Die Tücken des neuen Betriebssystems aus Reseller-Sicht

Apples „Lion“: Ein zahnloser Löwe

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Lässliche Fehler

Bis dato sind dies für ein Betriebssystem-Upgrade tolerierbare Fehler. Das Henne- Ei Problem bei den Anwendungen kannten wir schon von Vista. Und es ist auch hier müßig, über den Schuldigen nachzudenken. Sowohl Apple als auch die Hersteller der Anwendungen werden viele Gründe finden, weshalb die App zum Start von Lion nicht funktioniert. Dies macht es für den Anwender nicht weniger ärgerlich.

Kardinalfehler

Die nun folgenden Fehler sind aber K.O.-Kriterien für eine produktive Nutzung bei unseren Kunden. Hier sollte Apple schnellstens nachbessern.

  • 1. Fehler im WLAN: Es bricht ohne Vorwarnung weg, reconnectet sich nicht wieder, laut Support gibt es keine Lösung, und es tritt häufig auf. Wieder mal ein Wunder der IT, wie dies bei den Beta-Tests nicht aufgefallen sein soll. Der Fehler soll mit dem aktuellen Update beseitigt sein. Dies kann ich aber noch nicht bestätigen. Besonders ärgerlich ist der Fehler bei Verbindungen zu ISCSI-Laufwerken, da dies nach einem Verbindungsverlust manchmal einen „kalten“ Rechner-Neustart erzwingt.
  • 2. Fehler in der AD-Anbindung an Windows. Laut Support gibt es momentan keine Lösung. Die Aufgabe von Samba als Übersetzungsprogramm zieht viele Probleme nach sich. Viele User haben Probleme mit Windows-Freigaben und den Anbindungen an NAS-Geräte (AFP-Problem). Bei mir macht das AD Probleme und eine saubere Anmeldung an die Windows-Domäne ist nicht möglich. Die vom Apple-Support versprochene Information ist leider nie angekommen. Dieses Verhalten wirft ein schlechtes Licht auf den Apple-Support.

Monokultur gepflegt

Schaut man in den Appstore findet man zirka 20 Prozent schlechte oder sehr schlechte Bewertungen. Die Quote ist sehr hoch. Allerdings gibt es auch hier wieder zwei Seiten: Ich hege den Verdacht, dass viele Apple-Jünger blind ein Update gemacht haben, im Vertrauen auf die Weisheit des großen Steve – und sich plötzlich in der grausamen, verpönten und verspotteten Windows-Welt des kleinen Steve vorfinden.

Aber auch von Apple hätte ich eine klare Kommunikation gewünscht (zum Beispiel eine Warnung beim Upgrade, wenn ein AD-integriertes System festgestellt wird), um die User nicht ins offene Messer laufen zu lassen.

Wenn Apple mit seiner Closed-Shop-Taktik fortfahren möchte, und der Weg zu Apple über Monokulturen führen soll, scheint das Unternehmen ein verzerrtes Weltbild zu haben. In der Realität wird auch Apple sich an vorhandene Strukturen anschließen müssen, wenn sie im Business oder Enterprise-Umfeld Fuß fassen wollen.

Dass man etwas Eigenes als mögliche Alternative anbietet, und dem User aufzeigt, was im eigenen System alles besser ist, erscheint mir nur legitim. Dies aber mit einer nicht mehr vorhandenen Unterstützung für gesetzte Systeme erzwingen zu wollen, ist nur als dumm-dreist zu bezeichnen. Aber vielleicht beißt ja einer der Verantwortlichen bei Apple noch in den Apfel der Weisheit und verhindert mit einem der nächsten Upgrades die Vertreibung aus dem Paradies des endlosen Wachstums.

Channel zeigt Zähne

Auch der Versuch von Apple das Upgrade nur online anzubieten und den Fachhandel zu umgehen, ist nur als Versuchsballon zu werten, um den Widerstand für zukünftige Aktionen in dieser Richtung zu testen. Glücklicherweise sind wir noch nicht sturmreif geschossen für die schöne neue Direktvertriebswelt, und Apple musste relativ schnell einen Rückzieher machen.

Fazit

Ich kann nur raten, nicht blind das neue Upgrade einzuspielen, sondern mit einer Kopie des produktiven Systems zu arbeiten. So kann man für seine Anwendungsumgebung alles in Ruhe auf Herz und Nieren testen. Ich persönlich rate meinen Kunden in gemischten Umgebungen, zum jetzigen Zeitpunkt das Upgrade nicht durchzuführen und auf ein neues Gebiss für den Löwen zu warten.

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