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Bitkom-Umfrage

5G-Verfügbarkeit: Für viele Unternehmen (noch?) nicht so wichtig

| Redakteur: Jürgen Schreier

Sehr hohe Geschwindigkeiten und ultrakurze Reaktionszeiten sind die Basis für die smarte Fabrik.
Sehr hohe Geschwindigkeiten und ultrakurze Reaktionszeiten sind die Basis für die smarte Fabrik. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Für viele deutsche Industrieunternehmen ist 5G offenbar kein Thema von besonderer Relevanz. Nur 42 Prozent der vom Digitalverband Bitkom befragten Unternehmen planen/diskutieren aktuell über eine 5G-Versorgung. Unternehmen, die den Einsatz von 5G planen/diskutieren, wollen 5G primär für die Vernetzung der Produktion nutzen.

Die deutsche Industrie sieht große Chancen im kommenden Mobilfunkstandard 5G. das geht aus einer aktuellen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom hervor. So gibt die Hälfte der Industrieunternehmen ab 50 Mitarbeitern in Deutschland (49 Prozent) in einer Bitkom-Studie an, dass die künftige Verfügbarkeit von 5G für sie wichtig ist. Bei Großkonzernen ab 2000 Mitarbeitern sind es sogar zwei Drittel (66 Prozent).

Derzeit planen oder diskutieren aber nur zwei von fünf Industrieunternehmen (42 Prozent) eine 5G-Versorgung, davon gut ein Drittel (36 Prozent) eine 5G-Versorgung durch einen Netzbetreiber. Nur sechs Prozent beschäftigen sich mit 5G über lokal nutzbarere Frequenzen.

Mit 5G bekommt die Industrie einen enormen Schub

„Für den Industriestandort Deutschland ist 5G eine Schlüsseltechnologie“, so Bitkom-Präsident Achim Berg. „Sehr hohe Geschwindigkeiten und ultrakurze Reaktionszeiten sind die Basis für die smarte Fabrik. Die deutsche Industrie bekommt mit 5G einen enormen Schub.“ Umso erstaunlicher sei für den Bitkom, dass die 5G-Versorgung für 55 Prozent der Industrieunternehmen momentan noch kein Thema ist. „Die Bundesnetzagentur hat Frequenzbereiche für die lokale 5G-Nutzung reserviert. Wenn kaum ein Unternehmen davon Gebrauch machen will, liegen diese Frequenzblöcke ungenutzt brach. Wer sich jetzt nicht mit 5G beschäftigt, riskiert das Geschäft von morgen.“

Grundsätzlich aber steht die Industrie dem Mobilfunkstandard der Zukunft sehr positiv gegenüber. Mehr als acht von zehn (84 Prozent) stimmen der Aussage zu, dass 5G die Produktivität deutscher Unternehmen massiv fördern wird, 70 Prozent sehen in 5G eine der wichtigsten Zukunftstechnologien. Hingegen sind fast ein Viertel (23 Prozent) der Meinung, dass die deutsche Wirtschaft auch ohne 5G nicht an Kraft verlieren würde. Nur vier Prozent äußerten die Auffassung, dass Deutschland den 5G-Aufbau nicht brauche. „5G ist wichtig für das vernetzte Fahren, unterstützt effizientere Energienetze und hilft bei einer lückenlosen Transportüberwachung in der Logistik“, sagt Berg.

Vernetzte Produktion und Echtzeit-Kommunikation werden priorisiert

Wer sich bereits mit 5G beschäftigt, hat unterschiedliche Anwendungsszenarien im Blick. Mehr als die Hälfte derjenigen Unternehmen, die den Einsatz von 5G planen oder diskutieren (54 Prozent), will 5G für die vernetzte Produktion einsetzen. Jedes zweite dieser Unternehmen (50 Prozent) plant damit Assistenzsysteme wie Augmented Reality und Virtual Reality, ebenso viele (49 Prozent) wollen die Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen über 5G ermöglichen. Zwei von fünf (39 Prozent) sehen 5G für autonome Fahrzeuge und Transportsysteme vor. Fast jedes dritte Unternehmen (31 Prozent), das sich mit 5G beschäftigt, will mobile Roboter einsetzen.

Unternehmen, für die 5G aktuell kein Thema ist, wollen vor allem andere Technologien nutzen. Das geben 70 Prozent an, 69 Prozent planen mit WLAN statt mit 5G. Mehr als die Hälfte der 5G-ablehnenden Unternehmen (57 Prozent) sieht im neuen Mobilfunkstandard keinen Mehrwert, ein Drittel (32 Prozent) hat dafür kein Budget.

Industrie sieht Deutschland nur im internationalen Mittelfeld

Zum geplanten 5G-Aubau stellt die Industrie dem Standort Deutschland ein eher durchwachsenes Zeugnis aus. Nur zwei Prozent der Industrieunternehmen sehen Deutschland im weltweiten Vergleich in der Spitzengruppe, ein gutes Drittel (36 Prozent) verortet die Bundesrepublik im Mittelfeld. Für ebenso viele rangiert Deutschland unter den Nachzüglern. Mehr als jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) hält das Land gar für abgeschlagen.

Für einen schnellen 5G-Aufbau in Deutschland muss aus Sicht des Bitkom so viel privatwirtschaftliches Engagement wie möglich generiert werden. Berg: „Jeder in Frequenzauktionen ausgegebene Euro fehlt anschließend beim Netzausbau. Die Politik sollte sich mit den Netzbetreibern auf eine vorausschauende und europaweit koordinierte Frequenzstrategie verständigen.“

Höhere Rechts- und Planungssicherheit in der künftigen Ausrichtung der Frequenzregulierung sei unabdingbar. „Einmal ersteigerte Frequenzen müssen für mindestens 20 Jahre nutzbar sein. Nur so verbessern sich die Investitionsbedingungen für Netzbetreiber. Statt Frequenzen nach wenigen Jahren neu zu versteigern, müssen wir auch die Verlängerung von Nutzungsrechten ermöglichen“, sagt Berg.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal Bandbreite.

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