Microsoft Windows Server sind besser als ihr Ruf

10 Mythen über den Einsatz von Windows-Servern

| Autor / Redakteur: Thomas Joos / Andreas Donner

Viele Mythen ranken sich um Windows Server – wir machen den Fakten-Check.
Viele Mythen ranken sich um Windows Server – wir machen den Fakten-Check. (Bild: © Ivelin Radkov - stock.adobe.com)

Geht es um den Einsatz von Windows-Servern, grassieren in Administrator-Kreisen insbesondere in puncto Sicherheit, Usability, Zuverlässigkeit und Kompatibilität viele Halbwahrheiten. Wir beleuchten 10 der am häufigsten genannten Mythen und erkunden deren Wahrheitsgehalt.

Seinen teilweise schlechten Ruf hat Windows allem in der Vergangenheit erhalten. Mittlerweile hat Microsoft in vielen Bereichen nachgebessert und bietet mit Windows Server 2016 und dessen Nachfolger Windows Server 1709 eine durchaus brauchbare Server-Lösung, die auch in hybriden Netzwerken sinnvoll eingesetzt werden kann.

Mythos 1: Alles wird nur mit der Maus bedient

Durch die ersten Versionen hat Windows den Ruf erhalten, nur mit der Maus und der grafischen Oberfläche bedienbar zu sein. Dies ist jedoch bereits seit Jahren auf Windows-Servern nicht mehr so. Windows-Server lassen sich mittlerweile problemlos ohne grafische Oberfläche installieren und betreiben (siehe Abbildung 1). Hinzu kommt, dass Windows-Server auch mit der extrem mächtigen PowerShell verwaltet werden können (siehe Abbildung 2) und seit Windows Server 2016 sogar eine Verwaltung über Linux-Befehle (siehe Abbildung 3) möglich ist.

Die PowerShell steht sogar für Linux zur Verfügung, sodass sich Linux-Server problemlos in Windows-Netzwerke integrieren lassen. Mit den Nano-Servern in Windows Server 2016 hält sogar die Container-Technologie Einzug in Windows. Auch diese wird vor allem mit Linux-Befehlen, der Eingabeaufforderung und der PowerShell verwaltet.

Mythos 2: Windows-Server sind unsicherer als Linux-Server

Da Linux ein Opensource-System ist, werden Sicherheitslücken durch die Community schnell erkannt. Mittlerweile ist aber auch Windows ein sehr sicheres Betriebssystem und Sicherheitslücken werden hier genauso schnell behoben wie auf Linux-Servern. Auch der vermeintliche Mythos, dass Viren sich vor allem auf Windows-Server konzentrieren, stimmt mittlerweile nicht mehr. Heute sind auch Linux-Computer und Mac-Rechner im Fokus von Angreifern.

Hinzu kommt, dass auf vielen Linux-Rechnern mangels Fachwissen Sicherheitslücken klaffen, die auf Windows-Servern durch die generell einfachere Verwaltung seltener auftreten – vor allem in neuen Versionen: wer auf eine aktuelle Windows-Version setzt, muss kaum mit weniger Sicherheit rechnen als auf Linux-Servern. Setzen Unternehmen auf Active Directory lassen sich sogar Sicherheitsrichtlinien für verschiedene Rechner zentral vorgeben. Das geht zwar generell auch in Linux-Netzwerken, lässt sich in Windows-Netzwerken aber einfacher umsetzen (siehe Abbildung 4).

Mythos 3: Windows-Server sind langsamer als Linux-Server

Zwar werden vor allem auf vielen High-End-Servern noch verschiedene Linux-Derivate eingesetzt – insbesondere im Big Data-Bereich – dennoch sind Windows-Server durchaus leistungsfähig. Bei richtiger Konfiguration bemerken die meisten Unternehmen keinen Unterschied zwischen dem Betrieb von Windows-Servern und Linux-Servern.

Mythos 4: Microsoft hält sich nicht an Standards

Microsoft hatte in der Vergangenheit den Ruf, eigene Standards schaffen zu wollen und sich nicht an allgemein gültige Standards zu halten. Das ist heute nicht mehr Fall. Microsoft arbeitet eng mit verschiedenen Opensource-Entwicklern zusammen und unterstützt mittlerweile in vielen Bereichen Opensource und auch Linux. Auch Standards werden auf Windows-Servern mittlerweile eingehalten und Microsoft stellt sogar Entwicklungswerkzeuge als Opensource zur Verfügung.

