Hat die digitale Revolution in Deutschland nun endlich stattgefunden? Arbeiten vor und während Corona

Autor / Redakteur: Swen Arnold / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Vor einem Jahr hat Corona die Arbeitslandschaft auf den Kopf gestellt. Wie Corona unseren Arbeitsalltag tatsächlich verändert hat, zeigt nun eine Studie, die Umfrageergebnisse aus dem Februar 2020 mit dem Dezember 2020 vergleicht.

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Eine Studie hat Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer detailliert zu ihrer Arbeitssituation befragt – vor und während der Corona-Pandemie.
Eine Studie hat Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer detailliert zu ihrer Arbeitssituation befragt – vor und während der Corona-Pandemie.
(Bild: © whyframeshot - stock.adobe.com)

Trotz der starken Veränderungen durch Corona scheinen sich die Arbeitnehmer in Deutschland inzwischen an die „neue Normalität“ gewöhnt zu haben, auch wenn sie ein durchaus kompliziertes Verhältnis zur Technologie am Arbeitsplatz haben, wie unsere aktuelle Studie State of Work 2021 zeigt [1].

Im Zuge des Umzugs in die eigenen vier Wände wurde oft recht hastig Hard- und Software implementiert, mit der Mitarbeiter remote arbeiten sollten. Jedoch werden sie dabei derzeit nicht immer umfassend bei ihrer Aufgabenbewältigung unterstützt beziehungsweise teilweise sogar daran gehindert. Ein Viertel (23 Prozent) hatte zu Beginn der Pandemie Probleme, der eigenen berufliche Tätigkeit wie gewohnt nachzugehen.

Dies ist nicht nur auf die räumlich veränderte Arbeitssituation zurückzuführen, sondern betrifft auch den Einsatz neuer Geräte und Software. Das Problem: Zumeist nutzt jede Abteilung ihre eigenen Geräte und Software-Lösungen, ohne einen umfassenden Unternehmensblick zu berücksichtigen. Wenn Arbeit jedoch komplexer wird und mehrere Teams involviert sind, erschweren es solche technischen Silos, untereinander in Verbindung zu bleiben und sich über den aktuellen Status auf dem Laufenden zu halten. Denn wichtige Kommunikation fällt weg – auch auf der zwischenmenschlichen Ebene. Daher ist es nicht überraschend, dass Mitarbeitern in Deutschland im Homeoffice besonders der zwischenmenschliche Kontakt fehlt.

Mitarbeiter in Deutschland verlassen sich mehr auf die Technik

Seit dem Umzug ins Homeoffice müssen sich die Arbeitnehmer mehr denn je auf Technik verlassen, um weiterhin produktiv zusammenzuarbeiten und ihre Arbeit bestmöglich zu erledigen. Dementsprechend hat auch die Wichtigkeit der technischen Ausstattung, mit einem Plus von 5,5 Prozent gegenüber Prä-Corona, deutlich zugenommen. Besonders in der Art, wie und wozu Arbeitnehmer Technologien nutzen, lässt sich ein deutlicher Unterschied im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie erkennen.

Demnach nutzen mehr als zwei Drittel (67 Prozent, Zunahme von 8 Prozent) der deutschen Arbeitnehmer Technologie, um ihre Zeit besser zu verwalten. Des Weiteren verlassen sie sich mehr auf technologische Unterstützung, um Kreativität und Innovation zu fördern (54 Prozent, Zunahme von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und neue Ideen zu entwickeln (54 Prozent, Zunahme von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Diese neue „Verbindung“ deutscher Mitarbeiter zu Technologie beeinflusst wichtige Arbeitsbereiche positiv und hat auch Auswirkungen auf interpersonelle Beziehungen. So fühlen sie sich seit der Pandemie souveräner in der Zusammenarbeit mit Kollegen unterschiedlichen Alters (82 Prozent, Zunahme von 3 Prozent), der Priorisierung ihrer Arbeit (73 Prozent, Zunahme von 6 Prozent) und sogar im Umgang mit arbeitsbezogenen Konflikten (48 Prozent, Zunahme von 4 Prozent).

