Nach dem Insolvenz-Antrag für die Tiscon-Töchter COS Distribution und E-Logistics Arques prüft rechtliche Schritte gegen neue Tiscon-Eigner

Redakteur: Regina Böckle

Die Insolvenz des Lindener Distributors COS und dessen Logistik-Dienstleister E-Logistics könnte ein juristisches Nachspiel für deren neue Eigner haben. Weshalb, das erklärte der Arques-Vorstand gegenüber IT-BUSINESS.

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Hans Gisbert Ulmke, Vorstand der Arques Industries AG
Hans Gisbert Ulmke, Vorstand der Arques Industries AG
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Krisensitzungen beim Lindener Distributor COS dauern an. Derzeit ringt Tiscon-Vorstand und COS-Chef Jochen Strack mit Vertretern der neuen Tiscon-Eigner KCK, der Greengold AG, um einen Ausweg aus der verfahrenen Situation.

Denn das Angebot der Russen für die Tiscon AG, unter deren Dach die COS Distribution, E-Logistics sowie Chikara, Topedo und Avitos angesiedelt sind, hat sich binnen weniger Tage als Mogelpackung erwiesen. Gestern musste Tiscon-CFO Jochen Strack Insolvenzantrag für COS Distribution und E-Logistics stellen (IT-BUSINESS berichtete).

Die undurchsichtigen Pläne der neuen Eigner und die Tatsache, dass offenbar Vertragsvereinbarungen nicht erfüllt wurden, haben nun auch die Ex-Tiscon-Mutter Arques auf den Plan gerufen.

Arques-Vorstand Hans-Gisbert Ulmke kommentiert gegenüber IT-BUSINESS: „Der Vorstand der Arques Industries AG ist überrascht über die jüngsten Entwicklungen bei der Tiscon AG und deren Beteiligungen COS Distribution und E-Logistics. Die Käufer, die russische KCK Association, die in Deutschland durch die Greengold AG und die KCK Ökologie GmbH vertreten ist, und weitere Investoren haben im Rahmen der in der vergangenen Woche vollzogenen Transaktion ausdrücklich zugesagt, das operative Geschäft der übernommenen Gesellschaften aktiv fortzuführen. Über den Liquiditätsbedarf der Unternehmen waren die Käufer ausdrücklich informiert, sie hatten zugesichert, entsprechende finanzielle Mittel kurzfristig zur Verfügung zu stellen. Arques prüft rechtliche Schritte gegen den Käufer.“

Er wünsche der COS Distribution und der E-Logistics im Rahmen des Verfahrens einen möglichst positiven Verlauf zum Fortbestand der Gesellschaft und zum Erhalt der Arbeitsplätze .

Tiscon war kein „Notverkauf”

Spekulationen, Arques habe möglicherweise die Tiscon-Tochter an den nächst besten Anbieter „verscherbeln“ wollen, um die Insolvenz unter eigenem Dach zu umgehen, weist auch der ehemalige Tiscon- und COS-Chef Michael Krings vehement zurück: „Arques wollte sicherstellen, dass das Geschäft weiter geht und hat die Angebote der Investoren dahin gehend geprüft.“

Krings selbst hatte zwar ein anderes Konstrukt mit einem weiteren Interessenten favorisiert, Arques entschied sich aber für die KCK Association. Dennoch bescheinigt Krings, dass sich die russischen Investoren als erfahrene Unternehmer dargesellt hätten – wenn auch ohne bisherige Berührungspunkte zur IT-Distribution – mit einem nachweislichen Eigenkapital in hoher zweistelliger Millionen-Euro-Größe. In Russland hat KCK rund 50 Firmen erfolgreich saniert, die Gewinne flossen mehrheitlich in den Kauf von Grundstücken.

„Dass sie sich derart verantwortungslos aus ihrer Pflicht entziehen würden, damit hat nun wirklich keiner gerechnet. Unser aller Interesse galt und gilt nach wie vor, der COS eine sichere Zukunft zu ermöglichen.“ Auch die Insolvenz müsse nicht das Aus bedeuten, so Krings, er erkenne für den Distributor nach wie vor eine reelle Chance.

Die bei Greengold für die Tiscon-Übernahme verantwortliche Julija Komarovic wollte sich bislang zu den Vorgängen nicht äußern.

Klar ist allerdings auch, dass Tiscon in einer finanziell eher angespannten Lage war. Denn wie der Zwischenbericht zum ersten Quartal dieses Jahres darlegt, hatte die damalige Tiscon-Mutter Arques ihrer Tochter binnen vier Monaten Darlehen in Höhe von insgesamt 2,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die Liquidität zu sichern und den operativen Beteiligungen der Tiscon eine stabile Geschäftsentwicklung zu ermöglichen. Dabei habe die COS-Distribution – die mit Abstand umsatzstärkste Gesellschaft innerhalb des Tiscon-Konzerns – habe bei deutlich verringertem Umsatz die Gewinnschwelle knapp verfehlt. Die Schwestergesellschaften Topedo und Chikara wiesen Verluste aus. Lediglich die österreichische COS-Distribution habe im ersten Quartal einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Die Lagerbestände des Lindener Distributors wurden im vergangenen halben Jahr deutlich heruntergefahren, weil nicht kalkulierbar sei, wie sich die gesamtwirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten weiter entwickeln würde.

Wie wirkt sich die aktuelle Lage der COS Distribution für Sie als Reseller aus? Diskutieren Sie mit im IT-BUSINESS-Forum.

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