Schlechte Zahlen und Streit über die weitere Strategie Acer-Chef Lanci ist gefeuert

Redakteur: Harry Jacob

Der CEO des Acer-Konzerns, Gianfranco Lanci, muss mit sofortiger Wirkung seinen Posten räumen – drei Tage nach Umsatzwarnung für das erste Quartal 2011. Aufsichtsrats-Chef J. T. Wang übernimmt die Konzernleitung. Auch für den Posten den EMEA-Chefs ist bereits eine Lösung gefunden.

Firmen zum Thema

Gianfranco Lanci, der bisherige Konzernchef von Acer, hat seinen Posten mit sofortiger Wirkung geräumt.
Gianfranco Lanci, der bisherige Konzernchef von Acer, hat seinen Posten mit sofortiger Wirkung geräumt.
( Archiv: Vogel Business Media )

Eigentlich wollte Acer in diesem Quartal um drei Prozent zulegen. Stattdessen geht der Umsatz um mindestens zehn Prozent zurück. Allein im Februar musste der drittgrößte PC-Hersteller der Welt einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahresmonat um 36,7 Prozent einräumen. Bereits im vierten Quartal 2010 war der Umsatz um 15 Prozent gefallen.

Als Gründe gibt das Unternehmen sinkende Netbook- und Notebook-Verkäufe in Westeuropa und den USA an. Diese leiden unter dem starken Boom der Mini-Tablets, wie dem iPad von Apple oder dem Galaxy von Samsung. Erst im zweiten Quartal will Acer mit eigenen Tablets auf Android-Basis punkten.

Konzernchef Lanci musste nun die Konsequenzen tragen. Wie Acer bekannt gab, habe Lanci sich mit dem Board des Acer-Konzerns nicht auf eine gemeinsame Zukunftsstrategie verständigen können. Mehrere Monate sei über die Bedeutung von Skaleneffekten, Wachstum, die Schaffung von Customer Value, Verbesserung der Wertigkeit des Brands, über Ressourcenknappheit und Umsetzungsmethoden diskutiert worden.

Offene Worte von Wang

Nachdem sich herausgestellt habe, dass man diesen Punkten jeweils unterschiedliche Bedeutung zumesse und eine Einigung nicht in Sicht war, habe das Acer-Board heute beschlossen, sich von Lanci zu trennen. Er muss das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. Board-Chef J. T. Wang wird bis auf weiteres die operative Leitung des Konzerns übernehmen.

„Das PC-Geschäft bleibt unser Kerngeschäft“, betonte Wang in einer Mitteilung zum Rauswurf Lancis. Man habe eine solide Basis und werde darauf das Geschäft weiter aufbauen, insbesondere im Segment der Business-PC. Acer werde jedoch auch ins Geschäft mit neuen mobilen Devices einsteigen und dort vorsichtig investieren. Das Ziel sei, ein führender Anbieter in diesem Segment zu werden.

Wang gab jedoch auch offen zu, dass Acer eine Denkpause einlegen muss. „In dieser neuen ITK-Industrie braucht Acer Zeit für eine Anpassung. Mit frischem Unternehmergeist werden wir uns dann den neuen Herausforderungen stellen und mit Zuversicht in die Zukunft blicken“, so Wang.

Deppeler leitet Acer EMEA

Auch der Posten des EMEA-Chefs, den Lanci bislang in Personal-Union innehatte, hat Acer neu besetzt. Walter Deppeler, bisher Deputy President of Acer EMEA, wird nun auch die Rolle des Acer EMEA President übernehmen.

Walter Deppeler kam 1997 als Geschäftsführer Schweiz zu Acer. Im Jahr 2000 übernahm er die zweifache Verantwortung als Geschäftsführer von Acer Deutschland sowie Sales & Marketing Director von Acer Europa. Im Februar 2003 wurde er unter EMEA-Chef Gianfranco Lanci zum stellvertretenden Vorsitzenden von Acer EMEA ernannt.

Der Schweizer wurde in Baden geboren und begann seine IT-Karriere 1980 bei Texas Instruments. Zehn Jahre später hatte er sich bei TI zum Geschäftsführer Schweiz hochgearbeitet. Später übernahm er dort auch die Verantwortung für Notebooks, Drucker und Heimelektronik in Mittel- und Osteuropa. 1995 bekam er den Posten des Marketing Director der Mobile Computing Divisons von Texas Instruments Europe.

(ID:2050669)