Auswirkungen von Remote Work

Zwar glauben zwei Drittel (69 Prozent), dass ihre tägliche Arbeit zum Erfolg ihres Unternehmens beiträgt, jedoch fällt es vielen schwer, diese mit den strategischen Zielen ihres Unternehmens zu verknüpfen. Hier haben sich die größten Herausforderungen, die es auch zu „normalen Bürozeiten“ bereits gab, durch die Pandemie noch einmal verschärft. Fast die Hälfte (44 Prozent) der Mitarbeiter gibt an, dass sie zu viel Zeit mit Tätigkeiten verbringen, die nicht zu ihren Kernaufgaben gehören, was einer Zunahme von drei Prozent gegenüber Februar 2020 entspricht.

Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass Arbeit beziehungsweise der Arbeitsplatz nicht an einen festen Ort gebunden sein muss, sondern Arbeiten von überall aus möglich ist, ohne dass die Produktivität darunter leidet. Die räumliche Distanz zur Arbeit scheint jedoch dazu zu führen, dass sich Arbeitnehmer weniger emotional mit ihrem Arbeitsplatz verbunden fühlen (70 Prozent, eine Abnahme von 9 Prozent). Dies liegt unter anderem daran, dass Remote Work den inhärenten Nachteil hat, das Teams schwieriger zu erreichen und zu managen sind, sodass auch das Feiern von Erfolgen und eine entsprechende Lobkultur nicht mehr im ausreichenden Maße stattfindet.

Um dem entgegenzuwirken und eine Wiederidentifikation mit ihrem Arbeitsplatz zu erreichen, müssen Unternehmen Wege finden, um Wertschätzung und den Wert jedes Mitarbeiters für das Unternehmen zu reflektieren. Denn zu den größten Hindernissen, die Arbeitnehmer in Deutschland davon abhalten, motiviert an ihre Arbeit heranzugehen, gehören das Gefühl, nicht genügend geschätzt zu werden (64 Prozent, Zunahme von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sowie das Gefühl, dass ihre Arbeit nicht wichtig ist (58 Prozent, Zunahme von 17 Prozent).

Arbeit neu denken – Was Mitarbeiter wollen

Doch was wünschen sich die Befragten überhaupt von der „richtigen“ Technologie? Am wichtigsten ist ihnen, dass sie in ihrer täglichen Arbeit unterstützt werden. Technologie soll stets den passenden Kontext liefern, so dass Mitarbeiter die richtigen Informationen zur Hand haben, wenn sie diese benötigen (39 Prozent). Darüber hinaus wünschen sich 37 Prozent Support bei der Planung und Priorisierung ihrer Aufgaben und genauso viele möchten, dass durch die Anwendungen die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen und Standorten möglich ist.

Unternehmen müssen in eine umfassende Technologie investieren, die das Mitarbeitererlebnis personalisiert und optimiert, indem sie den passenden Kontext für Kollaboration und Informationen bereitstellt und alle Arbeit im Unternehmen entsprechend visualisiert. Der Umstieg auf ein solches strategisches Work Management wappnet sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen für die Zukunft. Für Unternehmen ist es wichtiger denn je, Mitarbeiter umfassend zu unterstützen und diese als wertvolles Gut zu betrachten. Technologie sollte daher darauf ausgerichtet sein, Teammitgliedern ein engagiertes und produktives Arbeiten zu ermöglichen.

Swen Arnold.
Swen Arnold.
(Bild: Workfront/Adobe)

Über den Autor

Swen Arnold ist Regionaldirektor Nordics, BeNeLux und DACH von Workfront, einem Adobe-Unternehmen.

[1] Über die Studie:
In der Studie "State of Work 2021" wurden mehr als 1.000 Deutsche kurz vor Covid-19 im Februar 2020 und dann erneut im Dezember 2020 befragt.

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