Gustavo Möller-Hergt im Interview Also-Chef: „Der IT-Markt ist kein Fußballspiel“

Autor Michael Hase

Gustavo Möller-Hergt, CEO von Also, mag keine Vereinfachungen. Dem Topmanager sind Reseller, die noch nicht in der Cloud angekommen sind, genauso wichtig wie die Early Adopter.

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Gustavo Möller-Hergt, CEO der Also Holding, sieht das Unternehmen nicht mehr als Distributor klassischen Zuschnitts.
Gustavo Möller-Hergt, CEO der Also Holding, sieht das Unternehmen nicht mehr als Distributor klassischen Zuschnitts.
(Bild: Also)

ITB: Über Ingram Micro und Tech Data ­sagen Sie gelegentlich, das seien nicht mehr Ihre Wettbewerber. Ist Also demnach kein Distributor mehr?

Möller-Hergt: Also ist ein Marktplatz der ITK-Branche geworden. Wir setzen auf die drei Standbeine: Supply, Solutions und Services. Die Distribution, die wir Supply Business nennen, ist und bleibt unser Hauptgeschäft und Wachstumstreiber. Die Profitabilität steigern wir aber vorwiegend mit den beiden anderen Bereichen: den Solutions und den Services. Das Cloud-Geschäft, das wir intern als Consumptional Business bezeichnen, ist heute eine den Services untergeordnete Abteilung.

ITB: Immerhin hat Also als erster Broadliner im Herbst 2014 eine Cloud-Plattform gelauncht, die auf der Channel Trends + Visions vor einem Jahr einen Schwerpunkt bildete. Welchen Stellenwert besitzt das Consumptional Business aus Ihrer Sicht?

Möller-Hergt: Der Begriff Broadliner passt schon lange nicht mehr zu uns. Wir haben bereits 2012 die Weichen richtig gestellt. Damals sahen wir, es kommt ein neues Geschäftsmodell, das wir noch nicht verstehen, für das wir aber ein Tool brauchen, das wir noch nicht haben. Nach einem Screening-Prozess und darauffolgenden Tests mit Firmen haben wir 2014 den finnischen Anbieter Nervogrid gekauft und mit dessen Technologie unseren Cloud-Marktplatz geschaffen. Diese Aggregationsplattform ist wie ein virtuelles Lager: Sie führt Anbieter – Hersteller und Service-Provider – sowie Abnehmer – Reseller – zusammen. Das ermöglicht die neue Nutzung der IT: den Konsum.

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Zur Person

Gustavo Möller-Hergt steht seit Juli 2012 als Chief Executive Officer (CEO) an der Spitze der Also Holding und ist seit März 2014 auch Präsident des Verwaltungsrats. Ehe der gebürtige Peruaner im Februar 2011 in die Konzernleitung des Distributors eintrat, war er Generalbevollmächtigter beim Finanzinvestor Droege, dem Mehrheitsaktionär von Also. Zwischen 1993 und 2007 arbeitete der promovierte Ingenieur bei der Warsteiner-Gruppe, wo er 2002 zum CEO aufstieg.

ITB: Ingram Micro und Tech Data haben 2015 ebenfalls Cloud-Marktplätze für den deutschen Markt gelauncht. Wird 2016 darüber entscheiden, wer die beste Plattform hat?

Möller-Hergt: Nein, das ist zu früh. Wer denkt, dass sich das Consumptional Business in diesem Jahr etablieren wird, der hat etwas verkannt. Es dauert in den verschiedenen Märkten unterschiedlich lang, bis sich das Modell durchsetzt. Time to Market in Deutschland ist länger im Vergleich zu Ländern, in denen die Akzeptanz der Cloud höher ist. Aber wenn sich die Cloud in Deutschland durchsetzt, dann richtig: Schauen Sie nur, wie viel der IT-Infrastruktur bei Unternehmen noch ausschließlich lokal installiert ist. Ein Riesenpotenzial. Allerdings fehlt es vielerorts an Bandbreite. Aus unserer Sicht spielt der Marktplatz eine Rolle bei der Entwicklung eines Geschäftsmodells, das in drei bis fünf Jahren wichtig sein wird. Wir haben heute bereits damit begonnen, Reseller dafür zu enablen.

ITB: Dann blicken wir ein paar Jahre nach vorn: Inwieweit wird die Cloud das klassische IT-Geschäft verdrängen?

Möller-Hergt: Die Cloud ist ein Tool! Das Consump­tional wird das Transactional Business nie ganz ersetzen. Aber sehr wahrscheinlich wird das Consumptional Business in den kommenden Jahren stärker wachsen, und daraus ergeben sich für uns gute ­Geschäftschancen. Wir verfolgen beide Opportunitäten. Auf jeder internatio­nalen Konferenz wird man heute als Redner abgestuft, wenn man nicht über Cloud spricht, und genauso wird man abgestuft, wenn man nicht über Hyperconverged Infrastructure spricht. Was soll das? Beides sind Geschäftsopportuni­täten, mit denen man sich beschäftigen muss. Aber das normale Server-, Storage- und Networking-Geschäft sowie das On-Premises-Geschäft sind und bleiben die Basis, um alles weiterzuentwickeln.

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Also-Gruppe expandiert in weitere Märkte

> Die Also Holding erzielte 2015 einen Umsatz von 7,8 Milliarden Euro. Damit ist das Unternehmen mit Hauptsitz im Schweizer Emmen (Kanton Luzern) der drittgrößte Distributor Europas hinter dem US-Rivalen Tech Data, der 2015 in Europa auf 16 Milliarden Dollar (mehr als 14 Milliarden Euro) kam, und Ingram Micro mit Erlösen von 12,2 Milliarden Dollar (rund elf Milliarden Euro).

Bislang ist der Also-Konzern, der 2011 aus der Fusion der Soester Actebis-Gruppe und der Schweizer Also Holding hervorging, in 14 europäischen Märkten präsent. Für diesen Monat kündigte das Unternehmen den Start des ­Geschäfts in Slowenien an. Im vergangenen Sommer gründete der Broadliner eine polnische Landesgesellschaft. Darüber hinaus ist die Gruppe in Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, der Schweiz und Schweden vertreten. Zudem kooperiert Also seit Ende 2015 mit dem britischen Distributor Westcoast beim Betrieb eines Cloud-Marktplatzes.

Mehrheitsgesellschafter der Also Holding ist mit einem Anteil von 51,3 Prozent die Düsseldorfer Droege-Gruppe, die 2009 als Investor bei Actebis einstieg. Der Schweizer Aufzug-Hersteller Schindler, langjähriger Eigentümer der früheren Also Holding, ist an dem Distributionskonzern noch mit knapp 28 Prozent beteiligt.

[ www.also.com ]

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