Mythos 5: Windows-Server arbeiten nicht mit anderen Betriebssystemen zusammen

Microsoft achtet immer stärker darauf, dass Windows-Server optimal mit Linux zusammenarbeiten. Und so lassen sich Linux-Server bspw. optimal mit Hyper-V virtualisieren und die verschiedenen Dienste auf Windows-Servern arbeiten nahtlos mit Linux zusammen. Hyper-V bietet in Windows Server 2016 mittlerweile nahezu die gleichen Möglichkeiten für virtuelle Linux-Server, wie für Windows-Server.

Mythos 6: Hyper-V ist vSphere und anderen Virtualisierungstechnologien unterlegen

Vor allem die ersten Versionen von Hyper-V konnten mit vSphere von VMware nicht mithalten. Mittlerweile bietet Hyper-V aber nahezu die gleichen Funktionen und Leistungen wie vSphere. Dazu gehört Hochverfügbarkeit ebenso, wie die Verschlüsselung von VMs sowie deren sicherer Betrieb.

Hyper-V bietet auch im High-End-Bereich hohe Leistung und auch Linux wird mittlerweile umfassend unterstützt. Auch die Netzwerkfunktionen stehen denen in vSphere kaum nach (siehe Abbildung 5).

Mythos 7: Windows benötigt zusätzliche Produkte von Microsoft

Ein weiterer Mythos besagt, dass Windows-Server für sich alleine nicht funktionieren, sondern immer weitere Produkte von Microsoft eingesetzt werden müssen. Ein solches Beispiel ist System Center Virtual Machine Manager mit Hyper-V. Auch hier stimmt der Mythos nicht, denn Hyper-V kann auch ohne System Center Virtual Machine Manager betrieben werden, wie vSphere ohne vCenter. In größeren Umgebungen ist es jedoch sinnvoll auf System Center Virtual Machine Manager zu setzen – das gilt aber auch für vSphere und vCenter.

Mythos 8: Linux ist günstiger als Windows

Linux ist zwar Opensource und Windows-Server müssen lizenziert werden, das alleine lässt aber keine Rückschlüsse darauf zu, dass Linux günstiger als Windows-Server ist. Denn zunächst müssen die meisten Unternehmen auch bei Linux auf eine kostenpflichtige Version setzen. Dazu kommt der notwendige Support, um Linux professionell betreiben zu können. Auch die Schulung der Administratoren der Verwaltungsaufwand dürfen nicht vergessen werden. Außerdem bietet Microsoft in vielen Bereichen günstige Serverlizenzen und -Pakete an. Produkte wie Hyper-V Server 2016 stellt Microsoft sogar kostenlos zur Verfügung, oder wie im Falle von Windows Server Essentials, sehr günstig. In den Gesamtkosten steht Windows den Linux-Servern also in nichts nach.

Mythos 9: Windows-Server sind leichter zu bedienen

Zwar bietet Windows in den meisten Fällen eine grafische Oberfläche, dennoch sind die Serverdienste nicht einfach zu bedienen. Zwar lassen sich viele Funktionen schneller in Betrieb nehmen als zum Beispiel auf Linux-Servern. Dennoch sind die Verwaltung und Optimierung sowie der sichere Betrieb und vor allem das Troubleshooting auf Windows-Servern nicht immer einfacher. Der Vorteil von Windows-Servern besteht jedoch darin, dass die Konfiguration von Serverdiensten schneller abgeschlossen werden kann. Dennoch ist die Bedienung von Windows-Servern und deren komplexer Dienste nicht immer einfacher.

Mythos 10: Nur mit Active Directory sind Windows-Server sinnvoll

Active Directory stellt den zentralen Verzeichnisdienst für die Verwaltung von Anmeldeberechtigungen in Microsoft-Netzwerken dar. Dennoch ist der Betrieb von Active Directory nicht zwingend erforderlich. Jeder Windows-Server verfügt über seine eigene Benutzerverwaltung, die auch ohne zentralen Verzeichnisdienst funktioniert. Hinzu kommt, dass Windows-Server auch in Opensource-Verzeichnisumgebungen eingebunden werden können.

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