Die Smartphone-Größen im wirtschaftlichen Wettstreit Apple, Samsung und Nokia legen Bilanzen vor

Redakteur: Harry Jacob

Vergangene Woche legten nacheinander Apple, Nokia und Samsung ihre Zahlen offen. Wie stehen die Kontrahenten im Vergleich da?

Firmen zum Thema

Die Börsianer fällen in Sekundenbruchteilen ihre Entscheidungen, jubeln die einen Papiere hoch, reden die anderen schlecht und lassen Stimmungen zu Gewinnen und Verlusten werden. So verlor Apple fast 50 Milliarden Dollar an Börsenwert – doch was steckt tatsächlich hinter den Zahlen der vergangenen Woche?

Apple: Umsatz rauf, Gewinnmarge runter

Apple meldet Rekorde beim Umsatz (54,5 Milliarden Dollar), beim Gewinn (13,1 Milliarden) sowie bei den Stückzahlen der abgesetzten iPhones (47,8 Millionen) und iPads (22,9 Millionen). Dennoch sind die Börsianer enttäuscht. Denn der Smartphone-Markt wuchs im Weihnachtsquartal um 39 Prozent, Apples iPhone konnte dagegen nur um 29 Prozent zulegen. Für das kommende Quartal rechnet Apple mit einem Wachstum von sieben Prozent – für Apple-Verhältnisse ein mauer Wert. Zudem meldete Gartner, dass Samsung 2012 als größter Abnehmer von Halbleiterprodukten an Apple vorbeigezogen sei, ebenso bei der Zahl der abgesetzten Smartphones.

Und nicht zuletzt: drei Mal hintereinander hatten die Börsianer mehr erwartet – und im September den Apple-Kurs auf sagenhafte 700 Dollar hochgetrieben – drei Mal wurden sie enttäuscht.

Strategiewechsel?

IDC-Analyst Francisco Jeronimo legt Apple nahe, sich den Trends der Branche zu beugen: größere Displays auf der einen Seite, günstigere Modelle auf der anderen Seite. Wenn Apple bei seiner bisherigen Strategie bleibe – gleicher Formfaktor, gleicher Preis – werde es nur einen Gewinner geben: Samsung. Apple-Chef Tim Cook muss also versuchen, den radikalen Marktwandel zu bewältigen und dabei den Nimbus von Apple zu bewahren, der so gar nicht zu billiger Massenware passt.

Darauf weist auch Professor Ajay Bhalla von der Cass Business School hin: „Cook folgt Jobs insofern, als auch er die Tatsache betont, dass Apple im Gegensatz zu seinen Konkurrenten weniger interessiert ist an Marktanteilen, als an seiner Position des ‚Lead Players’, anerkannt für seine Vordenkerrolle und die Schaffung neuer Produktkategorien.“ Bhalla glaubt fest daran, dass Apple noch einige interessnte Dinge in der Pipeline hat, die zeigen werden, dass das Unternehmen auch nach Jobs innovativ geblieben ist.

Andererseits: Sollte Apple tatsächlich in das Preissegment unter 200 Dollar einsteigen, dann bekäme der strauchelnde Mobility-Spezialist RIM einen weiteren starken Konkurrenten, der den erhofften Erfolg der Blackberry-10-Modelle schmälern könnte. Diese sollen am 30. Januar präsentiert werden und rund vier Wochen später auf den Markt kommen.

Quartal ist bei Apple nicht gleich Quartal

Bei den iPods musste Apple wieder einen Rückgang hinnehmen, und auch die Zahl der verkauften Rechner schrumpfte von 5,2 Millionen auf 4,1 Millionen. Apple wies darauf hin, dass „Quartale“ bei Apple immer volle Wochen umfassen und das Weihnachtsquartal 2012 eine Woche kürzer war als das von 2011. Nimmt man diesen Unterschied aus den Zahlen heraus, liegt etwa der Zuwachs bei iPhones durchaus auf Marktniveau. Bei den iMacs habe es zudem Lieferschwierigkeiten bei den neuen Modellen gegeben.

Was der Konzern nicht erwähnte: Anfang November waren in Europa die Preise erhöht worden, weil Apple mit einem sehr konservativen Wechselkurs von Dollar zu Euro kalkuliert hatte. Und die Profi-Desktops Mac Pro sind bis auf CPU-Updates seit Sommer 2010 nicht mehr überarbeitet worden, hier warten Nutzer auf neue Technologien, wie beispielsweise USB 3.0, aktuelle Grafikkarten oder die im iMac verbauten Fusion Drives.

(ID:37755590)