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Bitkom-Studie

Absicherung gegen Cyber-Kriminalität unbeliebt

| Autor: Sarah Nollau

Das Cybercrime-Paradoxon: Obwohl viele Opfer von Internet-Kriminalität werden, möchten sich doch wenige gegen derartige Angriffe und unerlaubte Zugriffe auf Daten versichern lassen.
Das Cybercrime-Paradoxon: Obwohl viele Opfer von Internet-Kriminalität werden, möchten sich doch wenige gegen derartige Angriffe und unerlaubte Zugriffe auf Daten versichern lassen. (Bild: serpeblu - stock.adobe.com)

Obwohl jeder Zweite Opfer von „Cybercrime“ wird, möchten sich nur wenige dagegen versichern lassen. Viele Fälle werden gar nicht erst zur Anzeige gebracht. Grund dafür könnte mangelndes Vertrauen in die öffentlichen Stellen sein. Dies ist das Ergebnis einer Bitkom-Studie.

Es gibt viele Arten von Internetkriminalität – und trotzdem versichern sich nur wenige gegen Angriffe aus den Weiten des Netzes. Zu diesem Ergebnis kommt eine Bitkom-Studie. Allein in den letzten zwölf Monaten wurde rund die Hälfte der befragten Internetnutzer (49 Prozent) zur Zielscheibe digitaler Kriminalität. Dabei greifen die Täter oft in den Geldbeutel des Nutzers: Erpressung und unerlaubter Zugriff auf Online-Shopping-Accounts gehören zum Alltag. In anderen Fällen freut sich der User auf seine bestellte Ware und findet dann nur gähnende Leere in seinem Versandkarton vor – und das Geld ist weg.

Kriminalität ist vielseitig

Die scheinbar einfachste kriminelle Variante ist der altbekannte Virus. Ganze 43 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Computer Opfer eines Schadprogramms geworden ist. Auf Platz zwei landet der Diebstahl der Zugangsdaten zu sozialen Netzwerken und Online-Shops mit 19 Prozent. 18 Prozent erfuhren, was es heißt, wenn persönliche Daten illegal genutzt wurden. Weniger häufig geschieht Betrug beim Online-Shopping beziehungsweise -Banking (16 Prozent). Aber auch Beleidigungen (acht Prozent) und sexuelle Belästigung (fünf Prozent) finden Eingang in die Statistik.

Die Chance, die kriminellen Machenschaften zu reduzieren, sieht Winfried Holz, Bitkom-Präsidiumsmitglied, in Schutz vor und Aufklärung über potenzielle Gefahren: „Internetnutzer sollten sich mit technischen Hilfsmitteln wie aktuellen Virenscannern und Firewalls schützen, zugleich muss aber auch das Wissen der Nutzer über mögliche Angriffe im Netz und Schutzmöglichkeiten verbessert werden.“

Das „Cybercrime“-Paradoxon

In 54 Prozent der Fälle kam es zu finanziellen Schäden. Reparaturdienste (28 Prozent) sowie neue Hard- und Software (23 Prozent) sollten dann den Schaden beheben und weitere Angriffe verhindern. Bei 16 Prozent der Befragten wurden privat verkaufte Waren via Online-Plattformen nicht bezahlt oder bereits bezahlte Waren fanden nicht den Weg zum Käufer. Auch das Konto und die Kreditkarte hatten Kriminelle im Visier (vier Prozent). Nur acht Prozent der Befragten haben nach einem Cyber-Angriff den rechtlichen Weg gewählt.

Auch wenn jeder zweite Nutzer der Befragten bereits Opfer von Cyberkriminalität wurde, lehnen 52 Prozent es entschieden ab, eine Versicherung dagegen abzuschließen. Nur sechs Prozent haben aus der Vergangenheit gelernt und sind sich sicher, eine Police abschließen zu wollen.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass 65 Prozent nichts gegen den kriminellen Vorgang unternommen haben. 18 Prozent haben die Polizei benachrichtigt, 16 Prozent haben den Betreiber der entsprechenden Website kontaktiert. Auch die Verbraucherzentrale war für 11 Prozent eine Anlaufstelle. Lediglich fünf Prozent hatten beschlossen, eine öffentliche Stelle wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufzusuchen.

Kompetenzen in Frage gestellt

Das mangelnde Vertrauen in Institutionen wie Polizei oder Staatsanwaltschaft scheint der Grund für wenige Anzeigen zu sein. Fast jedes zweite Opfer von Cyberkriminalität (45 Prozent) glaubt, dass der Täter trotz einer Anzeige nicht gefasst wird. 13 Prozent fühlen sich bei den Behörden mit ihrem Fall nicht ernst genommen, acht Prozent zweifeln die Kompetenz der dortigen Mitarbeiter an. Gut ein Achtel hat die Befürchtung, ihren Computer für die Ermittlungen abgeben zu müssen und verzichtete deshalb auf eine Anzeige.

Die Erfahrungen der Befragten, die sich tatsächlich an Polizei oder Staatsanwaltschaft wandten, sind durchwachsen. Obwohl die Hälfte den Eindruck hatte, dass die Beamten das richtige Knowhow hatten, waren 23 Prozent der Meinung, dass die Vertreter der Institution den Opfern nicht folgen konnten. Jedem Vierten wurde sogar von einer Anzeige abgeraten. Nur sieben Prozent der Fälle wurden aufgeklärt, 37 Prozent wurden eingestellt, weil die Beweislage zu gering war. Holz betont jedoch, dass es bei allen Landeskriminalämtern mittlerweile zentrale Ansprechstellen für „Cybercrime“ gibt, an die sich Bürger und auch Unternehmen wenden können. Er räumt jedoch ein, dass die staatlichen Stellen sowohl technologisch als auch personell besser ausgestattet werden müssen, damit die Aufklärungsquote der Fälle erhöht werden kann.

Über die Studie

Für die Studie wurden 1.017 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt. Fragestellungen waren unter anderem, welche Erfahrungen mit Internetkriminalität im letzten Jahr gemacht wurden und ob sich die Befragten vorstellen könnten, eine Versicherung dahingehend abzuschließen. Auch die Reaktion nach einem Angriff war Gegenstand der Fragen, beispielsweise ob eine Anzeige erstattet wurde und zu welchem Ergebnis die Ermittlungen führten.

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