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Neue EU-Richtlinie

PSD2 macht Bezahlen im Internet günstiger

| Autor: Heidemarie Schuster

Die Bundesregierung stärkt den Wettbewerb und die Sicherheit im Zahlungsverkehr.
Die Bundesregierung stärkt den Wettbewerb und die Sicherheit im Zahlungsverkehr. (Bild: Pixabay)

Am 13. Januar 2018 ändert sich der Zahlungsverkehr im Internet. Die „Zweite Zahlungsdiensterichtlinie“ (PSD 2) hat das Ziel, dass Verbraucher mehr Sicherheit und einen verbesserten Schutz beim bargeldlosen Bezahlen haben sowie von innovativen elektronischer Zahlungsdiensten profitieren.

Mittlerweile wird jeder Deutsche von seiner Bank benachrichtigt worden sein, dass neue, europaweit einheitliche Regeln für den Zahlungsverkehr kommen. Stichtag für die Zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD 2) ist der 13. Januar 2018. Ab dann dürfen Händler keine gesonderten Entgelte mehr für gängige Kartenzahlungen (Kreditkarte wie Visa und Mastercard), SEPA-Überweisungen und Lastschriften in Euro erheben. Das gilt europaweit für Buchungen und Einkäufe sowohl im stationären Handel als auch im Internet.

Haftungsgrenze sinkt

Kommt es zu einem Schaden im Zahlungsverkehr, erhalten Verbraucher mit der PSD 2 ab Samstag mehr Rechte: Werden sie Opfer von Missbrauch der Bank- oder Kreditkarte, des Lastschriftverfahrens oder des Online-Bankings, haften sie für Schäden derzeit bis maximal 150 Euro. Diese Grenze sinkt auf 50 Euro. Bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz kommt aber auch künftig eine Haftung darüber hinaus in Betracht.

Fehlüberweisungen

Auch bei Fehlüberweisungen gibt es Änderungen. Bei nicht autorisierten Überweisungen, etwa wegen Missbrauchs, sind die Banken verpflichtet, den fälschlich abgebuchten Betrag zurückzuerstatten – bis spätestens einen Tag, nachdem die Bank informiert wurde.

Hat die Bank den Verdacht, dass der Aufforderung zur Erstattung ein Betrugsfall zugrunde liegt, kann sie die Rückbuchung unter bestimmten Voraussetzungen verweigern. Ist die Autorisierung zwischen der Bank und dem Kunden streitig, so hat die Bank künftig unterstützende Beweismittel vorzulegen, um Betrug oder grobe Fahrlässigkeit des Kunden nachzuweisen.

Bei Fehlüberweisungen muss die Bank des Empfängers der Bank des Zahlers alle erforderlichen Informationen mitteilen, die notwendig sind, um den Überweisungsbetrag wiederzuerlangen. Außerdem können sich Verbraucher SEPA-Lastschriften in Euro weiterhin ohne Angabe von Gründen erstatten lassen. Das bislang vertraglich zwischen Bank und Kunde vereinbarte achtwöchige bedingungslose Erstattungsrecht wird nun gesetzlich verankert und gilt europaweit.

Drittanbieter

Nicht nur mit dem eigenen Online-Konto, sondern auch über Drittanbieter können Kunden Geld transferieren – mittels „Zahlungsauslösedienste“, wie dem Service „Sofortüberweisung“. Außerdem können Kontoinformationen auch über sogenannte „Kontoinformationsdienstleister“ abgerufen werden. Der Service bietet Kunden mit mehreren Konten einen Gesamtüberblick über alle Konten, auch bei unterschiedlichen Instituten. Diese Drittanbieter werden künftig reguliert und der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unterstellt.

Im Gegenzug erhalten die Dienstleister europaweiten Zugang zum Zahlungsverkehrsmarkt. Wenn der Kontoinhaber ausdrücklich einwilligt, muss seine Bank dem Drittanbieter – unter Einhaltung bestimmter Sicherheitsanforderungen – Zugang zu ausgewählten Kontoinformationen gewähren.

Starke Kundenauthentifizierung

Künftig muss die Bank eine starke Kundenauthentifizierung verlangen. Und zwar dann, wenn der Kunde auf sein Online-Konto zugreift, einen elektronischen Zahlungsvorgang auslöst oder über einen Fernzugang eine Handlung vornimmt, die „ein Betrugs- oder Missbrauchsrisiko in sich birgt“. Auch wird sie verlangt, wenn der Kunde Angebote von Zahlungsauslöse- und Kontoinformationsdienstleistern nutzt.

Eine starke Kundenauthentifizierung bedeutet, der Kunde muss zu seiner Identifizierung aus drei Kategorien mindestens zwei davon vorweisen. Die drei Kategorien sind:

  • Wissen – etwas, das nur der Nutzer weiß, zum Beispiel ein Passwort
  • Besitz – etwas, das nur der Nutzer besitzt, zum Beispiel eine Chipkarte
  • Inhärenz – etwas, das Teil vom Nutzer ist, zum Beispiel seine biometrischen Eigenschaften.

Von der Pflicht zur starken Kundenauthentifizierung sind Ausnahmen geplant – beispielsweise für die Zahlung kleiner Beträge. Diese Ausnahmen sollen in technischen Regulierungsstandards der Europäischen Kommission vorgesehen werden, die voraussichtlich im Sommer 2019 in Kraft treten.

Reservierung von Kartenzahlungen

Viele Hotels und Autovermietungen lassen zu ihrer Absicherung bereits bei Buchung oder Anmietung einen Betrag auf dem Kartenkonto des Kunden sperren. Dies geschah bisher mitunter ohne Ankündigung. Ab dem 13. Januar muss der Karteninhaber der genauen Höhe des zu sperrenden Geldbetrags zuvor zugestimmt haben.

Beschwerdestelle

Die Wettbewerbszentrale will die Umsetzung der PSD 2 überwachen und hat dafür eine Beschwerdestelle eingerichtet, bei der Verbraucher und Gewerbetreibende Fälle melden können, wenn die neuen Regeln nicht umgesetzt werden. Die Wettbewerbszentrale setzt sich dann für die Einhaltung ein.

Das gesamte Gesetz zur Umsetzung der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie stellt das Bundesfinanzministerium zum Download zur Verfügung.

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