzeit auf breiter Front Unklarheit über die Auswirkungen auf den Handel. IT-BUSINESS hat zahlreiche Hersteller und Distributoren angefragt – doch bislang konnten erst wenige eine Antwort geben. Erste Aussagen, über die wir schon berichtet hatten, finden Sie im folgenden Kasten. Der Tenor: Die Hersteller basteln zusammen mit Intel noch an der Lösung.

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Die jüngste Nachricht kommt von Alternate: der Online-Shop des Lindener Versenders hat sämtliche Mainboards mit dem Sockel 1155 aus dem Programm genommen. Diese sind jeweils mit den Chipsatz-Varianten P67 und H67 ausgestattet.

Gigabyte hat die Auslieferung weiterer Sandy-Bridge-Mainboards gestoppt. Einen allgemeinen Rückruf gegenüber Kunden oder Distributoren habe man nicht ausgesprochen, dementiert der Hersteller aufkommende Gerüchte. Man sei mit Intel in Verhandlungen über weitere Schritte.

Für Fragen im Zusamenhang mit dem Chipsatz-Fehler hat Gigabyte die Mailadresse sandybridge@gigabyte.de eingerichtet. Der Hersteller empfiehlt Kunden, nicht in Panik zu verfallen und auf die erweiterte Garantie zu vertrauen. Nur bei fünf Prozent der Bausteine trete das Problem auf. Sollte das eigene Board darunter sein, könne man es innerhalb von sechs Jahren umtauschen, sofern der Kunde sich nach dem Kauf registriert.

Update: Gigabyte hat den Umtausch der Boards für Ende April angekündigt.

Wie der Leipziger Notebook-Hersteller Schenker und der Notebook-Hersteller reagieren und wie man die Lage bei Actebis Peacock einschätzt, erfahren Sie auf der folgenden Seite.

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